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"Ein Haus, so es mit sich selbst uneins wird, mag nicht bestehen.
Ich glaube, die Regierung kann nicht dauern, wenn der eine Teil des Volkes frei, der andere versklavt ist."
Abraham Lincoln
Springfield, Illinois, am 17. Juni 1858.
Um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts war kein Land der Welt so interessant f�r andere V�lker wie die Vereinigten Staaten, und wenige zogen so viele Besucher an. Einmal war das Buch des franz�sischen politischen Schriftstellers Alexis de Tocqueville �Demokratie in Amerika" herzlich auf dem europ�ischen Kontinent aufgenommen worden und hatte dazu beigetragen, das Urteil �ber das neue Land zusehends positiver zu gestalten. Dann kamen Reisende ins Land, bewunderten Boston und seine Bai und staunten dar�ber, wie �eine bl�hende Stadt nach der anderen, Utica, Syracuse und Auburn", aus der Wildnis emporgewachsen war; sie durchquerten die Staaten im Norden und fanden �berall die unzweideutigsten Beweise des Wohlstandes und eines raschen Fortschritts in Landwirtschaft, Handel und grossen �ffentlichen Arbeiten. Ja, sie sahen ein ganzes Volk im vollen Genuss einer langen Periode wirtschaftlicher Bl�te. Ob die Besucher in New York, Philadelphia oder Boston landeten, sie waren tief beeindruckt von der R�hrigkeit, der Unternehmungslust und der Lebensfreude der Menschen: New Yorks hohe Bauten und glitzernde Schaufenster spr�hten Licht und Farben, und Philadelphia zeigte mit Stolz seine sch�nen Pl�tze, breiten, schattigen Strassen und sauberen roten Ziegelh�user mit den weissgescheuerten steinernen Vortreppen ...
Das Bundesgebiet erstreckte sich nun weit �ber die W�lder, Ebenen und Gebirge des Kontinents. Innerhalb seiner weitausgedehnten Grenzen lebten dreiundzwanzig Millionen Menschen in einem einunddreissig Staaten umfassenden Bund. Im Osten bl�hten alle Zweige der Industrie; die Landwirtschaft im Mittelwesten und im S�den warf gute Ertr�ge ab; die Eisenbahnen verwoben die besiedelten Landstriche immer enger miteinander, und aus den Erzadern Kaliforniens ergoss sich ein goldener Strom in alle Kan�le der Wirtschaft. Nie zuvor hatte sich ein Land der Verheissung so offenkundig als das Land der Erf�llung erwiesen.
Es konnte den Besuchern jedoch nicht lange verborgen bleiben, dass es tats�chlich zwei Amerikas gab: das des Nordens und das des S�dens. Die Schnelligkeit, mit der die allgemeine Entwicklung vor sich ging, vertiefte noch den Unterschied, der an sich schon zwischen diesen beiden Gebieten herrschte. In Neu-England und den Staaten der mittleren Zone am Atlantik lag das Zentrum von Industrie, Handel und Finanz. Seine Hauptprodukte waren Mehl und Schrot, Schuhe und Stiefel, Baumwollstoffe, Holzwaren, Kleider, Maschinen, Leder und Wollwaren. Die Schiffahrt dieser Gebiete stand auf dem H�hepunkt, und Schiffe unter amerikanischer Flagge befuhren die sieben Meere und bef�rderten die G�ter aller Nationen.
Im S�den dagegen bl�hte die Landwirtschaft. Die Hauptquelle des Wohlstandes war die Baumwolle, ferner, in grossem Abstand, Reis, der l�ngs der K�ste angebaut wurde, Zucker aus Louisiana, Tabak aus den Grenzstaaten und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse; es gab auch ein paar Fabriken. Durch die vollere Ausnutzung des reichen, schwarzen Bodens der Ebenen am Golf von Mexiko stieg die Baumwollproduktion in den f�nfziger Jahren nahezu auf das Doppelte, und Eisenbahnen, Dampfschiffe oder Lastwagen brachten die riesigen Ballen nach den M�rkten im Norden und S�den. Reine Baumwolle machte �ber die H�lfte des amerikanischen Exports aus und war gleichzeitig unentbehrliches Rohmaterial f�r die Textilfabrikanten und Kaufleute des Nordens.
Der Mittelwesten mit seinen endlosen Pr�rien und seiner schnell anwachsenden Bev�lkerung kam in diesen guten Zeiten voll auf seine Kosten, denn sowohl Europa als auch die �lteren Siedlungsgebiete Amerikas brauchten seinen Weizen und seine Fleischerzeugnisse. Seine Bedeutung stieg weiter an, als die Einf�hrung arbeitssparender Maschinen und Ger�te die landwirtschaftliche Produktion in beispielloser Weise anwachsen liess. Die wichtigste der neuen Erfindungen war McCormicks M�hmaschine. 1848 waren f�nfhundert dieser Maschinen im Gebrauch, 1860 aber bereits �ber hunderttausend. Die Weizenernte des Landes stieg von 2,725 Millionen Tonnen im Jahre 1850 auf 4,7 Millionen Tonnen im Jahre 1860; mehr als die H�lfte davon kam aus dem Mittelwesten. Einen wichtigen Beitrag zum Aufschwung des Westens lieferten auch die verbesserten Verkehrsbedingungen. Von 1850 bis 1857 wurden f�nf Eisenbahnhauptlinien durch das Appalachengebirge gelegt; sie verbanden Norden und Westen �wie mit Stahlb�ndern", denn sie liessen einen regen, f�r beide Teile eintr�glichen Handel entstehen und schufen durch die Wechselwirkung der �konomischen Kr�fte eine haltbare Gesinnungsgemeinschaft auch im Politischen. Der S�den war in bedeutend schw�cherem Masse in das sich ausdehnende Eisenbahnnetz miteinbezogen, und erst sp�t in den f�nfziger Jahren verband eine Linie den unteren Mississippi quer durch das Gebirge mit der s�dlichen Atlantikk�ste.
Im Laufe der Jahre traten die widerstreitenden Interessen des Nordens und des S�dens immer deutlicher zutage. Die Leute im S�den nahmen Anstoss an den grossen Gewinnen, die die Gesch�ftsleute des Nordens aus dem Baumwollhandel zogen, und gaben dem Aufstieg des Nordens schuld an der R�ckst�ndigkeit ihres eigenen Gebietes. Die Einwohner des Nordens ihrerseits erkl�rten, dass die Sklaverei, diese �merkw�rdige Einrichtung", die der S�den als unentbehrlich f�r sein Wirtschaftssystem bezeichnete, voll und ganz daf�r verantwortlich sei, dass ihr Gebiet hinter dem Norden zur�ckgeblieben war.
Schon etwa vom Jahre 1830 an hatte die Frage der Sklaverei die Trennung von Norden und S�den in wachsender Sch�rfe ans Licht gebracht, denn die Bewegung zur Abschaffung der Sklaverei konzentrierte sich mehr und mehr auf den Norden und f�hrte zu einer Free-Soil-Bewegung mit dem Ziel, die Sklaverei aus den noch nicht als Einzelstaaten organisierten Gebieten des Bundes herauszuhalten; im S�den aber gab es niemanden, der die Sklaverei nicht ebenso als von seinen V�tern ererbt betrachtet h�tte wie seine englische Sprache, seine repr�sentativen politischen Einrichtungen, sein Denken und seine Sitten und Gebr�uche. Sie war altes Kulturerbe und wurde fraglos hingenommen, besonders in jenen K�stenstrichen, wo sie seit �ber 200 Jahren bestanden hatte und einfach aus dem Leben nicht mehr wegzudenken schien. Eine Reihe von Negern, die in der f�nften und sechsten Generation auf amerikanischem Boden lebten, waren nicht nur in Sprache und Handfertigkeit, sondern auch in ihrem Denken und in ihrer religi�sen und gesellschaftlichen Welt mit den Weissen ihrer Umgebung v�llig eins geworden; in f�nfzehn im S�den und an der Grenze gelegenen Staaten machten Neger fast die H�lfte der weissen Bev�lkerung aus, w�hrend sie im Norden nur eine unbedeutende Minderheit darstellten.
Von der Mitte der vierziger Jahre an warf das Sklavenproblem seinen Schatten �ber die gesamte amerikanische Innenpolitik. Der S�den des Bundes, vom Atlantischen Ozean bis in das Gebiet rechts des Mississippi, war eine verh�ltnism�ssig geschlossene politische Einheit und wusste sich in grunds�tzlicher �bereinstimmung in allem, was Baumwolle und Sklaven betraf. Es steht ausser Zweifel, dass die Mehrzahl der Pflanzer in den S�dstaaten sich daran gew�hnt hatte, die Sklaverei als zum Wesen ihrer Wirtschaft geh�rig anzusehen, denn der Baumwollbau mit seinen primitiven Arbeitsmethoden und seiner neun Monate dauernden Saison machte die Verwendung von Frauen und Kindern neben gelernten Arbeitern m�glich und war - aus allen diesen Gr�nden - gl�nzend f�r Sklavenwirtschaft geeignet.
Die f�hrenden Politiker des S�dens, die Gebildeten und der gr�sste Teil der Geistlichkeit, die in der Auseinandersetzung mit der zunehmend kritischen �ffentlichen Meinung des Nordens das Wort f�hrten, h�rten nun auf, die Sklaverei zu entschuldigen und gingen stattdessen dazu �ber, sie anzupreisen. War sie nicht im Grunde zum Vorteil der Neger? Waren die Beziehungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht viel unmenschlicher unter dem Lohnsystern des Nordens als unter der Sklaverei? Das alte patriarchalische System, auf das die Publizisten des S�dens damit anspielten, war tats�chlich auf dem pers�nlichen Verh�ltnis zwischen Herr und Sklave aufgebaut und bediente sich noch vielfach wenig systematischer Betriebsf�hrungsmethoden. Es hatte bis ungef�hr 1830 vorgeherrscht; dann aber hatte es sich entscheidend ge�ndert, denn mit der Einf�hrung neuer Methoden zur Massenproduktion von Baumwolle im tiefen S�den fand die unmittelbare Beaufsichtigung der Sklaven durch ihre Herren sehr h�ufig ein Ende. Stattdessen wurden berufsm�ssige Aufseher angestellt, deren Stellung von ihrer F�higkeit abhing, ein Maximum an Arbeit aus den Sklaven herauszuholen.
Viele Pflanzer behandelten zwar ihre Neger weiterhin mit Nachsicht, es gab aber auch F�lle von hartherziger Grausamkeit und das System machte es oft unvermeidlich, dass Familien auseinandergerissen wurden. Der st�rkste Einwand gegen die Sklaverei war jedoch nicht die Unmenschlichkeit der Aufseher, sondern die Verletzung des grundlegenden Rechtes jedes Menschen, frei zu sein, und die Gelegenheiten zu Brutalit�t und Unterdr�ckung, die jedes System gibt, das Menschen in Knechtschaft h�lt. Weiterhin aber, um mit F.L. Olmsted, einem Zeitgenossen und gr�ndlichen Kenner der Verh�ltnisse im S�den, zu sprechen, �gibt die Sklaverei dem Arbeiter keinerlei Anreiz, sein K�nnen und seine Geschicklichkeit zu verbessern; sie zerst�rt seine Selbstachtung, verf�lscht seinen Ehrgeiz und lenkt ihn auf Abwege; sie unterdr�ckt alle nat�rlichen Antriebe des Menschen, sich st�ndig um die Steigerung seiner Leistungen zu bem�hen und dadurch seinem Lande und der ganzen Welt immer n�tzlicher zu werden."
Im Laufe der Jahre vergr�sserte sich der Wert des in den Baumwollpflanzungen und ihren Sklaven angelegten Kapitals. Aus unbedeutenden Anf�ngen war die Baumwollernte im Jahre 1800 sprunghaft auf 15,75 Millionen Kilogramm angestiegen, war 1820 auf 72 Millionen geklettert und hatte 1840 insgesamt �ber 301,5 Millionen erreicht. Um 1850 produzierte der amerikanische S�den sieben Achtel des Weltbedarfs an Baumwolle. Die Sklaverei hatte damit Schritt gehalten, und so kam es, dass der Schutz der in den Baumwollplantagen und in der Sklaverei verankerten Interessen und die Ausdehnung des Systems zu innerpolitischen Hauptzielen der S�dstaaten wurden. In erster Linie strebten sie danach, das Baumwollgebiet �ber seine derzeitigen Grenzen hinaus zu erweitern. Sie waren dazu besonders durch das verheerende Einfrucht-System gezwungen, bei dem ausschliesslich Baumwolle angepflanzt wurde, denn es ersch�pfte den Boden sehr rasch und zwang die Pflanzer, neue, fruchtbare Gebiete aufzusuchen. Der S�den war ferner deshalb auf neues Land aus, weil er das Gleichgewicht der Macht im Bundesstaat nur erhalten konnte, wenn er die Neuaufnahme eines freien Staates in den Bund mit der Aufnahme eines Sklavenstaates parierte. Die Gegner der Sklaverei im Norden durchschauten jedoch sehr bald diese innerpolitischen Absichten des S�dens und begannen, in ihnen eine b�swillige Verschw�rung zur Ausdehnung der Sklaverei zu erblicken.
In den dreissiger Jahren wurde die Agitation gegen die Sklaverei in den Nordstaaten sch�rfer und aggressiver. Eine erste Bewegung zur Abschaffung der Sklaverei, ein Ausl�ufer der amerikanischen Revolution, hatte ihren letzten Sieg im Jahre 1808 errungen, als der Kongress den Sklavenhandel mit Afrika abgeschafft hatte. Danach war die Opposition zum gr�ssten Teil auf die Qu�ker beschr�nkt geblieben, deren sanfte Proteste jedoch wirkungslos verhallten, w�hrend die cotton gin den Bedarf an Sklaven immer st�rker vermehrte. In den zwanziger Jahren hatte eine zweite Phase der Agitation eingesetzt, die haupts�chlich von dem dynamischen demokratischen Idealismus der Zeit und dem leidenschaftlichen neuen Interesse f�r soziale Gerechtigkeit getrieben worden war.
Die letzte Phase der Bewegung zur Abschaffung der Sklaverei in Amerika, die nun begann, war k�mpferisch und kompromisslos; sie trotzte allen verfassungsm�ssigen und gesetzlichen Garantien, die das Sklavensystern umgaben, und bestand auf seiner sofortigen Aufhebung. Diese radikale Bewegung fand einen begeisterten F�hrer in William Lloyd Garrison, einem jungen Mann aus Massachusetts, in dem sich der fanatische Heroismus des M�rtyrers mit den F�higkeiten eines erfolgreichen Volkstribunen verband. Am 1. Januar 1831 erschien die erste Nummer seiner Zeitung The Liberator und verk�ndete sein Programm: �Ich werde rastlos f�r die sofortige Befreiung unserer versklavten Landsleute k�mpfen ... Ich lehne es ab, �ber dieses Thema mit M�ssigung zu sprechen oder zu schreiben, ja nur mit M�ssigung daran zu denken ... Ich spreche in vollem Ernst - und unzweideutig - ich werde nichts entschuldigen - ich werde keinen Zoll zur�ckweichen - und man wird auf mich h�ren."
Garrisons Art, die Dinge in schrillen Farben darzustellen, brachte so manchem in den Nordstaaten zum Bewusstsein, welch �bler Art diese Einrichtung war, die er seit langem als selbstverst�ndlich und unab�nderlich hinzunehmen gewohnt war. Seine Methode bestand darin, der �ffentlichkeit die abstossendsten und aussergew�hnlichsten Zwischenf�lle mit Negersklaven vor Augen zu halten und die Sklavenhalter sowie alle, die sie verteidigten, als Folterknechte und Menschenh�ndler zu geisseln. Er bestritt den Herren alle Rechte, wollte nichts von Kompromissen wissen und duldete keinen Aufschub. Garrisons scharfe Sprache und die aufr�hrerische Form seiner �usserungen liessen die meisten Amerikaner im Norden sowohl als auch im S�den jedoch vergessen, dass er pazifistische Ideen vertrat und dass er hoffte, die Sklaven durch moralischen Druck und nicht durch rohe Gewalt zu befreien. Da Garrison es aber ablehnte, politische Mittel in den Dienst seines Zieles zu stellen, war seine f�r die Sklavenbefreiung k�mpfende Gruppe der wirksamsten M�glichkeiten beraubt, seine Ansichten zu propagieren, und so hatten andere Gegner der Sklaverei, die sich nicht �ber die �blichen politischen Methoden erhaben f�hlten - darunter James Birney und Theodore Wald - letzten Endes mehr Erfolg. Sie in erster Linie haben die Bewegung zur Sklavenbefreiung in jener Periode zu einer der st�rksten Kr�fte im �ffentlichen Leben Amerikas gemacht.
Ein Teil der Taktik der Bewegung bestand darin, fl�chtigen Sklaven unter dem Schutz der Nacht zu sicherem Obdach im Norden zu verhelfen oder sie �ber die Grenze nach Kanada zu schaffen. So entstand in den dreissiger Jahren in allen Teilen des Nordens ein ausgekl�geltes Netzwerk geheimer Verbindungswege f�r die Fl�chtlinge, das als �Untergrund-Eisenbahn" bekannt und zu einer festen Einrichtung wurde. Die erfolgreichsten Aktionen dieser Art erlebte der alte Nordwesten, denn allein in Ohio wurde in den Jahren 1830 bis 1860 sch�tzungsweise mehr als 40 000 fl�chtenden Sklaven zur endg�ltigen Freiheit verholfen. Die Zahl der �rtlichen Vereinigungen f�r die Sklavenbefreiung wuchs so rasch an, dass es 1840 �ber 2000 derartige Gesellschaften mit vielleicht 200 000 Mitgliedern gab.
Obwohl es das Hauptziel der aktiven Abolitionisten (Sklavenbefreier) war, die Sklaverei zu einer Gewissensfrage f�r jeden Mann und jede Frau zu machen, hielt sich die Bev�lkerung der Nordstaaten von der Bewegung fern. Sie war zu sehr mit ihren eigenen Dingen besch�ftigt, um mehr in der Sklaverei zu sehen als ein Problem, das der S�den durch die Gesetzgebungen der Einzelstaaten zu l�sen hatte, und die ungez�gelte Agitation und der Eifer der Abolitionisten schienen ihnen die Union zu gef�hrden, deren Einheit ihnen wichtiger war als die Abschaffung der Sklaverei. Indessen, der Erwerb von Texas im Jahre 1845 und der sich bald darauf durch den mexikanischen Krieg ergebende Gebietszuwachs im S�dwesten verwandelten die Frage der Sklaverei aus einem moralischen in ein brennendes politisches Problem. Bis zu diesem Zeitpunkt sprach alles daf�r, dass die Sklaverei nicht �ber die Landstriche hinausgehen w�rde, in denen sie bereits existierte. Seit das �Missouri-Kompromiss" sie im Jahre 1820 auf bestimmte Gebiete eingeschr�nkt hatte, hatte sich keine Gelegenheit geboten, sie dar�ber hinaus zu tragen. Jetzt, da neue Territorien in die Union aufgenommen worden waren, die f�r eine Sklavenwirtschaft geeignet schienen, wurde eine weitere Verbreitung dieser �merkw�rdigen Einrichtung" sehr wahrscheinlich.
Viele Nordstaatler glaubten, die Einrichtung w�rde allm�hlich von selbst verfallen und absterben, wenn man sie in feste geographische Grenzen banne. Sie widersetzten sich deshalb der Aufnahme neuer Sklavenstaaten in den Bund und wiesen auf Erkl�rungen Washingtons und Jeffersons und auf die Verordnung von 1787 hin, die eine Ausdehnung der Sklaverei auf den Nordwesten verbot. Diese Erkl�rungen und die Verordnung, behaupteten sie, seien rechtskr�ftig und stellten klare Pr�zedenzentscheidungen dar. Da es in Texas bereits Sklaverei gab, trat es der Union nat�rlich als Sklavereistaat bei; in Kalifornien, New Mexico und Utah jedoch gab es keine Sklaverei. Als die Vereinigten Staaten im Jahre 1846 Anstalten machten, diese Gebiete zu �bernehmen, kamen von vier grossen Gruppen einander v�llig widersprechende Vorschl�ge f�r ihr k�nftiges Schicksal. Die extremen Vertreter des s�dlichen Gesichtspunkts dr�ngten darauf, alles von Mexiko erworbene Land den Sklavenhaltern zu �ffnen; eine n�rdliche Gruppe entschiedener Abolitionisten verlangte, dass s�mtliche neuen Territorien der Sklaverei verschlossen bleiben sollten; eine Gruppe Gem�ssigter regte an, die durch das Missouri-Kompromiss festgesetzte Grenze nach Westen bis zum Pazifik zu verl�ngern und die freien Staaten n�rdlich, die Sklavenstaaten s�dlich dieser Linie zu halten; eine andere gem�ssigte Gruppe schliesslich schlug vor, die Entscheidung dieser Frage der �Souver�nit�t des Volkes" anheimzustellen - d.h., die Regierung sollte den Siedlern erlauben, nach Gutd�nken mit oder ohne Sklaven in das neue Land zu ziehen, und sollte, wenn die Zeit reif sei, das Gebiet in Staaten organisieren und dem Volk selbst die Entscheidung �berlassen. Je st�rker man im S�den zu der Ansicht neigte, dass die Sklaverei in allen Gebieten Existenzberechtigung habe, desto mehr hielt man im Norden daf�r, dass sie in keinem Staat existieren d�rfe, und 1848 stimmten nahezu 300 000 Mann f�r die Kandidaten einer Free Soil Party (Partei des Freien Bodens), die als Hauptprogrammpunkt �die Sklaverei begrenzen, lokalisieren und diskreditieren" wollte.
Die Entdeckung von Gold in Kalifornien im Januar 1848 l�ste einen Ansturm von Goldsuchern aus aller Welt aus; die Zahl der Einwanderer nach den Vereinigten Staaten belief sich allein im Jahre 1849 auf insgesamt 80 000. Das machte Kalifornien zu einem kritischen Problem, denn es war klar, dass der Kongress den Status dieses neuen Gebietes festzulegen hatte, noch ehe eine regelrechte Regierung eingesetzt werden konnte. Die Nation setzte ihre Hoffnungen auf Senator Henry Clay, der bereits zweimal in Krisenzeiten Kompromissl�sungen herbeigef�hrt hatte, und auch dieses Mal konnte er einem gef�hrlichen regionalen Streit durch einen wohldurchdachten Plan Einhalt gebieten. Sein Kompromissvorschlag (in der sp�ter vom Kongress abge�nderten Form) sah unter anderem die Aufnahme Kaliforniens als Staat mit einer Free-Soil-Verfassung (d.h. unter Verbot der Sklaverei) vor, w�hrend der Rest des neuerworbenen Landes in die zwei Territorien New Mexico und Utah aufgeteilt werden sollte, ohne eine endg�ltige Regelung der Frage der Sklaverei vorzunehmen. Texas' Anspruch auf einen Teil von New Mexico sollte durch Zahlung von 10 Millionen Dollar befriedigt werden; weiter sollte das Verfahren verbessert werden, entflohene Sklaven wieder einzufangen und ihren Herren zur�ckzubringen, und schliesslich sollte der Sklavenhandel (aber nicht die Sklaverei) im District of Columbia (der Bundeshauptstadt Washington und ihrer Umgebung) abgeschafft werden. Diese Massnahmen - in der amerikanischen Geschichte als �Kompromiss von 1850" ber�hmt - wurden vom Kongress gebilligt, und ein tiefes Aufatmen der Erleichterung ging durch das Land.
F�r die Dauer dreier kurzer Jahre schien das Kompromiss nahezu alle Gegens�tze auszugleichen. Doch unter der Oberfl�che schwelte es weiter, und die Spannung wuchs. Das neue �Gesetz �ber die Verhaftung und Zur�ckf�hrung entlaufener Sklaven" war vielen Menschen im Norden in der Seele zuwider. Sie lehnten es ab, irgendetwas damit zu tun zu haben, Sklaven einzufangen - im Gegenteil, sie halfen den Fl�chtlingen zu entkommen. Die �Untergrund-Eisenbahn" brachte in voller �ffentlichkeit und mit wachsendem Erfolg zahllosen Menschen Freiheit und Sicherheit.
In diesem Augenblick erschien ein literarisches Werk, aus dem ein grelles Licht auf die Zerrissenheit des amerikanischen Staatswesens fiel und das mit leidenschaftlich gl�hender Menschenliebe die Einrichtung anprangerte, die den Bund in seinem Bestand bedrohte. Die Kreise, die geglaubt hatten, die Sklavenfrage werde sich mehr oder minder von selbst l�sen, hatten nur mit Politikern und Zeitungsleuten gerechnet und konnten nicht ahnen, dass ein einziger Roman tiefer wirken w�rde als Gesetzgeber oder die Tagespresse. Die Dichter Whittier, Lowell, Bryant, Emerson und Longfellow hatten bereits ihrem Hass gegen die Sklaverei wirksam Ausdruck gegeben, und nur wenige Menschen hatten im Jahre 1851 noch geglaubt, dass man dar�ber einen Volksroman schreiben k�nne. In diesem Jahr jedoch erschien in der volkst�mlichen Zeitschrift National Era eine Skizze, die den Tod eines Sklaven namens Onkel Tom schilderte, und erregte so starkes Interesse, dass die Autorin, Harriet Beecher Stowe, sich daran machte, in w�chentlich erscheinenden Fortsetzungen die Geschichte von �Onkel Toms H�tte" zu schreiben und als tragisches Ende den (bereits beschriebenen) Tod Onkel Toms in sie einzuarbeiten.
Dieses Buch war in mehr als einer Hinsicht ungew�hnlich. Dass �Hattie" Beecher, die Tochter des bekannten Predigers Lyman Beecher, schriftstellerisches Talent besass, wusste nur ihr Mann, und als sie begann, �Onkel Toms H�tte" zu schreiben, hatte sie auf diesem Gebiet so gut wie gar keine Erfahrung. Ihre innere, ethische Bereitschaft f�r die Aufgabe war jedoch umso gr�sser, und als das Gesetz �ber die Zur�ckschaffung fl�chtiger Sklaven erlassen wurde, dr�ngte es sie, ihrer �berzeugung laut Ausdruck zu geben. Die Entstehungsgeschichte des Buches geh�rt zu den erstaunlichsten Episoden der Literaturgeschichte. Harriet Beecher Stowe hatte urspr�nglich nur eine kleine Skizze schreiben wollen, aber schon ehe die letzten Fortsetzungen erschienen waren, war die Geschichte zu einer grossen Sensation geworden. 1852 wurde sie in Buchform ver�ffentlicht, und noch vor Jahresende waren �ber 300 000 Exemplare verkauft; acht Druckmaschinen liefen Tag und Nacht, um die grosse Nachfrage zu befriedigen.
�Onkel Toms H�tte" liess den vielen menschlichen und grossm�tigen Besitzern von Sklaven volle Gerechtigkeit widerfahren; der einzige brutale Sklavenantreiber, Simon Legree, stammte aus dem Norden. Aber Harriet Beecher Stowe zeigte, wie untrennbar Sklaverei mit Grausamkeit verkn�pft war und dass zwischen der freien Gesellschaft und der Gesellschaft, die Sklaverei duldete, eine unvers�hnliche Gegens�tzlichkeit bestand. Die junge Generation im Norden, die ins Wahlalter hineinwuchs, wurde von dem Buch zutiefst beeindruckt; aber nicht nur in Amerika, sondern auch in England, Frankreich und anderen L�ndern erf�llte es eine Aufgabe, denn es wurde in viele Kultursprachen �bersetzt und entfachte �berall st�rmische Begeisterung f�r die Sache der Sklavenbefreiung, weil es an die Elementargef�hle der Menschen r�hrte - an Entr�stung und Mitleid mit hilflosen Opfern unbarmherziger Grausamkeit.
Von nun an war die Sklavenfrage einfach nicht mehr zu umgehen. Die d�nne Kruste, die das Kompromiss von 1850 �ber die brodelnde Lava gelegt hatte, riss �berall auf, und schon 1854 entbrannte der alte Streit �ber die gesetzliche Regelung der Sklaverei in den Territorien - in diesem Falle in dem gewaltigen Nebraska-Territorium - von neuem und mit gr�sserer Heftigkeit. Die Radikalen aus dem S�den waren entschlossen, das Missouri-Kompromiss, das das ganze obere Missourital der Sklaverei verschlossen hatte, ausser Kraft zu setzen; aber als sie daf�r die ersten Schritte unternahmen, erhob sich der Norden. Das Gebiet, das heute die fruchtbaren Staaten Kansas und Nebraska umfasst, lockte damals bereits neue Siedler an und versprach nach der Einsetzung einer festen Regierung eine rasche Entwicklung. Der Norden war der Meinung, dass sehr bald Siedler einstr�men w�rden, wenn die Verh�ltnisse erst einmal geordnet w�ren, und dass man dann eine Eisenbahn von Chicago bis zum Pazifik durch das Land legen k�nne. Das Missouri-Kompromiss von 1820 h�tte dieses ganze neue Gebiet f�r die Sklaverei gesperrt. F�hrende Sklavenhalter aus Missouri erhoben jedoch Einspruch gegen die Zulassung des im Westen an Missouri angrenzenden Kansas als freies Territorium, denn dies h�tte Missouri auf drei Seiten mit freien Nachbarstaaten umgeben und den bereits im Innern des Staates m�chtigen Protest gegen die Sklaverei so verst�rkt, dass der �bergang in einen freien Staat unvermeidbar geworden w�re. Eine Zeitlang blockierten deshalb die Abgeordneten Missouris, von den Vertretern des S�dens sekundiert, alle Bem�hungen im Kongress, das neue Gebiet auf eigene F�sse zu stellen.
Im Jahre 1854 jedoch spaltete Stephen A. Douglas, der erste Senator von Illinois, die Opposition dadurch, dass er einen Gesetzesvorschlag einbrachte, der bei allen Free-Soil-Anh�ngern tiefste Emp�rung ausl�ste. Nach seiner Ansicht war das Kompromiss von Missouri l�ngst aufgehoben, da es 1850 Utah und New Mexico freigestellt worden war, die Frage der Sklaverei selbst zu entscheiden. Sein Plan sah die Einrichtung zweier neuer Territorien, Kansas und Nebraska, vor; es sollte den Siedlern erlaubt sein, Sklaven in diese Gebiete mitzubringen, und die Bewohner der beiden Territorien sollten sp�ter selbst entscheiden, ob sie der Union als freie oder als Sklavenstaaten beitreten wollten. Der Norden beschuldigte Douglas, er katzbuckle vor den S�dstaaten, um sich ihre Stimmen f�r die Pr�sidentenwahl von 1856 zu sichern, und zweifellos war sein politischer Ehrgeiz sehr gross; wenn er aber geglaubt hatte, die �ffentliche Meinung im Norden werde seinen Plan gef�gig hinnehmen, so sollte er rasch eines Besseren belehrt werden, denn Millionen von Menschen empfanden es als unverzeihlich, die Sklaverei in die reichen Ebenen des Westens zu bringen. Ein hitziger Kampf brach los und machte sich in leidenschaftlichen Debatten Luft: die Free-Soil-Presse griff Douglas mit Heftigkeit an, Tausende von Geistlichen im Norden wetterten von ihren Kanzeln dagegen, Gesch�ftsleute, die bisher dem S�den freundlich gegen�ber gestanden hatten, nahmen pl�tzlich eine entgegengesetzte Haltung ein. Dennoch wurde an einem Maimorgen das Gesetz vom Senat unter den B�llersch�ssen begeisterter S�dstaatler verabschiedet.
Damals prophezeite Salmon P. Chase, einer der F�hrer der Abolitionisten: �Heute feiern sie einen Sieg; aber das Echo, das sie wecken, wird erst verhallen, wenn auch die Sklaverei ihr Ende gefunden hat." Als Douglas einige Zeit sp�ter nach Chicago kam, um sich zu rechtfertigen, flaggten die Schiffe im Hafen halbmast, die Kirchenglocken l�uteten eine ganze Stunde lang, und eine zehntausendk�pfige Menschenmenge johlte so laut, dass er am Reden verhindert war. In Kansas flammte bittere Feindschaft zwischen den aus dem S�den kommenden Sklavenhaltern und den f�r die Sklavenbefreiung eintretenden Siedlern aus dem Norden auf. Schon nach kurzer Zeit war das Territorium der heftigen bewaffneten Zusammenst�sse wegen im Volksmund zum �blutigen Kansas" geworden.
Die unmittelbaren Folgen des ungl�ckseligen Douglas'schen Gesetzes waren einschneidend. Die Partei der Whigs, die in der Sklavenfrage keinen eindeutigen Standpunkt bezogen hatte, brach zusammen; an ihre Stelle trat eine machtvoll aufstrebende neue Organisation, die Republikanische Partei, und verlangte als erstes das Verbot der Sklaverei in allen Territorien. 1856 stellte die neue Partei den draufg�ngerischen John Fr�mont, der mit seinen f�nf Forschungsexpeditionen in den Fernen Westen wohlverdienten Ruhm errungen hatte, als Pr�sidentschaftskandidaten auf, und obwohl sie die Wahl verlor, konnte sie im Norden einen starken Zulauf verbuchen. F�hrende M�nner der Free-Soil-Bewegung, wie Chase und William Seward, gewannen mehr Einfluss als je zuvor, und gemeinsam mit ihnen trat ein grosser, hagerer Rechtsanwalt aus Illinois, Abraham Lincoln, hervor, der durch die scharfe Logik auffiel, mit der er die neuen Probleme diskutierte.
�Jedes Volk, das eine grosse Schuld unges�hnt mit sich herumtr�gt", hatte Mrs. Stowe geschrieben, �muss furchtbarer Umw�lzungen gew�rtig bleiben"; der Umsturz, den sie prophezeit hatte, kam n�her und wurde mit jedem Jahr, das ins Land ging, unvermeidlicher. 1857 fiel die ber�hmte Entscheidung des Obersten Gerichtshofes im Falle Dred Scott. Scott war Sklave in Missouri gewesen, sein Herr hatte einige zwanzig Jahre zuvor seinen Wohnsitz nach Illinois und Wisconsin, wo die Sklaverei verboten war, verlegt und ihn dorthin mitgenommen. Nach seiner R�ckkehr nach Missouri wurde Scott mit seinem Los unzufrieden und strengte, auf die Tatsache gest�tzt, dass er in einem freien Lande gelebt hatte, einen Prozess auf seine Freilassung an. Das Gericht, in dem Juristen aus dem S�den das �bergewicht hatten, entschied, dass Scott jeden Anspruch auf Freiheit verloren habe, da er freiwillig in einen Sklavenstaat zur�ckgekehrt sei, und verf�gte �berdies, dass alle Versuche des Kongresses, die Sklaverei in den Territorien zu verbieten, rechtsung�ltig seien. Diese Entscheidung versetzte den ganzen Norden in wilde Erregung und f�hrte zu absch�tzigen Urteilen �ber die Justiz, wie sie zuvor nie geh�rt worden waren. F�r die Demokraten der S�dstaaten jedoch bedeutete die richterliche Entscheidung einen grossen Sieg, da sie ihre Auffassung �ber die Sklavenhaltung in den Territorien best�tigte.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich Abraham Lincoln kaum unter den unz�hligen anderen politisch aktiven Anw�lten des Mittelwestens hervorgetan. Schon lange hatte er die Sklaverei als ein �bel betrachtet, und in einer im Jahre 1854 in Peoria, Illinois, gehaltenen Rede hatte er u.a. gefordert, dass die gesamte Gesetzgebung des Bundes auf dem von den Gr�ndern der Republik anerkannten Prinzip aufgebaut werden solle, dass die Sklaverei langsam einzuschr�nken und schliesslich ganz abzuschaffen sei. Das Prinzip der lokalen Souver�nit�t des Volkes sei, so erkl�rte er ferner, nicht auf das Sklavenproblem anwendbar, denn es sei die Angelegenheit der gesamten Vereinigten Staaten und nicht lediglich der Bewohner der westlichen Territorien, wenn dort Sklaverei herrsche. Diese Rede machte ihn damals �ber den ganzen emporstrebenden Westen hin bekannt und f�hrte 1858, vier Jahre sp�ter, bei den Senatswahlen in Illinois zu seiner Aufstellung als Gegenkandidat von Stephen Douglas. Im ersten Teil der Rede, mit der er am 17. Juni 1858 seinen Wahlfeldzug er�ffnete, r�hrte Lincoln an das Leitmotiv, das die amerikanische Geschichte in den n�chsten sieben Jahren durchziehen sollte:
�... �Ein Haus, so es mit sich selbst uneins wird, mag nicht bestehen!' Ich glaube, die Regierung kann nicht dauern, wenn der eine Teil des Volkes frei, der andere versklavt ist. Ich erwarte nicht, dass der Bund sich aufl�st - ich erwarte nicht, dass das Haus einf�llt: aber ich erwarte, dass es die Zweiteilung �berwindet."
Im Laufe des Sommers und Herbstes 1858 diskutierten Lincoln und Douglas siebenmal in �ffentlichen Wahlversammlungen miteinander. In den kleinen, in der prallen Sonne daliegenden Ortschaften, inmitten der wogenden Maisfelder von Illinois, wurden sie von hemds�rmeligen Farmern erwartet, die mit ihren Familien in Leiterwagen und Einsp�nnern oder auch zu Fuss zusammengestr�mt waren. Senator Douglas, von der Ortsgruppe der Demokratischen Partei begleitet, fuhr in einem offenen Wagen vor und bestieg die Rednertrib�ne; er war untersetzt und st�mmig, forsch und ein wenig zu �bertreibungen geneigt, wurde allgemein �der kleine Riese" genannt und besass den Ruf, ein gl�nzender Redner zu sein; jeder Zug seines Gesichts zeugte von Selbstvertrauen und hoher Leistung, jede Bewegung verriet Kraft und Angriffslust. Abe Lincoln pflegte zu Fuss zu kommen; er �berragte mit seinem von Falten durchfurchten Gesicht und seinem langen Hals weithin sichtbar die Menge und sah fast schwerm�tig auf sie herab. Auf ihm lastete die B�rde, als Angreifer aufzutreten, denn er stellte nicht nur Douglas' Recht in Frage, weiterhin im Senat zu verbleiben, sondern repr�sentierte auch eine neue Partei. Die englische Sprache kennt wenige Debatten, die scharfsinniger, klarer und durchschlagender waren als die dieser beiden M�nner bei diesen Gelegenheiten. Und obgleich Douglas wieder zum Senator gew�hlt wurde, hatte sich Lincoln durch diesen Wahlkampf eine anerkannte Stellung im �ffentlichen Leben Amerikas erworben.
Kurz nach der Wahl brach der Kampf zwischen Norden und S�den erneut offen aus. John Brown, ein fanatischer Gegner der Sklaverei, der schon drei Jahre zuvor in Kansas blutig und gewaltsam gegen die Sklaverei vorgegangen war, hatte nicht aufgeh�rt, auf Abhilfe des �bels zu sinnen und plante jetzt zusammen mit einigen radikalen Abolitionisten einen verwegenen Handstreich. Er sammelte eine Gruppe von 18 Anh�ngern, darunter f�nf Neger, um sich und besetzte in der Nacht vom 16. Oktober 1859 das Bundeszeughaus in Harpers Ferry im Staate Virginia. Bei Tagesanbruch str�mten die mit allen m�glichen Waffen ausger�steten B�rger der Stadt zusammen, er�ffneten mit einigen Milizkompanien einen Gegenangriff und nahmen Brown und den �berlebenden Rest seiner Anh�nger gefangen. Das ganze Land geriet �ber diese Episode in Aufruhr. Viele S�dstaatler fanden ihre schlimmsten Bef�rchtungen best�tigt, die Eiferer auf der Gegenseite aber sahen in Brown nur den edlen M�rtyrer einer grossen Sache. Die meisten Nordstaatler indessen verwarfen sein Heldenst�ckchen, denn sie erblickten darin nicht einen Angriff auf den S�den, sondern einen Anschlag auf die gesellschaftliche Ordnung �berhaupt und auf die Demokratie und ihr Verfahren, friedlich zum Besseren fortzuschreiten. Brown wurde wegen Verschw�rung, Hochverrat und Mord der Prozess gemacht, und am 2. Dezember 1859 wurde er geh�ngt. Er hatte sich bis zum letzten Augenblick f�r ein Werkzeug Gottes gehalten.
Dieser Zwischenfall diente lediglich dazu, die seit den ersten Tagen der Besiedlung des Landes bestehenden Gegens�tze zwischen Nord und S�d zu vertiefen und sie noch fester im Leben der sich entfaltenden Nation zu verankern. Der S�den war fast v�llig landwirtschaftlich bestimmt, w�hrend der Norden weithin st�dtischen Charakter trug. Der Norden brauchte Schutzz�lle auf Fertigwaren, um seine wachsende Industrie zu st�rken; der landwirtschaftliche S�den verabscheute sie. Der Norden war an einer beschleunigten Aufteilung des �ffentlichen Grund und Bodens in kleinere Grundst�cke interessiert und forderte immer dr�ngender, dass jedem Siedler unentgeltlich freies Grundeigentum zugewiesen w�rde; �Gib Deine Stimme f�r eine eigene Farm" wurde zu einer weitverbreiteten Wahlparole; der S�den dagegen w�nschte den nationalen Grundbesitz zusammenzuhalten und ihn nur zu hohen Preisen zu verkaufen. Der Norden wollte ein gutfunktionierendes bundesstaatliches Bankwesen; der S�den bek�mpfte die Bundesbank. Im Norden hatte sich eine kr�ftige Mittelklasse entwickelt, und seine Gesellschaft war demokratischer als die des S�dens, wo Besitz und Macht in den H�nden einer kleinen Schicht reicher Sklavenhalter konzentriert waren.
Die Pr�sidentschaftswahl von 1860 brachte die politischen Gegens�tze zwischen dem Norden und dem S�den klar zur Anschauung. Die Republikanische Partei ging in voller Einigkeit in den Feldzug und stellte auf einer von Begeisterung getragenen Tagung in Chicago in Abraham Lincoln ihren volkst�mlichsten Vertreter aus dem Mittelwesten als Pr�sidentschaftskandidaten auf. Alle ihre Kr�fte waren auf das H�chste angespannt, und Millionen von W�hlern verk�ndeten ihre feste Entschlossenheit, die Ausbreitung der Sklaverei nicht l�nger dulden zu wollen. Die Republikanische Partei versprach Schutzz�lle f�r die Industrie und gewann die landhungrigen Nordstaatler durch ihr Versprechen, den Siedlern durch ein neues Gesetz freie Farmen zu sichern. Der Opposition dagegen mangelte es an Einigkeit, und als der Wahltag vor�ber war, sahen sich Lincoln und die Republikanische Partei unangefochten im Sattel.
Es stand von vornherein fest, dass ein Sieg Lincolns S�d-Carolina zum Austritt aus der Union veranlassen werde, denn dieser Staat hatte schon lange, auf einen Anlass gewartet, mit den anderen S�dstaaten zu einem neuen Bund zusammenzutreten. Sobald die Wahlresultate feststanden, erkl�rte eine eigens zu diesem Zweck einberufene Landesversammlung von S�d-Carolina, �dass die gegenw�rtig zwischen S�d-Carolina und anderen Staaten unter dem Namen �Die Vereinigten Staaten von Amerika' bestehende Union hiermit aufgel�st sei." Die Staaten des tiefen S�dens folgten S�d-Carolina unverz�glich und schlossen sich mit ihm am 8. Februar 1861 als Konf�derierte Staaten von Amerika zusammen.
Knapp einen Monat sp�ter, am 4. M�rz 1861, wurde Abraham Lincoln in das Amt des Pr�sidenten der Vereinigten Staaten eingef�hrt. In seiner Antrittsrede lehnte er es ab, diese Trennung vom Bund anzuerkennen, bezeichnete sie als �gesetzlich ung�ltig" und schloss beredt und eindringlich mit der Bitte, �die alten Bande der Freundschaft" wieder anzukn�pfen. Aber der S�den verschloss sich seinen Bitten; am 12. April er�ffneten Gesch�tze das Feuer auf das Bundesfort Sumter in Hafen von Charleston, S�d-Carolina. Jetzt gab es im Norden kein Z�gern mehr; in jeder Stadt und jedem Dorf wurde Alarm getrommelt, und �berall eilte die Jugend zu den Waffen; mit gleicher Begeisterung folgten die Bewohner der sieben Sezessionsstaaten dem inzwischen ergangenen Rufe ihres Pr�sidenten Jefferson Davis. Niemand konnte ahnen, welche Ausmasse der bevorstehende Krieg annehmen und welche Schrecken er �ber das Land bringen w�rde.
Sch�tzungsweise 800 000 Mann fochten in den Armeen der S�dstaaten, und etwa zwei- bis dreimal soviel in denen der Nordstaaten. �ber 50 000 weisse und �ber 100 000 Negersoldaten der Unionsarmee waren in den Sezessionsstaaten selbst rekrutiert worden.
Mit Spannung warteten beide Teile auf die n�chsten Schritte derjenigen Sklavenstaaten, die bisher loyal geblieben waren. Am 17. April beschritt Virginia den schicksalsschweren Weg, und kurz darauf folgten Arkansas und Nord-Carolina. Kein anderer Staat war mit so grossem Widerstreben aus der Union ausgeschieden wie Virginia, denn seine Politiker hatten bei der Erringung der Unabh�ngigkeit und bei der Formulierung der Verfassung eine entscheidende Rolle gespielt, und f�nf Pr�sidenten der USA waren aus Virginia gekommen. Mit Virginia ging auch Oberst Robert E. Lee f�r den Norden verloren, der aus Treue zu seinem Staat den Oberbefehl �ber die Unionsarmee abgelehnt hatte. Zwischen dem auf diese Weise vergr�sserten Gebiet der Konf�deration und dem f�r Free Soil eintretenden Norden lagen die Grenzstaaten, die sich ganz unerwartet als national gesinnt und der Union treu erwiesen.
Auf beiden Seiten ging das Volk mit grossen Hoffnungen auf einen baldigen Sieg in den Krieg. Der Norden war im Vorteil, denn er besass das �bergewicht an Menschen und Material. 23 Staaten mit einer Bev�lkerung von 22 Millionen Menschen standen gegen elf Staaten mit insgesamt neun Millionen Einwohnern im Felde, und zu diesem gr�sseren Menschenpotential des Nordens kam eine sogar noch erheblichere industrielle �berlegenheit, denn im Gegensatz zum landwirtschaftlichen S�den standen dem Norden eine F�lle von Fabriken und Werkst�tten zur Herstellung von Waffen, Munition, Bekleidung und anderem Kriegsmaterial zur Verf�gung; auch das dichtere Eisenbahnnetz im Norden trug zum milit�rischen Erfolg der Union bei. Die Konf�deration wiederum war ein in sich geschlossenes, von guten Wasserwegen durchzogenes Gebiet; da der Kampf auf ihrem Boden stattfand, konnte sie ihre Front mit einem Minimum an Kraftaufwand und einem kleineren Kriegsbudget halten.
Die Strategie des Nordens beruhte auf drei Grundideen: Blockade der H�fen im S�den, Eroberung des Mississippitals und Abspaltung der �stlichen Gebiete vom Rest der Konf�deration. Die Kriegsmarine, die sich ganz im Besitz des Nordens befand, war zu Beginn der Operationen schwach und �ber ein weites Gebiet verteilt, wurde jedoch unter F�hrung des f�higen Marineministers Gideon Welles reorganisiert und gewann an St�rke. Dies machte die Blockade, die Lincoln �ber die s�dlichen Teile der K�ste verh�ngt hatte, trotz vieler Erfolge konf�derierter Blockadebrecher zu einer erheblichen Belastung der Kriegswirtschaft des S�dens, besonders da es schon zu Beginn des Krieges gelungen war, den Hafen von Mobile und New Orleans einzunehmen und so die M�ndung des Mississippi zu verriegeln. Der zweite Teil des strategischen Planes, die Eroberung des gesamten Mississippitals, war knapp zwei Jahre nach Ausbruch des Krieges verwirklicht: eine Armee der Union unter F�hrung General Ulysses S. Grants zwang nach einer Belagerung von sechs Wochen den stark befestigten Binnenhafen Vicksburg zur �bergabe und schnitt so in einer meisterhaften Operation, die zu den klassischen der Kriegsgeschichte geh�ren sollte, die Nachschublinien der Ostfront der Konf�deration von ihrer Basis in Texas, Arkansas und Louisiana im Westen ab.
Nur auf dem Kriegsschauplatz im Osten erlitten die Armeen des Nordens einen entmutigenden Fehlschlag nach dem anderen und wurden ein ums andere Mal durch die �berlegene Strategie der Gener�le des S�dens zum R�ckzug gezwungen. Eine ganze Reihe von Versuchen der Unionsarmeen, in Frontalangriffen das 160 Kilometer von Washington entfernte Richmond im Staate Virginia einzunehmen, schlugen fehl. Erst nachdem die Armeen des Nordens ungeheure Verluste erlitten hatten, erliess Lincoln, mehr aus einem Gef�hl der Verzweiflung als des Triumphes heraus, am 1. Januar 1863 seine ber�hmte Emanzipations-Erkl�rung, die alle aufst�ndischen Sklavenhaltern der S�dstaaten geh�rigen Neger als frei erkl�rte. Damit verk�ndete Lincoln dem S�den und der �brigen Welt, dass der Krieg nicht nur um des Bestands der Union, sondern auch um der Abschaffung der Sklaverei willen gef�hrt wurde.
Im Sommer 1863 leitete der gl�nzende Oberbefehlshaber der S�darmeen, General Robert E. Lee, einen Einfall in das Gebiet der Nordstaaten und stiess bis zu der unweit von Harrisburg, der Hauptstadt des Staates, gelegenen Siedlung Gettysburg in Pennsylvania vor, in dem wichtige Nachschublinien des Nordens zusammenliefen. H�tte sich Lee in Pennsylvania halten k�nnen, dann h�tte er Washington vom R�cken aus angreifen k�nnen; aber die Schlacht von Gettysburg hatte den Konf�derierten grosse und nicht mehr zu ersetzende Verluste gebracht, und Lee musste seine Armeen zur�ckziehen.
1864 begann die entscheidende Endphase der Operationen. Monat f�r Monat war die �berlegenheit des Nordens mit seiner Industrie und Landwirtschaft, seinen Reserven an Menschen und seinem Verkehrswesen �ber die von der Blockade geschw�chten Streitkr�fte des S�dens gewachsen; die Front der Konf�derierten musste fr�her oder sp�ter zusammenbrechen. Im November 1864 setzte sich General William T. Sherman vom Osten Tennessees in Richtung auf Georgia und die K�ste in Marsch und verw�stete alles vor sich her. Seine 60 000 Mann starke Armee trieb ohne R�cksicht auf die Gefahren, die von den verl�ngerten Nachschublinien drohten, einen breiten Keil quer durch den Staat, versorgte sich aus dem Lande, zerst�rte Industrieanlagen, H�user, Baumwollfabriken und �ffentliche Geb�ude, riss die Schienenstr�nge auf und trug den Fluch des totalen Krieges bis tief in den S�den hinein. Sherman erreichte Atlanta und schwenkte nordw�rts durch S�d-Carolina auf Richmond und die Nachhut General Lees ein. Zu gleicher Zeit richtete General Philip Sheridans Armee �hnliche Verw�stungen in dem reichen, bezaubernd in die Berge Virginias eingebetteten Shenandoahtal an, dessen Vorr�te f�r den Nachschub der konf�derierten Kavallerie alles bedeutet hatten, und legte es in Schutt und Asche.
Der Krieg trat damit in sein Endstadium ein. General Grants Armee r�ckte unaufhaltsam gegen Richmond, Sherman stiess nach Norden vor, und der hoffnungslos eingekesselte Lee f�gte sich schliesslich in das Unvermeidliche und kapitulierte am 9. April 1865 in Appomattox vor General Grant.
Die Kapitulationsbedingungen waren mild, und als Grant von der Friedenskonferenz zur�ckkehrte, brachen seine Soldaten in l�rmende Proteste aus, bis er schliesslich versetzte: �Die Rebellen sind nun wieder unsere Landsleute geworden" ... Der Krieg f�r die Unabh�ngigkeit des S�dens war eine �verlorene Sache" geworden.
Der Held der �verlorenen Sache" war unstreitig Robert E. Lee. Sein Organisationstalent, seine gewissenhafte Beachtung auch des Details, seine liebende F�rsorge f�r seine Leute, sein Wagemut und seine gute Erscheinung gewannen ihm Vertrauen und Ergebenheit der Truppen, und seine ausgezeichneten F�hrereigenschaften, seine menschliche Anst�ndigkeit w�hrend des ganzen Konflikts und seine Gr�sse angesichts der Niederlage erweckten Bewunderung. Er war wie George Washington gross im Frieden wie im Kriege. In den f�nf Jahren, die er nach der Auseinandersetzung noch lebte, widmete er sich dem wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Wiederaufbau des S�dens und warb f�r die Wiederherstellung von Treu und Glauben zwischen den Feinden von Gestern.
Im Norden aber hatte der Krieg einem noch bedeutenderen Manne geschichtliche Gr�sse gebracht: Abraham Lincoln. In den ersten Kriegsmonaten hatten nur wenige das wahre Format des unbeholfenen Anwalts aus dem Westen erkannt. Nach und nach jedoch begann das Volk ihn zu verstehen: seine tiefe Weisheit, die sorgf�ltigen Studien und unaufh�rlichem Gr�beln entsprungen war, seine unbeirrte Wahrheitsliebe, seine unersch�pfliche Geduld und ein Herz, dessen Grossmut keine Grenzen kannte. Wenn er auch manchmal zu z�gern und zu schwanken schien, so erwies es sich sp�ter immer zum Vorteil des Landes, dass die Macht sich dem Geist gebeugt hatte, denn ihm lag vor allem daran, das Land nicht durch Gewalt und Unterdr�ckung, sondern in Liebe und Grossmut zu einer Einheit zusammenzuschweissen. Seine Aussenpolitik hatte W�rde, Lauterkeit und Festigkeit, und obwohl Lincoln mehr Macht besass als je ein Pr�sident zuvor, glaubte er inbr�nstig an die demokratische Selbstbestimmung und besass das volle Vertrauen des Volkes, das ihn 1864 zum zweiten Male zum Pr�sidenten w�hlte.
Seine zweite Antrittsrede schloss Lincoln mit den Worten: � ... Keinem zum �bel, in N�chstenliebe f�r alle, unbeirrbar auf das Recht gest�tzt, wie Gott es uns sehen l�sst, wollen wir danach streben, das begonnene Werk zu vollenden, die Wunden unseres Landes zu verbinden, f�r jene, die die B�rde des Kampfes getragen haben, und f�r ihre Witwen und Waisen zu sorgen ... und alles tun, was zu einem gerechten und dauernden Frieden unter uns und mit allen V�lkern f�hren und den Frieden erhalten kann."
Drei Wochen sp�ter, zwei Tage nach Lees Kapitulation, hielt Lincoln seine letzte �ffentliche Ansprache, um seine Richtlinien f�r die Wiedereingliederung der S�dstaaten (Reconstruction) bekanntzugeben - gewiss die grossm�tigsten Bedingungen, die ein Sieger jemals einem hilflosen Gegner gestellt hat, denn Lincoln betrachtete sich nicht als Eroberer, sondern beteuerte, dass er seit 1861 ohne Unterbrechung Pr�sident der ganzen Vereinigten Staaten, nicht nur des Nordens, gewesen war; der Aufstand m�sse vergessen und jeder S�dstaat wieder in den vollen Genuss seiner bundesstaatlichen Rechte eingesetzt werden. Am Abend des 13. April, einem Donnerstag, war ganz Washington zur Feier von Lees Kapitulation illuminiert, und seine Strassen waren von jubelnden Menschenmengen durchwogt. Am 14. hielt der Pr�sident eine Kabinettssitzung, in der die Aufhebung der Blockade beschlossen wurde. Lincoln drang in seine Minister, nur noch f�r den Frieden zu planen und nicht mehr an Blutvergiessen und Verfolgungen zu denken.
Es sollte seine letzte Kabinettssitzung bleiben, denn am Abend des gleichen Tages wurde er von einem besessenen Fanatiker in seiner Loge im Theater ermordet.
�Nie zuvor haben so unz�hlig viele Menschen Tr�nen um den Tod eines Mannes vergossen, den sie nie gesehen hatten, wie an jenem grauenvollen Aprilmorgen" - schrieb der Dichter James Russell Lowell in Erinnerung an Lincolns Ermordung. �Es war, als h�tten sie mit ihm einen Freund verloren, als w�re ihr Leben durch den Verlust k�lter und dunkler geworden. Fremde auf den Strassen tauschten mitf�hlende Blicke miteinander aus und gingen stumm ihres Weges weiter: ihr Schweigen sprach eindrucksvoller als jedes R�hmen am Grab. Ein Bruder war aus dem Kreise der Menschen geschieden ..."
Unter dem neuen, unerprobten und nicht in jeder Hinsicht gleich gut begabten Pr�sidenten Andrew Johnson musste das Land an die L�sung der schwierigen Probleme der Neuordnung und der Wiedereingliederung der S�dstaaten herangehen, denn das Gute, das der Krieg dem Lande gebracht hatte, war von einer �blen Erbschaft �berschattet; der Krieg hatte die Union gerettet und ihre Unzerst�rbarkeit erwiesen, aber das Land war nicht unversehrt aus dem Hexentanz hervorgegangen.
Die wichtigste politische Aufgabe, vor die sich der siegreiche Norden gestellt sah, war die Kl�rung der staatsrechtlichen Position der Sezessionsstaaten, denn ein Konflikt hatte sich dar�ber angesponnen, ob der Kongress oder der Pr�sident daf�r zust�ndig sei. Lincoln hatte stets die Ansicht vertreten, dass der Austritt der S�dstaaten aus dem Verband der Union niemals rechtskr�ftig gewesen, sondern dass das Volk durch einige treulose B�rger zur Auflehnung gegen die Autorit�t des Bundes verf�hrt worden sei. Der Krieg war also nach Lincoln das Werk einiger weniger, und die Bundesregierung w�rde sich nur mit diesen wenigen und nicht mit den Staaten selbst zu befassen haben. Lincoln war �berzeugt gewesen, dass er als Pr�sident und Oberbefehlshaber von Heer und Marine ausschliesslich das Begnadigungsrecht besitze und allein in dieser Sache zust�ndig sei, und hatte dieser seiner Auffassung gem�ss bereits 1863 in einem Erlass bekanntgegeben: Wenn in einem Staate zehn Prozent der Wahlberechtigten von 1860 eine Regierung aufstellten, die sich an die Verfassung halten und die vom Kongress erlassenen Gesetze sowie die Proklamationen des Pr�sidenten befolgen wolle, so werde er die so gebildete Regierung als die gesetzliche Regierung des betreffenden Staates anerkennen. Der Kongress jedoch verweigerte diesem Plan seine Zustimmung und stritt Lincoln das Recht ab, in dieser Frage irgendetwas ohne vorherige Beratung mit dem Kongress zu unternehmen; der Pr�sident, so fand der Kongress, habe sich unbefugt gesetzgeberische Befugnisse angemasst. Lincoln seinerseits weigerte sich, ein weit sch�rferes Gesetz, das 1864 im Kongress angenommen worden war, zu unterzeichnen.
Lincoln aber hatte gehandelt und schon vor Kriegsende Regierungen in Virginia, Tennessee, Arkansas und Louisiana eingesetzt. Einige Kongressmitglieder missbilligten jedoch sein Vorgehen und w�nschten eine harte Bestrafung aller Staaten der Konf�deration. (Einer von ihnen, Thaddeus Stevens, der F�hrer der Republikanischen Partei im Repr�sentantenhaus, vertrat sogar allen Ernstes die Meinung, man solle die Pflanzer der S�dstaaten w�hrend einer bestimmten Bew�hrungsfrist einer Milit�rregierung unterwerfen.) Andere waren entschlossen, den Negern unverz�glich das Wahlrecht zu erteilen. In der Tat befasste sich der Kongress in jener Zeit nicht so sehr mit der Wiederaufnahme der S�dstaaten in die Union als vielmehr mit der Stellung der befreiten Neger und richtete im M�rz 1865 das Freedman's Bureau ein, das �ber die Rechte der befreiten Neger wachen und sie in ihren ersten Bem�hungen, frei ihr Brot zu verdienen, unterst�tzen sollte. Der Kongress gab �berdies der Tatsache der Befreiung der Neger durch einen Verfassungszusatz, der die Sklaverei f�r abgeschafft erkl�rte und im Dezember 1865 ratifiziert wurde, die Sanktion des Rechts.
Lincoln hatte so schon sehr fr�h damit gerechnet, dass die beim Wiederaufbau zu verfolgende Politik zu einer Auseinandersetzung zwischen Exekutive und Legislative f�hren w�rde; die L�sung dieser Probleme fiel jedoch nun seinem Nachfolger Andrew Johnson zu, der wohl �ber reiche Erfahrungen im �ffentlichen Leben, Zivilcourage und einen unbeugsamen Willen verf�gte, aber ungl�cklicherweise weder Takt noch Geduld genug besass - solche Eigenschaften waren seinem Wesen vollkommen fremd -, um die Situation zu meistern.
Im Laufe des Sommers 1865 f�hrte Johnson mit geringf�gigen Abweichungen Lincolns Wiederaufbauplan durch, ohne den Kongress, der sich vertagt hatte, zu Rate zu ziehen. Er ernannte kraft der Verf�gungsgewalt des Pr�sidenten f�r jeden der S�dstaaten einen Gouverneur und setzte, grossz�gig sein Begnadigungsrecht gebrauchend, eine grosse Anzahl von Konf�derierten wieder in ihre politischen Rechte ein. In den S�dstaaten wurden Delegiertenversammlungen abgehalten, die den Austritt aus der Union r�ckg�ngig machten, die Verantwortung f�r die Kriegsschulden ablehnten und neue Staatsverfassungen aufsetzten. Bald w�hlte die Bev�lkerung jedes Staates ihren Gouverneur und ihre Legislative, und sobald die gesetzgebende K�rperschaft eines Staates den Dreizehnten Verfassungszusatz angenommen hatte, erkannte Johnson die Wiedereinsetzung der Zivilverwaltung an und betrachtete den Staat wieder als Mitglied der Union. Dies war bis auf wenige Ausnahmen abgeschlossen, als der Kongress im Dezember 1865 zusammentrat. Noch aber waren die S�dstaaten nicht endg�ltig in ihre alten Rechte im Bundesstaat eingesetzt, denn der Kongress hatte ihren Senatoren und Abgeordneten, die jetzt nach Washington gekommen waren, um sich wieder an der Gesetzgebung f�r die Vereinigten Staaten zu beteiligen, noch keine Sitze zugeteilt.
Lincoln und Johnson waren sich beide dar�ber im klaren, dass der Kongress nach der Verfassung das Recht hatte, den Abgeordneten der S�dstaaten einen Sitz im Kongress zu verweigern, denn: �Jedes Haus entscheidet �ber die Qualifikationen seiner Mitglieder selbst." Unter F�hrung eines Abgeordneten aus Pennsylvania, Thaddeus Stevens, verweigerte die Gruppe, die den S�den bestrafen wollte, den Delegierten der S�dstaaten die Sitze und arbeitete im Laufe der folgenden Monate im Kongress einen Wiederaufbauplan aus, der sich weitgehend von den Massnahmen, die Lincoln begonnen und Johnson fast vollendet hatte, unterschied.
Der Kongress hatte aus einer Reihe von Gr�nden Johnsons Plan abgelehnt. Es liegt in der Natur des amerikanischen Systems, dass w�hrend eines Krieges Macht und Ansehen des Pr�sidenten zunehmen und dass nach dem Kriege der Kongress danach trachtet, seine Autorit�t wieder herzustellen. 1865 hatte man im Kongress das Gef�hl, dass es an der Zeit war, der Macht der Exekutive, deren Ausdehnung der Kongress um des Krieges willen hatte dulden m�ssen, wieder die Z�gel anzulegen. Im Norden gab es �berdies Leute, die auf eine strenge Bestrafung des S�dens drangen. Sie fanden bei den Radikalen im Kongress Unterst�tzung, die sich die Tatsache zunutze machten, dass viele S�dstaatler, die jetzt ein Mandat suchten, zehn Monate vorher aktiv an einem Kriege zur Vernichtung der Union teilgenommen hatten; der Senator des Staats Georgia zum Beispiel war erst k�rzlich der Vizepr�sident der Konf�deration gewesen. Den S�dstaaten erschien es nur nat�rlich, ihre F�hrer in den Kongress zu entsenden; f�r die Nordstaaten aber war es ein Stein des Anstosses.
Es wurde ferner behauptet, dass die Neger Schutz brauchten. Im Laufe der Jahre hatte sich bei vielen der Gedanke durchgesetzt, den Negern das aktive und passive Wahlrecht zu erteilen und sie gesellschaftlich und politisch den Weissen vollkommen gleichzustellen. Andere, unter ihnen Lincoln, traten jedoch daf�r ein, die B�rgerrechte schrittweise zu erteilen und zun�chst nur gebildeten Negern und solchen, die in der Unionsarmee gedient hatten, die volle Gleichheit zu geben. Aber die unter dem Johnson-Plan geschaffenen Parlamente der S�dstaaten erliessen eine Reihe von Gesetzen zur Regelung der Rechte und Freiheiten der emanzipierten Neger, denn den Leuten im S�den, die vor dem Problem standen, was mit 3,5 Millionen eben aus der Sklaverei befreiten Negern geschehen sollte, erschien es notwendig, ihr Tun und Lassen mit einem Netz von (einzelstaatlichen) Gesetzen einzuengen; sie erliessen deshalb die �Schwarzengesetze" (black codes), die den Negern mancherlei Beschr�nkungen auferlegten. Vielen Bewohnern der Nordstaaten schienen solche Gesetze die Errungenschaften des Krieges zunichte zu machen, und radikale Nordstaatler griffen die anr�chigsten davon heraus und suchten zu beweisen, dass der S�den die Sklaverei wieder einf�hren wolle.
Nach und nach wuchs in vielen Nordstaaten die �berzeugung, dass der Pr�sident zu milde gewesen sei, und das l�ste eine Welle von Sympathie f�r die radikale Gruppe im Kongress aus. �ber Johnsons Veto hinweg erliess der Kongress im April 1866 ein �Gesetz �ber die B�rgerlichen Rechte" und im Juli 1866 ein neues �Gesetz �ber das Freedman's Bureau"; beide Gesetze machten es den Parlamenten der S�dstaaten praktisch unm�glich, die Neger vor dem Gesetz zu benachteiligen. Der Kongress arbeitete ferner den Vierzehnten Verfassungszusatz aus, nach dem �alle Personen, die in den Vereinigten Staaten geboren oder eingeb�rgert sind und ihrer Hoheit unterstehen, B�rger der Vereinigten Staaten und des Einzelstaates, in dem sie Wohnsitz haben" sind. Es war nat�rlich die Absicht der Gesetzgeber, den Negern damit die vollen staatsb�rgerlichen Rechte zu sichern.
Mit Ausnahme von Tennessee weigerten sich s�mtliche Parlamente der S�dstaaten, den Zusatzartikel zu ratifizieren; einige von ihnen stimmten sogar geschlossen dagegen. Dies schien gewissen Gruppen Beweis genug, dass harte Strafen n�tig waren und dass der Norden zum Schutz der Rechte der Befreiten eingreifen m�sse. Die Radikalen im Kongress machten sich daran, dem S�den ihren Plan aufzuzwingen, und erliessen im M�rz 1867 ein Gesetz zur Wiedereingliederung der S�dstaaten (Reconstruction Act), das die bereits errichteten Staatsregierungen �berging, den S�den in f�nf grosse Bezirke aufteilte und diese unter Milit�rregierung stellte. Es gab nur eine M�glichkeit, der Milit�rregierung zu entgehen: diejenigen konf�derierten Staaten, die sich bereit erkl�rten, einen Treueid zu leisten, den Vierzehnten Verfassungssatz zu ratifizieren und den Negern das Wahlrecht zu erteilen, durften nach dem Gesetz eine eigene Zivilverwaltung errichten und sollten wieder in die Union aufgenommen werden. Im Juli 1868 wurde der Vierzehnte Verfassungszusatz ratifiziert, und um das Wahlrecht der Neger in den S�dstaaten auch gegen jeden Widerruf durch einen sp�teren Kongress zu sichern, beschloss der Kongress im Jahre darauf den F�nfzehnten Zusatzartikel, der 1870 durch die gesetzgebenden K�rperschaften der Einzelstaaten ratifiziert wurde. Er besagt, dass �das Stimmrecht von B�rgern der Vereinigten Staaten weder von den Vereinigten Staaten noch von einem Einzelstaate auf Grund von Rasse, Hautfarbe oder wegen eines fr�heren Sklavenverh�ltnisses abgesprochen oder eingeschr�nkt werden darf."
Die Tatsache, dass das Gesetz zur Wiedereingliederung der S�dstaaten Pr�sident Johnson eine dem�tigende Niederlage brachte, war nur ein Grund mehr f�r den Kongress, es mit unerm�dlicher Energie durchzufechten. Ja, die Feindseligkeit des Kongresses gegen Johnson nahm ein solches Ausmass an, dass zum ersten und einzigen Male in der Geschichte Amerikas ein Verfahren eingeleitet wurde, um einen Pr�sidenten seines Postens zu entheben, der nichts Schlimmeres verbrochen hatte, als sich der Politik des Kongresses zu widersetzen und dem mit scharfen Worten Ausdruck zu geben. Die schwerste Anklage seiner Feinde gegen ihn war nur, dass er gegen das �Gesetz �ber die Dauer der Amtsperioden" einen Minister seines Amtes enthoben hatte, der im Kabinett die Tendenzen des Kongresses gegen ihn vertreten hatte. Aber in einer �ffentlichen Verhandlung gegen den Pr�sidenten im Senat erwies sich, dass dieser mit der Entlassung des Kriegsministers seine Befugnisse nicht �berschritten hatte. Wichtiger noch war, dass eindrucksvoll zutage trat, welch gef�hrlicher Pr�zedenzfall geschaffen worden w�re, wenn der Kongress einen Pr�sidenten abgesetzt h�tte, nur weil seine Mehrheit mit dessen Politik nicht �bereinstimmte. Der Versuch, Johnson seines Amtes zu entheben, schlug fehl; er blieb bis zum Ablauf seiner Amtsperiode Pr�sident.
Im Rahmen des Wiedereingliederungsgesetzes nahm der Kongress bis zum Sommer 1868 gegen den Widerstand des Pr�sidenten die Staaten Arkansas, Nord-Carolina, S�d-Carolina, Louisiana, Georgia, Alabama und Florida wieder in die Union auf. Dass die neuen Regierungen dieser sieben wieder zugelassenen Staaten nicht den wahren Willen des Volkes verk�rperten, erhellt aus der Tatsache, dass die Mehrheit der gew�hlten Gouverneure, Abgeordneten und Senatoren aus Nordstaatlern bestand, die nach dem Kriege in den S�den gegangen waren, um dort politisch Karriere zu machen. Neger beherrschten die Legislativen von Louisiana, S�d-Carolina und Mississippi und hatten in einigen anderen Staaten, wo sie in der Minderheit geblieben waren, dank ihrer Fraktionsst�rke in den Parlamenten grossen Einfluss. Die wenigen Weissen in den gesetzgebenden K�rperschaften der S�dstaaten waren nicht in der Lage, der Einheitsfront der Nordstaatler und der eben erst mit dem Wahlrecht ausgestatteten Neger die Waage zu halten, die zwar auf manchen Gebieten wertvolle Arbeit leisteten (z.B. im Strassen- und Br�ckenbau und durch fortschrittliche Schul- und Wohlfahrtsgesetze), jedoch im ganzen genommen unf�hig waren und Geld verschwendeten. In ihrer Verzweiflung griffen die Weissen, die ihre ererbte Kultur bedroht sahen und keinen Weg finden konnten, dem neuen Regime auf dem Rechtswege Einhalt zu gebieten, zu ungesetzlichen Massnahmen. Gewalttaten h�uften sich mehr und mehr, Ausschreitungen und Unruhen nahmen zu und f�hrten schliesslich im Jahre 1870 zum Erlass des Enforcement Act, eines Gesetzes, das jeden Versuch, die Neger auf irgendeine Weise in ihren B�rgerrechten zu schm�lern, mit drastischen Strafen bedrohte.
Die immer sch�rfer werdenden Gesetze und die dauernden Eingriffe des Kongresses in die Polizeigewalt der Einzelstaaten konnten die wahre Auss�hnung mit dem Norden nicht f�rdern, die doch f�r die Wiederherstellung des Gef�hle nationaler Gemeinsamkeit so notwendig war. Sie bewirkten �berdies, dass die Masse der Weissen im S�den gemeinsam gegen die Republikanische Partei - �die Partei der Neger" - Front machte und sich geschlossen hinter die Demokratische Partei stellte. Langsam aber wuchs die Einsicht, dass das Problem des S�dens nicht durch harte Gesetze und nachtragenden Hass gegen ehemalige Konf�derierte zu l�sen war; im Mai 1872 erliess der Kongress schliesslich ein allgemeines Amnestiegesetz, das mit Ausnahme von etwa f�nfhundert M�nnern allen Konf�derierten, denen das aktive und passive Wahlrecht entzogen worden war, wieder die vollen staatsb�rgerlichen Recht zuerkannte. Nach und nach und in einem Staat nach dem anderen wurden Mitglieder der Demokratischen Partei in die Staats�mter gew�hlt, bis 1876 nur noch in drei S�dstaaten eine republikanische Mehrheit �brig war. Die in diesem Jahr stattfindende Pr�sidentenwahl, die auf einen der h�rtesten und turbulentesten Wahlk�mpfe in der amerikanischen Geschichte gefolgt war, liess klar erkennen, dass es im S�den nur zum Frieden kommen w�rde, wenn die Truppen zur�ckgezogen w�rden. Pr�sident Rutherford B. Hayes beendete ein Jahr sp�ter die Besatzung und gab damit das Scheitern der �radikalen" Wiedereingliederungspolitik zu, die vor allein deswegen eingeschlagen worden war, weil der idealistische Fl�gel der Republikanischen Partei die Neger sch�tzen wollte, dabei aber den Interessen des materialistisch denkenden Fl�gels diente, der den S�den zu halten gehofft hatte, weil er Wahlstimmen, �mter und Macht bedeutete.
Die Herrschaft des Nordens �ber den S�den war damit vorbei. Der S�den war vom Kriege verw�stet, mit den Schulden unf�higer Regierungen belastet und durch ein Jahrzehnt der Rassenk�mpfe demoralisiert; erst nach zw�lf Jahren - den Jahren des �falschen" Wiederaufbaus von 1865 bis 1877 - ging man daran, ernstlich die Ordnung wiederherzustellen. Fast nicht zu bew�ltigen schien die Aufgabe, die Verw�stungen des Krieges und das Chaos der Nachkriegszeit zu beseitigen; die Trag�die des B�rgerkriegs und die durch ihn entstandene Bitterkeit waren nicht mehr aus der amerikanischen Geschichte auszumerzen. Nur durch ein wirkliches Verst�ndnis dieses Krieges, seiner Ursachen und seiner Folgen k�nnen einige der bleibenden Probleme eines grossen Gebietes in Amerika, des S�dens der Vereinigten Staaten, dem geschichtlichbegreifenden Sinne sich erschliessen.
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