FRtR > Outlines > Geschichte der Vereinigten Staaten (1954) > Die Einbeziehung des Westens und die regionalen Gegens�tze

Grundriss der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika (1954) (1954)


4/7 Die Einbeziehung des Westens und die regionalen Gegens�tze

*** Index * Bibliography/Credits * < Previous Chapter * Next Chapter > ***

"Auf nach dem Westen, junger Mann, um dort mit dem Lande aufzuwachsen!"

Horace Greeley, 1850

Der Krieg von 1812 war in einem gewissen Sinn ein zweiter Unabh�ngigkeitskrieg gewesen, denn bis zu diesem Zeitpunkt waren die Vereinigten Staaten im Kreise der M�chte noch nicht als voll gleichberechtigt anerkannt gewesen. Nach dem Vertrag von Gent, der den Krieg beendet hatte, konnte jedoch niemand mehr den USA die souver�nen Staaten zustehende Behandlung versagen, und die meisten ernsthaften Schwierigkeiten, mit denen die junge Republik seit der Revolution zu k�mpfen gehabt hatte, fielen nun fort. Das Land war geeint, ein Gleichgewicht zwischen Freiheit und Ordnung hergestellt und die Staatsschuld h�chst unbedeutend; ein unerschlossener Kontinent war unter den Pflug zu nehmen: die Aussicht auf Frieden, Wohlstand und sozialen Fortschritt war ungetr�bt.

Politisch war eine ��ra des guten Einvernehmens" angebrochen, denn ein Geist der Einigkeit stand �ber dem Wiederaufbau, der nach Friedensschluss eingesetzt hatte. Einmal war diese Einigkeit ans den mit dem amerikanischen Welthandel verbundenen Problemen herausgewachsen, die das Volk auf Gedeih und Verderb miteinander verbanden. Dann hatten die Entbehrungen der Kriegszeit bewiesen, wie wichtig es war, die amerikanische Industrie zu sch�tzen, bis sie sich allein gegen die Konkurrenz des Auslandes zu behaupten vermochte. Die Auffassung setzte sich durch, dass die wirtschaftliche Unabh�ngigkeit ebenso wesentlich wie die politische sei, und in der Tat war ja eine politische Unabh�ngigkeit ohne wirtschaftliche Selbst�ndigkeit von Grund auf unvollkommen. Der Revolutionskrieg hatte die staatliche Unabh�ngigkeit gebracht; nun machte sich das Land daran, auch die wirtschaftliche zu gewinnen.

Der Augenblick f�r eine Erh�hung der Z�lle war g�nstig. Die Schafz�chter in Vermont und Ohio verlangten Schutz gegen die englische Wolleinfuhr. Die junge, einheimischen Hanf verarbeitende Sackleinen-Industrie von Kentucky, die f�r den Bedarf der Baumwollplantagen produzierte, sah sich von der schottischen Konkurrenz bedroht, und Pittsburgh, damals bereits ein bl�hender Mittelpunkt der Eisengiesserei, dr�ngte darauf, den bisher von der britischen und schwedischen Eisenindustrie beherrschten amerikanischen Markt zu erobern. Unter solchen Einfl�ssen wurden durch das 1816 angenommene Zollgesetz die Z�lle derart heraufgesetzt, dass die Fabriken das Gef�hl wirklichen Schutzes hatten. Ausserdem wurde ein das ganze Land umfassendes Strassen- und Kanalnetz von all denen eifrig bef�rwortet, die von verbesserten Verkehrsbedingungen einen engeren wirtschaftlichen Zusammenschluss von Ost und West erhofften.

Die verfassungsm�ssige Stellung der Bundesregierung wurde gerade damals durch mehrere Beschl�sse des Obersten Bundesgerichts erheblich verst�rkt. John Marshall aus Virginia, ein �berzeugter F�deralist, der 1801 zum Obersten Bundesrichter ernannt worden war und diesen Posten bis zu seinem Tode im Jahre 1835 bekleidete, hatte dem vor seinem Amtsantritt ziemlich einflusslosen Gerichtshof eine Macht zu verschaffen verstanden, die der des Kongresses oder des Pr�sidenten gleichkam. Dies gab seinen Entscheidungen eine erh�hte geschichtliche Bedeutung und kam der Bundesregierung zugute, denn Marshall wich in seiner Amtszeit nie von dem einen leitenden Grundsatz ab, dass die Bundesregierung souver�n sei. Marshall war nicht nur ein grosser Jurist, sondern auch von erheblichem politischem Einfluss auf die Fortentwicklung der amerikanischen Verfassung. Am Ende seiner langen Dienstzeit konnte er auf ann�hernd f�nfzig Urteile zur�ckblicken, die eindeutig verfassungsrechtliche Fragen zum Gegenstand hatten, und seit seiner Amtszeit ist es seine Interpretation der Verfassung, auf die sich die amerikanische Justiz st�tzt. Mit einer seiner ber�hmten Entscheidungen (in dem Fall Marbury gegen Madison) hat er 1803 endg�ltig dem Obersten Bundesgericht die Kompetenz gesichert, die Gesetzgebung des Kongresses oder der Legislative eines Staates auf ihre Verfassungsm�ssigkeit zu �berpr�fen. In einem zweiten Falle (McCulloch gegen Maryland, 1819) ging es um das bereits von Jefferson und Hamilton er�rterte Problem, ob die Verfassung der Regierung stillschweigende Vollmachten zuerkenne. Marshall entschied klar im Sinne Hamiltons, dass die Verfassung in der Tat solche Vollmachten �ber die ausdr�cklich in ihr aufgez�hlten hinaus einschliesse. Auf diese und �hnliche Weise hat Marshall nicht weniger als die Politiker dazu beigetragen, der Regierung des amerikanischen Bundesstaates Leben und Kraft zu geben.

Dass das Nationalbewusstsein sich r�hrte, war auch auf dem so anders gearteten Felde amerikanischer Literatur zu sp�ren, deren eigentliche Anf�nge in diese Periode fallen. Die wichtigsten Vertreter der neuen, typisch amerikanischen Richtung waren Washington Irving und James Fenimore Cooper. Irvings humorvolle �Geschichte New Yorks nach Diedrich Knickerbocker", die 1809 erschien, ist ganz dem amerikanischen Lokalkolorit verhaftet; einige von Irvings besten Werken (zum Beispiel �Rip Van Winkle") spielen im New Yorker Hudsontal und zeigen das Amerika des M�rchens und des Abenteuers. Auch Cooper schrieb dann am besten, wenn er seine Motive aus der heimischen Landschaft nahm. Nach einem ersten Roman im konventionellen englischen Stil ver�ffentlichte er den �Spion", eine Geschichte aus der Revolutionszeit, die ihn �ber Nacht zu einem volkst�mlichen Schriftsteller machte. Seine lebendig geschriebenen �Pioniere" schildern das einfache Leben der amerikanischen Grenzer, und in seinem �Lederstrumpf", der zwischen 1823 und 1841 in Fortsetzungen ver�ffentlicht wurde, schuf Cooper in dem Pionier Natty Bumppo und dem leichtf�ssigen Indianerh�uptling Uncas unsterbliche Gestalten der Weltliteratur. Ein weiteres bedeutsames literarisches Ereignis war die Gr�ndung der North American Review (Nordamerikanische Rundschau) im Jahre 1815. Diese Zeitschrift erreichte unter der Leitung ihres f�higen Redakteurs Jared Sparks ein ausgezeichnetes Niveau und erhielt gen�gend Beitr�ge und Unterst�tzung von den jungen Intellektuellen Neu-Englands, um sich einen dauernden Platz in der geistigen Entwicklung des Landes zu sichern.

Eine weitere Kraft, die viel zur Formung Amerikas beitrug, war das Leben am Rande der Wildnis, der frontier. Die Verh�ltnisse im Gebiet der Atlantikk�ste beg�nstigten die Auswanderung in das neu erworbene Binnenland, denn die Getreideb�den im h�geligen Neu-England konnten es an Fruchtbarkeit nicht mit der billigen, reichen Ackerkrume im Westen aufnehmen; bald verliessen M�nner und Frauen in einem ununterbrochenen Strom die Farmen in der K�stenebene, um von dem reichen Land im Innern Besitz zu ergreifen. Auch die Lebensbedingungen im S�den f�hrten zu einer Abwanderung nach dem Westen; die Siedler im Binnengebiet Nord- und S�d-Carolinas und Virginias litten unter einem Mangel an Strassen und Kan�len und hatten deshalb keinen Zugang zu den K�stenm�rkten; ein weiterer Grund ihrer Unzufriedenheit bestand in der politischen Vorherrschaft der grossen Plantagenbesitzer an der K�ste. So machten auch sie sich auf den Weg und zogen langsam und stetig vom Atlantik zu den Rocky Mountains. Diese Bewegung war von tiefgehendem Einfluss auf den amerikanischen Charakter, denn sie half die Initiative des Einzelnen zu entwickeln und den Boden f�r politische und wirtschaftliche Demokratie vorzubereiten; sie schuf rauhere Sitten und schloss ein allzu konservatives Festhalten am Althergebrachten aus.

Ununterbrochen flutete der Strom westw�rts �ber die erste frontier, die atlantische K�stenebene, hinaus in das Quellgebiet der Fl�sse und �ber die Appalachen. Um 1800 waren das Mississippi- und das Ohiotal ein grosses Grenzland. Das Lied der Auswanderer: �Hei-o, auf, voran, stromab die Bahn auf dem Ohio!" war im Munde von Tausenden.

Die gewaltige V�lkerwanderung zu Anfang des 19. Jahrhunderts f�hrte mit geradezu verwirrender Geschwindigkeit zur Aufteilung der alten Territorien und zur Festsetzung neuer Grenzen, sie zwang zur Aufnahme neuer Staaten in den Bund und gab der politischen Landkarte �stlich des Mississippi feste Formen. Innerhalb von sechs Jahren wurden sechs Staaten gegr�ndet - Indiana 1816, Mississippi 1817, Illinois 1818, Alabama 1819, Maine 1820 und Missouri 1821. Die erste frontier war noch stark an Europa, die zweite an die K�stensiedlungen gebunden gewesen. Erst das Mississippital war wirklich unabh�ngig und auf den Westen ausgerichtet, nicht mehr auf den Osten.

Nat�rlich waren die M�nner der frontier keine einheitliche und einf�rmige Bev�lkerungsgruppe. J�ger und Fallensteller bildeten die Vorhut, nach einer Beschreibung des englischen Weltreisenden Fordham �ein verwegener, z�her Schlag Menschen, die in k�mmerlichen H�tten leben ... Sie sind ungeschliffen, aber gastfreundlich, Fremden gegen�ber freundlich, ehrlich und zuverl�ssig. Sie ziehen etwas Mais und K�rbisse und z�chten Schweine, manche haben ein oder zwei K�he ... trotzdem bleibt die Flinte ihre wichtigste Hilfe im Kampf um die Nahrung." Die Grenzer wussten Axt, Schlinge und Angel zu gebrauchen, sie schlugen Pfade durch die W�lder, bauten die ersten Blockh�tten und hielten die Indianer in Schach.

Nach einiger Zeit verlegte sich gew�hnlich der Nachdruck im Leben der Siedler in der Wildnis von der Jagd auf die Landwirtschaft. Die H�tte wich einem bequemen Blockhaus mit Glasfenstern, einem richtigen Kamin und mehreren Zimmern, und das Wasser kam nun aus einem selbstgegrabenen Brunnen, nicht mehr einfach von der offenen Quelle. Ein fleissiger Mann konnte sein St�ck Land sehr schnell roden, denn er musste nur die B�ume f�llen und die St�mpfe verfaulen lassen, das �brige Holz konnte er verbrennen, um Pottasche daraus zu gewinnen. Ein Siedler baute in der Regel Korn, Gem�se und Obst f�r den eigenen Bedarf an, zog Vieh und Schweine, jagte in den W�ldern nach Wildbret und Truth�hnern oder sammelte Honig und fischte in nahen Fl�ssen. Unternehmende Geister konnten grosse Strecken billigen Landes kaufen und wieder verkaufen, wenn die Bodenpreise stiegen, bevor sie nach Westen weiterzogen und anderen Platz machten.

Bald gesellten sich den Bauern �rzte, Anw�lte, Kleinh�ndler, Redakteure, Priester, Mechaniker und Politiker zu und vervollst�ndigten das Bild einer r�hrig aufstrebenden Gesellschaft. Am wichtigsten waren die Farmer, denn sie blieben ihr ganzes Leben, wo sie sich angesiedelt hatten, und rechneten damit, dass ihre Kinder dasselbe tun w�rden. Im Vertrauen darauf bauten sie gr�ssere Scheunen als ihre Vorg�nger, errichteten feste Backstein- oder Holzh�user, brachten besseres Vieh und besseres Saatgut ins Land und pfl�gten den Boden gr�ndlicher. Manche errichteten M�hlen, S�gewerke und Brennereien; gute Landstrassen, Kirchen und Schulen entstanden.

Der Westen entwickelte sich so st�rmisch, dass sich innerhalb weniger Jahre unglaublich vieles ver�nderte. Noch 1830 z.B. war Chicago nur ein Handelsposten mit einem Fort und ohne jede Zukunft. Jedoch lange bevor einige seiner ersten Siedler das Zeitliche gesegnet hatten, war es eine der gr�ssten und reichsten St�dte der Welt. Im Neuen Westen mischten sich auch die verschiedensten Nationalit�ten. Farmer aus dem H�gelland im S�den herrschten vor (von ihnen stammte Abraham Lincoln ab, der in einer Blockh�tte in Kentucky zur Welt kommen sollte); Iren schottischer Abstammung, Deutsche aus Pennsylvania, Neuengl�nder und manche anderen Nationalit�ten waren vertreten.

Die Anziehungskraft des freien Bodens in Amerika reichte auch nach Europa hin�ber. �ber f�nf Millionen Europ�er kamen von 1820 bis 1860 in die Vereinigten Staaten, und obwohl eine Anzahl von ihnen sich in den St�dten niederliess, erreichten viele andere, besonders Deutsche und Skandinavier, die Pr�rien des Mittelwestens und begannen ihr Leben in der Neuen Welt als Farmer oder Ackerb�rger. Besonders bemerkenswert war die Einwanderung aus Deutschland; in dem Jahrhundert vor dem ersten Weltkrieg wurden die Vereinigten Staaten f�r �ber 5,3 Millionen Deutsche zur zweiten Heimat. Viele von ihnen haben die Kultur des Landes wesentlich bereichert, besonders die geistigen F�hrer des deutschen Liberalismus und die politischen Fl�chtlinge, die vor Metternichs Demagogenverfolgung geflohen oder nach dem Scheitern der politischen Bewegungen von 1830 und 1848 ins Land gestr�mt waren. Einer von ihnen war Karl Follen, der Dichter der Burschenschaften, der in Amerika an hervorragender Stelle am Kampf f�r die Abschaffung der Sklaverei teilnahm, ein zweiter der Staatsphilosoph Franz Lieber, der sp�ter einen philosophischen Lehrstuhl an der Columbia-Universit�t innehatte; ferner geh�rten zu ihnen Gustav K�rner, der sich zu einem der leitenden M�nner in der Republikanischen Partei aufschwang, der Richter und ausgezeichnete Philosoph J. Bernard Stallo und Karl Heinzen, der Reformer, Dichter und Literaturkritiker, der seinen radikalen Idealen treu blieb und es bis an sein Lebensende ablehnte, einen billigen Frieden mit Bismarck und seiner L�sung der �Einheitsfrage", die er f�r unethisch hielt, zu schliessen. Der hervorragendste Deutsch-Amerikaner war Carl Schurz. Er war nach dem Scheitern der Revolution von 1848 aus Deutschland nach den USA gekommen, hatte zun�chst als Farmer angefangen und war sp�ter zu Politik und Rechtswissenschaft �bergegangen. Unter Pr�sident Lincoln wurde er Gesandter in Spanien und sp�ter General im B�rgerkrieg. Nach dem Kriege arbeitete er als Journalist und verband sich mit verschiedenen politischen Reformbewegungen, vornehmlich w�hrend seiner Amtszeit als Innenminister unter Pr�sident Hayes.

Viele der Einwanderer waren nicht Intellektuelle, sondern Bauern und Farmer. Von den deutschen und skandinavischen Bauern konnten die in Amerika geborenen Farmer viel lernen, denn die Bauern waren in der Tradition sorgf�ltigster Bodenbewirtschaftung aufgewachsen und betrachteten ihre H�fe nicht lediglich als Einkommensquellen, sondern als Heimst�tten, die von Generation zu Generation weitervererbt werden sollten. Amerikanische Farmer dagegen sahen im Boden gew�hnlich nur ein Objekt der Spekulation, denn Farmland war verh�ltnism�ssig leicht zu erwerben; dies hatte extensive Anbauverfahren und Raubbau am Boden und an anderen Natursch�tzen zur Folge. Von einer solchen rein gesch�ftsm�ssigen Einstellung zum Farmerberuf waren viele Einwanderer weit entfernt und erzielten mit ihrer Ausdauer und Sorgfalt oft, vor allen Dingen auf die Dauer, bedeutend bessere Ergebnisse als die Yankees. So schrieb ein Farmer aus Missouri einmal an seine Angeh�rigen in Deutschland: �Ich baue mir eine R�ucherkammer, eine K�che und eine Milchkammer �ber einer der ausgezeichneten Quellen in der N�he unseres Hauses, einen Pferdestall und einen Kuhstall. Meine amerikanischen Nachbarn behaupten, ich baute eine ganze Stadt ..."

Es war unvermeidlich, dass die Expansion nach dem Westen auch in die Probleme der Sklavenbefreiung und in die politischen Gegens�tze zwischen den Nord- und S�dstaaten verstrickt wurde. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts und in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts, als in den Nordstaaten die Sklaverei allm�hlich verschwand, glaubten namhafte Staatsm�nner aus dem S�den wie Washington, Jefferson, Madison und Monroe voraussagen zu k�nnen, dass sie auch in ihren Staaten einmal absterben werde. Selbst weite Kreise im S�den waren bereit, die Ungerechtigkeit der Sklaverei zuzugeben. Im Laufe der Zeit jedoch verlor die Philosophie des Liberalismus, die w�hrend der Revolution auf dem H�hepunkt ihrer Wirkung gestanden hatte, an Kraft, und das Sklavenhalten, anstatt mit der Zeit weniger Gewinn abzuwerfen, brachte immer gr�ssere Profite. Als dann im Jahre 1793 Eli Whitney seine epochemachende cotton gin (eine Maschine zur Entfernung der Baumwollsamen aus den Faserkapseln) erfand, war die Lage im S�den vollends ver�ndert. Bis dahin hatte sich nur der Anbau langstapeliger Baumwollsorten, die im Gebiet der Atlantikk�ste gediehen, rentiert; die neue Maschine erlaubte nun auch den Anbau kurzstapeliger Arten und machte damit in dem ausgedehnten Binnengebiet der S�dstaaten, wo �lange Stapel" nicht gediehen, die Baumwollpflanzung rentabel. So kam es, dass die Kultur der weissen Baumwolle und der schwarzen Sklaven in das Tal des unteren Mississippi und in Texas einzog, als die Baumwollpflanzer des S�dens immer weiter in das westliche Neuland vordrangen. Immer seltener sprach man im S�den von der Befreiung der Sklaven, daf�r aber immer h�ufiger von dem Gewinn, den die Sklavenarbeit abwarf. Zu Beginn der dreissiger Jahre des 18. Jahrhunderts gaben es die Politiker des S�dens schliesslich auf, das Sklavenwesen zu entschuldigen, und begannen, es als �eine wirkliche Wohltat" und als die einzige Grundlage zu bezeichnen, auf der beide Rassen in Frieden und Harmonie miteinander leben k�nnten.

Die Gegens�tze zwischen Norden und S�den kamen 1820 zum ersten Mal in einer politischen Krise zum Ausbruch. Man hatte es allgemein als politisch geboten erachtet, im Senat das Gleichgewicht zwischen Norden und S�den zu erhalten, und war zu diesem Zwecke �bereingekommen, von den Staaten, die im Westen neu entstanden, je einen �Sklavenstaat" immer nur zusammen mit einem �freien" (d.h. vom Norden erschlossenen) Staat in den Bund aufzunehmen. Als die Aufnahme des �Sklavenstaates" Missouri allein vorgeschlagen wurde, erhoben naturgem�ss zahlreiche B�rger der Nordstaaten energischen Widerspruch und wollten Missouri nur als �freien" Staat zulassen; grosse Erregung ergriff das ganze Land; f�r eine Weile war die Arbeit des Kongresses durch die bitteren Gegens�tze lahmgelegt, und erst unter dem vers�hnlichen Einfluss Henry Clays gelang der Ausgleich. Missouri wurde als sklavenhaltender Staat aufgenommen, aber zu gleicher Zeit trat Maine (das vom n�rdlichen Teil Massachusetts' abgetrennt worden war) als freier Staat in die Union ein, und der Kongress bestimmte, dass Sklaverei f�r immer aus dem Louisiana-Territorium, von der S�dgrenze Missouris an gegen Norden, verbannt bleiben sollte. Eine Zeitlang beruhigten sich die Gegens�tze zwischen den beiden Landesteilen. Jefferson aber sollte mit seiner Voraussage recht behalten, dass die Sklavenfrage, �die die Nation wie ein n�chtliches Feuer aus der Ruhe aufgeschreckt hatte", weiter unter der Oberfl�che schwelen w�rde. �Wenn das Land einmal in zwei geographische R�ume geteilt ist, wenn die geographische Trennung mit einer prinzipiellen Verschiedenheit im Ethischen und Politischen zusammenf�llt, wenn sich die Leidenschaften der Menschen einmal dar�ber erhitzt haben - dann wird die Scheidung nie mehr verschwinden. Jede neue St�rung wird sie nur vertiefen."

Die landwirtschaftliche Erschliessung des Westens drang nur in Texas �ber die Grenzen der Vereinigten Staaten hinaus und blieb sonst vor 1840 auf Missouri beschr�nkt. Im Fernen Westen hatte sich jedoch inzwischen dem Handel mit Fellen ein reiches Feld er�ffnet, dessen Bedeutung f�r die Geschichte des Landes weit �ber den Wert der Pelze hinausgehen sollte. Genau wie zu Beginn der Erschliessung des Mississippitales durch die Franzosen - ja, wie bei den ersten westlichen Vorst�ssen der Engl�nder und Holl�nder �ber die Atlantische K�ste hinaus - bahnte der H�ndler dem Siedler den Weg. Die franz�sischen und schottisch-irischen Fallensteller erforschten die Systeme der grossen Fl�sse und entdeckten s�mtliche P�sse �ber die Rocky Mountains und das Sierra-Gebirge; die geographischen Kenntnisse der H�ndler von den westlichen Gebieten erm�glichten dann in den vierziger Jahren eine Wanderungsbewegung gr�sseren Stils und sp�ter die endg�ltige Landnahme im Innern des Kontinents.

Neben dem Land, das die Vereinigten Staaten aus der Wanderung nach Westen gewannen, �bernahmen sie 1819 von Spanien sowohl Florida als auch die spanischen Anspr�che auf Oregon im Fernen Westen. (Die spanische Regierung bezahlte durch diesen Verkauf f�nf Millionen Dollar Schulden, die sie bei amerikanischen B�rgern gemacht hatte und die von der Bundesregierung �bernommen worden waren.)

Im Jahre 1817 war James Madison, der seine politische Laufbahn zweimal mit der Wahl ins h�chste Staatsamt hatte kr�nen k�nnen, von James Monroe als Pr�sident abgel�st worden. Das Ereignis seiner Amtszeit, das Monroes Namen unsterblich gemacht hat, war die Verk�ndung der Monroe-Doktrin, die er in Zusammenarbeit mit seinem Aussenminister John Quincy Adams entwickelt hatte; sie war zum Teil durch die Politik der Heiligen Allianz hervorgerufen, durch die die konservativen M�chte Europas ihre �Legitimit�t" gegen die �Revolution" zu sch�tzen versucht hatten. Weite Kreise Amerikas f�rchteten, die Heilige Allianz werde die eben unabh�ngig gewordenen Republiken Lateinamerikas, die dem amerikanischen Vorbild gefolgt waren und sich gegen ihr Mutterland erhoben hatten, erneut unter spanische Botm�ssigkeit zu bringen versuchen, und Grossbritannien, das rege Handelsbeziehungen mit den unabh�ngigen Republiken unterhielt, schlug den Vereinigten Staaten eine gemeinsame scharfe Erkl�rung gegen die Intervention europ�ischer M�chte in S�damerika vor; Minister Adams jedoch riet zu einer individuellen Erkl�rung durch die amerikanische Regierung allein. In diesem Sinne fasste dann die Jahresbotschaft Pr�sident Monroes an den Kongress vom Dezember 1823 die Doktrin in vier Hauptpunkte zusammen:

  1. Nord- und S�damerika �d�rfen von nun an von keiner europ�ischen Macht mehr zu k�nftiger Kolonisierung ausersehen werden";
  2. die Regierungssysteme der M�chte der Heiligen Allianz sind von dem amerikanischen System verschieden; jeder Versuch, sie auf Amerika zu �bertragen, wird als �Bedrohung unseres Friedens und unserer Sicherheit betrachtet werden";
  3. die Vereinigten Staaten versprechen, die Politik der Nichteinmischung in die Angelegenheiten �der bestehenden Kolonien oder sonstiger Besitzungen aller europ�ischen M�chte" aufrecht zu erhalten;
  4. die Vereinigten Staaten haben nie an ausschliesslich europ�ischen Kriegen teilgenommen und beabsichtigen, auch fernerhin so zu handeln.

Zun�chst nahmen die kontinentaleurop�ischen M�chte, aber auch Grossbritannien und die lateinamerikanischen Republiken, die Monroe-Doktrin nicht sonderlich wichtig, ja nicht einmal der Kongress hielt es f�r n�tig, sich in aller Form mit dem vom Pr�sidenten aufgestellten Programm zu befassen. Allm�hlich verst�rkte sich jedoch das Gef�hl f�r die Selbst�ndigkeit des amerikanischen Kontinents, und bereits in den Jahren 1861-67 spielte die Monroe-Doktrin eine wesentliche Rolle, als das volle Gewicht des amerikanischen Einflusses gegen den Versuch Napoleons III., das Regime Erzherzog Maximilians von �sterreich in Mexiko aufrechtzuerhalten, in die Waagschale geworfen wurde. Der Kampf gegen diese offensichtliche Missachtung der Monroe-Doktrin endete mit einem vollen Erfolg; sie war damit als ein wesentlicher Teil der politischen Tradition Amerikas erwiesen.

W�hrend so die Monroe-Doktrin der Welt Amerikas aussenpolitische Orientierung klarmachte, konzentrierte sich das innenpolitische Interesse auf die Vorbereitungen zur Pr�sidentenwahl. Ein scharfer Kampf zwischen f�nf Kandidaten (einer von ihnen war Andrew Jackson, der Held der Schlacht von New Orleans) endete mit der Wahl John Quincy Adams, eines gebildeten, erfahrenen und politisch klugen, aber eigensinnigen und unzug�nglichen Mannes. Ausserordentliche Begabung, fester Charakter und ausgepr�gter Gemeinschaftssinn waren in seinem Wesen mit eiskalter Strenge, barschen Umgangsformen und heftigen Vorurteilen in einer eigent�mlichen Weise gemischt.

W�hrend seiner Amtszeit formierten sich die amerikanischen Parteien neu; die Anh�nger Adams nannten sich National-Republikaner (sie wurden sp�ter zu den Whigs), die Anh�nger Jacksons gaben der Demokratischen Partei ein neues Gepr�ge. Adams Verwaltung war ehrenhaft und erfolgreich, obwohl sie das nationale Strassen- und Kanalsystem, das sie anstrebte, nicht zu schaffen vermochte. Seine Regierung war bei allen Handlungen darauf bedacht, Stimmen f�r die n�chste Wahl zu werben, aber Adams' kaltes, intellektuelles Wesen gewann ihm keine Freunde, und in der Wahl von 1828 unterlag Adams einer ungeheuren Mehrheit f�r Jackson.

Die Pioniere des Westens, die Gr�nder der Gemeinwesen westlich der Alleghanies, hatten in vollem Vertrauen auf ihre Kraft die demokratischen Ideale der frontier in ihren Verfassungen verewigt. Ihre Lehren wirkten auf die �lteren Staaten zur�ck und f�hrten fast �berall noch vor 1829 zur Einf�hrung des allgemeinen Wahlrechts. Schon seit dem Kriege von 1812 war der Westen innerhalb der Union das Z�nglein an der Macht-Waage gewesen; nun war dort die junge Demokratie aus den Kinderschuhen herausgewachsen und der politische Schwerpunkt verschob sich zusammen mit dem Schwerpunkt der Bev�lkerung endg�ltig von der Atlantikk�ste nach Westen. Und der Westen, unterst�tzt von Parteig�ngern aus dem Osten, erhob Jackson, die Verk�rperung des Geistes der frontier, auf den Pr�sidentenstuhl.

Dass das Volk nun �berzeugt war, die volle Macht in den H�nden zu halten, kam beim Amtsantritt Jacksons in Washington, D.C., �bersch�umend zum Ausdruck. Zehntausend Besucher aus allen Teilen des Landes dr�ngten, Zeugen des Ereignisses zu werden. Jackson, gross, hager, ein Raubvogelgesicht unter einer pr�chtigen M�hne dichten weissen Haares, ging in schwarzem Strassenanzug, nur von wenigen Freunden begleitet und ohne Ehrenwache, durch die Menschenmenge die lehmige Pennsylvania Avenue hinauf, machte auf der obersten Stufe der grossen Steintreppe vor der �stlichen S�ulenhalle des Kapitols Halt, legte seinen Amtseid ab und verlas seine Antrittsrede, w�hrend die Massen ihn umjubelten und ihm die H�nde sch�tteln wollten. Mit M�he dr�ngte er sich schliesslich zu seinem Pferd durch und ritt an der Spitze eines aller F�rmlichkeit baren Zuges aus Kutschen und Bauernwagen und einer Menge Menschen allen Alters und verschiedenster Herkunft zum Weissen Haus.

Jackson war mit ganzem Herzen und ganzer Seele auf seiten des Volkes. Er war kurz nach dem Tode seines Vaters in schlimmstem Elend zur Welt gekommen und in bitterer Not aufgewachsen. Das hatte seinen Sinn und sein Verst�ndnis f�r die Sache der Erniedrigten und Unterdr�ckten sein ganzes Leben lang wachgehalten. Als Junge hatte er im Revolutionskrieg gek�mpft, seine beiden Br�der verloren und sich so mit vierzehn Jahren allein in der Welt gefunden. Sp�ter, als Anwalt, Pflanzer und Kaufmann im Grenzland, entwickelte er ein heftiges Misstrauen gegen die organisierte Finanz des Ostens, die einen starken Einfluss auf einen grossen Teil des Handels im Westen aus�bte. Auf der anderen Seite hatte Jackson grosses Vertrauen in die F�higkeit des �gew�hnlichen" Mannes, Aussergew�hnliches zu leisten, kurz, sein Glaubensbekenntnis war einfach und universal: er glaubte an den einfachen Mann, an politische Gleichberechtigung und gleiche wirtschaftliche M�glichkeiten f�r alle und hasste Monopole und Sonderrechte.

Jackson verfehlte nicht, seine neue Macht zu benutzen, um seine Ideen in die Tat umzusetzen. Dies wurde besonders in der Unnachgiebigkeit deutlich, mit der er von 1848 an S�d-Carolina gegen�ber auftrat. Es ging um Schutzz�lle: die Fabrikanten im Norden profitierten nat�rlich am meisten von ihnen, die Pflanzer im S�den dagegen hatten die Last der h�heren Fabrikpreise zu tragen, und je mehr durch die Gesetzgebung des Kongresses die Zolls�tze stiegen, desto reicher wurde das Land im Ganzen, desto schw�cher aber die Wirtschaft in S�d-Carolina. Die Bev�lkerung S�d-Carolinas hatte gehofft, Jackson werde seine Macht als Pr�sident zur Ab�nderung der Zolls�tze benutzen, gegen die sie schon so lange opponiert hatte. Ihre Erwartungen erwiesen sich aber als falsch, denn Jackson, im Gegensatz zu allen S�dstaaten, sah in Schutzz�llen nichts Verfassungswidriges, und als der Kongress 1832 ein neues Zollgesetz erliess, z�gerte Jackson nicht, es zu unterzeichnen. Die Bev�lkerung S�d-Carolinas gr�ndete daraufhin eine �Partei f�r Staatsrechte" (State Rights Party), in der sich alle zusammenfanden, die an das �Prinzip der Nichtigkeitserkl�rung" glaubten, kraft dessen die Delegiertenversammlung eines Staates ein Gesetz des Kongresses f�r verfassungswidrig und somit (innerhalb ihres Staates) f�r null und nichtig erkl�ren k�nne. Die neue gesetzgebende K�rperschaft des Staates, deren Mitglieder sich schon im Wahlkampf zum �Nichtigkeitsprinzip" bekannt hatten, nahm mit �berw�ltigender Mehrheit eine �Verordnung zur Nichtigkeitserkl�rung" (von Bundesgesetzen) an, die die Zollgesetze von 1828 und 1832 innerhalb der Staatsgrenzen f�r nichtig und verfassungswidrig erkl�rte und von allen Staatsbeamten die Ablegung eines Eids auf die �Verordnung" forderte. Sollte der Kongress auf diese Massnahme hin gegen den Staat Gewalt anwenden, dann, so beschloss die Versammlung, werde S�d-Carolina aus der Union austreten.

Im November 1832 sandte Jackson sieben kleinere Schiffe und ein Kriegsschiff nach Charleston mit dem Befehl, sich zu sofortigem Eingreifen gefechtsklar zu halten, und am 10. Dezember erliess er eine scharfe Proklamation gegen die Anh�nger des �Nichtigkeitsgedankens". S�d-Carolina, so erkl�rte der Pr�sident, stehe �an der Schwelle von Revolte und Verrat"; er appelliere an das Volk des Staates, seine Treue zum Bund, f�r den seine Vorfahren gek�mpft h�tten, erneut zu beweisen. Mit Daniel Webster, einem der f�hrenden Staatsm�nner der Zeit, bestand er darauf, dass die Vereinigten Staaten nicht aus �einem Vertrag zwischen souver�nen Staaten" hervorgegangen, sondern ein Bundesstaat seien, �in dessen Regierung die einzelnen Einwohner aller Staaten als Gesamtheit vertreten seien."

Inzwischen waren dem Kongress neue Zollgesetze vorgelegt worden, und es zeigte sich bald, dass nur noch ein Mann eine zwischen den Parteien vermittelnde Vorlage erfolgreich im Kongress durchbringen konnte - der grosse Verfechter der Schutzz�lle, Senator Henry Clay. Nach seinem im Jahre 1833 in kurzer Zeit angenommenen ausgleichenden Zollgesetz sollten alle Abgaben, die 20% des Wertes der eingef�hrten G�ter �berstiegen, in m�ssigen Stufen soweit reduziert werden, dass bis 1842 alle Z�lle die H�he der gem�ssigten S�tze von 1816 erreicht haben w�rden.

Die F�hrer der �Nichtigkeitsbewegung" hatten die Unterst�tzung der anderen S�dstaaten erwartet; diese aber verurteilten ausnahmslos das Vorgehen S�d-Carolinas als unklug und verfassungswidrig. Die �Verordnung" h�tte im Februar in Kraft treten sollen; im Januar jedoch beschloss eine �ffentliche Versammlung der F�hrer der �Staatsrechtspartei", sie auszusetzen, um den Ausgang der im Kongress schwebenden Verhandlungen abzuwarten, und im M�rz hob die gesetzgebende Versammlung von S�d-Carolina schliesslich die �Verordnung" offiziell auf.

Beide Parteien verliessen das Feld mit wehenden Fahnen, denn jede beanspruchte den Sieg f�r sich. Dem Bund war durch seine Regierung der vorbehaltlose und prinzipielle Vorrang �ber die Staaten gesichert worden. Auf der anderen Seite aber hatte S�d-Carolina durch offenen Widerstand einen grossen Teil seiner Forderungen durchgesetzt und damit bewiesen, dass ein einzelner Staat dem Kongress seinen Willen aufzwingen konnte. Der ganze Zwischenfall hatte einen tiefen Einfluss auf die sp�tere Entwicklung der Theorie von den Reservatrechten der Einzelstaaten, denn die F�hrer des S�dens hatten eingesehen, dass eine Nichtigkeitserkl�rung praktisch unwirksam war, und legten deshalb in �hnlichen F�llen in den n�chsten dreissig Jahren das Hauptgewicht immer auf das Recht eines in Mitleidenschaft gezogenen Staates, aus der Union auszuscheiden.

Noch w�hrend der Streitigkeiten um das �Nichtigkeitsprinzip" hatte der aufregende Kampf um die Erneuerung der Konzession f�r die zweite �Bank der Vereinigten Staaten" und damit eine Kette von Ereignissen begonnen, die Jacksons Regierung einer starken Belastungsprobe unterwarfen. Die erste Bank der Vereinigten Staaten war im Jahre 1791 unter Hamilton mit einer Konzession auf zwanzig Jahre gegr�ndet worden. Obwohl die Bundesregierung einen Teil des Stammkapitals besass, war es keine Staatsbank, sondern eine Privatgesellschaft, die Gewinne an ihre Aktion�re aussch�ttete. Obgleich es ihr Zweck war, die W�hrung stabil zu halten und den Handel anzuregen, wurde sie doch von denjenigen abgelehnt, die glaubten, die Regierung gew�hre damit einigen m�chtigen M�nnern besondere Vorteile, und als die Konzession der Bank im Jahre 1811 ablief, wurde sie vom Kongress nicht erneuert. Danach besorgten einige Jahre lang von den Einzelstaaten konzessionierte Banken das Bankgesch�ft, die aber mehr Geld in Umlauf brachten, als sie decken konnten, und damit grosse Verwirrung schufen. Es schien erwiesen, dass die Banken der einzelnen Staaten nicht f�hig waren, dem Land eine einheitliche W�hrung zu geben, und im Jahre 1816 wurde eine der ersten Bank entsprechende zweite Bank der Vereinigten Staaten auf zwanzig Jahre konzessioniert.

Von ihrer Gr�ndung an war die zweite Bank in den neueren Teilen des Landes und bei den weniger beg�terten Schichten aller Gebiete unpopul�r. Der Vorwurf kam erneut auf, dass sie im Grunde genommen Kreditwesen und W�hrung des Landes monopolartig beherrsche und bei ihren Gesch�ften die Interessen von wenigen reichen Leuten vertrete. In Wahrheit wurde sie im ganzen gut gef�hrt und leistete der Nation wertvolle Dienste. Jackson aber, der ein energisches Veto gegen das Konzessionsgesetz einlegte, zog die Verfassungsm�ssigkeit der Bank in Zweifel und hielt ihr Fortbestehen f�r unerw�nscht. Wenn dieses Veto auch Jacksons geringe Kenntnis der Anfangsgr�nde des Bank- und Finanzwesens verriet, so machte es doch den �Farmern, Handwerkern und Arbeitern" unmissverst�ndlich klar, dass Jackson ein unwandelbarer Gegner jedes Gesetzes war, das �die M�chtigen noch m�chtiger machte." Das Veto erregte ungeheures Aufsehen. Der Washington Globe erkl�rte zwar, es befreie das Land von einem Finanzmonopol, aber eine Anzahl Staatsm�nner und Bankleute waren mit dem Gang der Ereignisse h�chst unzufrieden. Die bevorstehende Pr�sidentenwahl sollte dar�ber entscheiden, ob der Kongress oder der Pr�sident den Willen des Volkes richtig eingesch�tzt hatte.

Der folgende Wahlfeldzug stand v�llig unter dem Zeichen des Streites um die Bank. Der grundlegende Riss ging zwischen der Klasse der Kaufleute, Fabrikanten und Finanzleute auf der einen Seite und den Arbeitern und der Landwirtschaft auf der anderen Seite durch - d.h. diejenigen, die den neuen demokratischen Umbruch f�rchteten, standen denen gegen�ber, die mit Jackson aus vollem Herzen �bereinstimmten. Das Ergebnis war eine begeisterte Best�tigung f�r die Sache des �Jacksonismus".

Jackson sah in seiner Wiederwahl einen Auftrag des Volkes, die Bank vollkommen zu zerschlagen und ihr k�nftiges Wiederaufleben zu verhindern. Er bediente sich zu diesem Zwecke einer Bestimmung der Konzessionsurkunde, kraft derer �ffentliche Mittel aus der Bank abgerufen werden konnten, und ordnete Ende September 1833 an, Gelder der Bundesregierung nicht mehr in der Bank der Vereinigten Staaten zu deponieren und das bestehende Guthaben der Regierung nach und nach zur Deckung der ordentlichen Ausgaben abzuheben. Anstatt in der Staatsbank wurde das Geld der Regierung in einigen einzelstaatlichen Banken, die der Regierung Jackson freundlich gegen�berstanden, deponiert; diese aber benutzten ihr neues Kapital h�ufig dazu, unbesonnen grosse Kredite zu gew�hren und so die Spekulation mit Grundst�cken zu f�rdern. Die Hochkonjunktur in Bodenspekulationen fand 1837, kurz bevor Jackson aus dem Amt ausschied, ein pl�tzliches Ende; die einsetzende Depression schm�lerte zwar Jacksons Beliebtheit nicht, brachte jedoch seinem Freund und Nachfolger Martin Van Buren erhebliche Schwierigkeiten. Er war 1836, dank der Spaltung der konservativen Partei der Whigs unter Henry Clay und Daniel Webster, von einer guten Mehrheit gew�hlt worden, hatte aber nicht Jacksons ausgepr�gten Charakter und war deshalb in Krisen weniger f�hig, sich seine Volkst�mlichkeit zu erhalten. Er versuchte, Jacksons Reformpolitik fortzusetzen - bemerkenswert war die Einf�hrung des Zehnstundentages f�r Regierungsangestellte -, aber als er sich 1840 zur Wiederwahl stellte, hielt man ihn nicht f�r den Mann, der Jahren der Not und niedriger L�hne gewachsen war.

Der Pr�sidentschaftskandidat der Whigs, William Henry Harrison aus Ohio, betrachtete sich nach dem Vorbild Jacksons als einen echten Vertreter des demokratischen Westens und war, als Held der Schlacht von Tippecanoe im Kriege von 1812, sehr popul�r. John Tyler, der Kandidat f�r die Vizepr�sidentenstelle, hatte wegen seiner Haltung in der Frage der Rechte der Staaten und wegen seines Eintretens f�r niedrige Zolls�tze viele Freunde im S�den. Der ganze Wahlfeldzug der Whigs war ein ausgelassener Rummel, �berall wurden gewaltige Massenversammlungen und Gelage im Freien abgehalten, Fackelz�ge bewegten sich durch die Strassen, die Frauen waren beinahe ebenso beteiligt wie die M�nner. Die Begeisterung fand wie von selbst Ausdruck im Gesang, und bald war das Lied �Old Tippecanoe" in aller Munde. Die Wahl endete mit einem �berw�ltigenden Sieg der Whigs. Aber obwohl diese sich �ber ihre Kandidaten einig gewesen waren, zerfielen sie �ber den nun einzuschlagenden Kurs miteinander, denn nun r�chte es sich, dass sie in ihrer Wohlkampagne allen und jedem unverantwortliche Versprechungen gemacht hatten. Der achtundsechzigj�hrige Harrison starb einen Monat nach seiner Amtseinf�hrung, und Tyler, dessen Ansichten von denen Clays und Websters, der noch immer einflussreichsten M�nner des Landes, abwichen, wurde Pr�sident. Die Meinungsverschiedenheiten f�hrten noch vor Ablauf von Tylers Amtszeit zum Bruch und brachten die Partei, die den Pr�sidenten gew�hlt hatte, in offenen Gegensatz zu ihm.

Als Andrew Jackson im Jahre 1829 seine Pr�sidentschaft antrat, g�rte es von Unruhe und Auflehnung in der ganzen westlichen Welt, und der amerikanische Reformeifer, wie sehr er auch aus der eigenen Tiefe aufsprang, war Geist vom Geiste der breit dahinstr�menden weltweiten Entwicklungen. Der Aufstand der Demokratie im Politischen, der Jackson zur Pr�sidentschaft erhob, war nur eine Etappe auf dem Vormarsch des einfachen Volkes zu gr�sseren Rechten und M�glichkeiten. In den dreissiger und vierziger Jahren glaubte man unbeschwert an die M�glichkeit, die Menschheit zu vervollkommnen, und aus solchem Glauben erwuchsen befreiende Kr�fte im intellektuellen und geistigen wie im materiellen Leben der Menschen.

Die gleiche Periode, die eine Bl�te des politischen Liberalismus erlebt hatte, wurde Zeuge der ersten Arbeiterorganisation. Schon 1838 konnten die Gewerkschaften, deren Mitgliederzahl in den St�dten der Nordk�ste auf einige 300 000 gestiegen war, vielerorts die Arbeitsbedingungen verbessern. Den Gewerkschaften in Philadelphia gelang es 1835, ihre Lieblingsreform, den Zehnstundentag, anstelle des bisherigen Arbeitstages �von Dunkelheit zu Dunkelheit" durchzudr�cken. Dies war ein erster Anfang; �hnliche Reformen folgten in andern Orten, wie New Hampshire, Rhode Island, Ohio und Kalifornien, das 1850 in den Bund aufgenommen wurde.

Die T�tigkeit der Gewerkschaftsbewegung und ihr Eifer f�r humanit�re Reformen waren aus der fortschrittlichen Bewegung der Zeit nicht wegzudenken. Besonders bedeutungsvoll war ihr Kampf f�r die Demokratisierung der Erziehung. Die Ausdehnung des Wahlrechts auf alle M�nner gab der Idee der Bildung einen neuen Sinn, denn das allgemeine Stimmrecht war, wie weitblickende Staatsm�nner erkannten, gef�hrlich, wenn sich allgemeine Unwissenheit damit verband. Die Bestrebungen von M�nnern wie De Witt Clinton in New York, Abraham Lincoln in Illinois und Horace Mann in Massachusetts wurden durch einen kr�ftigen und pausenlosen Aufkl�rungsfeldzug der organisierten Arbeiterschaft in den St�dten unterst�tzt. Arbeiterf�hrer forderten freie, aus Steuermitteln unterst�tzte Schulen, die allen offen stehen sollten und den Makel einer Wohlfahrtseinrichtung vermeiden w�rden. Im Jahre 1830 verk�ndeten die Arbeiter von Philadelphia: �... wirkliche Freiheit kann ohne weitverbreitetes Wissen nicht bestehen ... Solange die Mittel f�r einen gleichwertigen Unterricht nicht allen gleichm�ssig zur Verf�gung stehen, ist Freiheit nur ein nichtssagendes Wort und Gleichheit ein blosser Schatten."

Nach und nach wurde in einem Staat nach dem andern die freie Schule gesetzlich eingef�hrt. In den vierziger Jahren hatte sich die �ffentliche Schule im n�rdlichen Teil des Landes allgemein durchgesetzt, und in den anderen Gebieten wurde der Kampf bis zum endlichen Sieg weitergef�hrt.

Der gleiche Idealismus, der die M�nner weitgehend von ihren alten Fesseln befreite, erweckte auch in den Frauen das Bewusstsein ihrer eigenen gesellschaftlichen Inferiorit�t. Von der Kolonialzeit an hatte die unverheiratete Frau vor dem Gesetz in vieler Hinsicht dieselben Rechte besessen wie der Mann. Jedoch die Sitte erforderte es, fr�h zu heiraten, und Heirat bedeutete f�r die Frau einen fast v�lligen Verlust ihrer Eigenschaft als �Person" vor dem Recht. Die Erziehung der Frau beschr�nkte sich weitgehend auf Lesen, Schreiben, Musik, Tanzen und Handarbeiten; Frauen hatten nat�rlich kein Wahlrecht. Die Frauen verdankten die ersten Anregungen zur Reform einem Besuch der fortschrittlich denkenden Schottin Frances Wright in Amerika. Dass sie in Versammlungen �ber Theologie und die Rechte der Frauen sprach, schockierte zwar die �ffentlichkeit; ihr Beispiel jedoch rief bald so bedeutende Gestalten der amerikanischen Frauenbewegung wie Lucretia Mott, eine Qu�kerin aus Philadelphia, Susan B. Anthony und Elizabeth Cady Stanton auf den Plan, die der Verachtung der M�nner wie auch der Mehrzahl der Frauen trotzten und ihre Kraft dem Kampf gegen die Sklaverei, der Frauenbewegung und der Arbeiterwohlfahrt widmeten. 1848 wurde in Seneca Falls im Staate New York die erste Tagung f�r Frauenrecht in der Geschichte abgehalten. Die Delegierten fassten eine Resolution, in der gesetzliche Gleichstellung mit den M�nnern in Erziehung und Beruf sowie im Stimmrecht verlangt wurde. Die F�hrerinnen der Frauenbewegung standen auch nicht v�llig allein; ber�hmte M�nner wie Ralph Waldo Emerson, Lincoln und Horace Greeley arbeiteten mit und hielten Vortr�ge zur F�rderung ihrer Sache. Obwohl die Zeit der Agitation g�nstiger war als Taten, wurde vieles verbessert: 1839 gew�hrte Mississippi verheirateten Frauen Verf�gungsgewalt �ber ihr eigenes Verm�gen, und im Jahrzehnt danach wurden �hnliche Gesetze in sieben anderen Staaten erlassen. 1820 er�ffnete Emma Willard ein Seminar f�r M�dchen; 1837 wurde Mount Holyoke, ein College f�r Frauen, gegr�ndet. Noch k�hner war die Einf�hrung der Ko�dukation, zuerst in drei Colleges in Ohio: Oberlin 1833, Urbana 1850 und Antioch 1853.

Das Vertrauen der Nation in die eigene Kraft fand seinen nat�rlichen Ausdruck in einer grossen literarischen Produktivit�t; in dem Jahrzehnt von 1830 und 1840 gelangte die amerikanische Literatur zu hoher Bl�te. Henry Wadsworth Longfellow, John Greenleaf Whittier, Oliver Wendell Holmes und James Russell Lowell haben ihre Anf�nge als Schriftsteller in jener Zeit. Emerson warb f�r den Gedanken des Individualismus und verk�ndete den Adel des Menschen in unverg�nglichen Versen und Prosaschriften. Nathaniel Hawthorne und Edgar Allan Poe kreisten in ihren Werken um das D�stere und �bernat�rliche im menschlichen Dasein und zeugten so von der Vielschichtigkeit des amerikanischen Geistes. Der bleibende Ruhm, den die meisten dieser Schriftsteller aus ihrer literarischen T�tigkeit gewannen, hat viele von ihnen nicht davon abgehalten, in die politischen Probleme der Zeit und in den Kampf f�r gr�ssere Humanit�t aktiv einzugreifen.

Keiner ist so wie Whittier in Gedichten gegen die Sklaverei zu Felde gezogen; Longfellow ver�ffentlichte 1842 seine Poems on Slavery. Lowell gab die gegen die Sklaverei gerichtete Zeitschrift Pennsylvania Freeman heraus; George Bancroft k�mpfte mit vollem Einsatz gegen die Staatsbanken und Bryant verband eine gl�nzende dichterische Laufbahn mit der T�tigkeit als Herausgeber der New York Evening Post von 1829 bis 1878 und leistete auch auf diesem Gebiet Ausgezeichnetes.

Die geistige Situation der Zeit beg�nstigte den neu erwachten Sinn f�r die Geschichte der Republik; eine systematische wissenschaftliche Geschichtsschreibung entstand. In den dreissiger Jahren begann Jared Sparks, der Jahre zuvor die �Nordamerikanische Rundschau" gegr�ndet hatte, mit der Herausgabe historischer Dokumente, insbesondere der gesammelten Schriften Washingtons und Franklins und der diplomatischen Korrespondenzen aus der Zeit der Revolution. Im Jahre 1834 erschien der erste Band einer �Geschichte der Vereinigten Staaten von den fr�hesten Entdeckungen bis zur Annahme der Verfassung" von George Bancroft. Es war die erste umfassende Geschichte Amerikas, die auf kritisch verarbeitetem Quellenmaterial beruhte. Noch ehe das Jahrzehnt abgelaufen war, hatten Bancroft und William Prescott von der F�higkeit amerikanischer Gelehrter, mit hohem stilistischen Feingef�hl Geschichte zu schreiben, Zeugnis abgelegt.

In der Zeit von 1825 bis 1850 hob sich auch der materielle Wohlstand des Volkes zusehends. Nach 1825 begann die Dreschmaschine den Flegel und die Sortiertrommel zu verdr�ngen, und kurz danach wurden die M�hmaschine und der M�hdrescher erfunden. Der technische Genius des Volkes half, die Schwierigkeiten zum Teil zu �berwinden, die aus der schnellen geographischen Ausdehnung f�r den Zusammenhalt der Nation entstanden waren. Die erste �Eisenbahn" war von Pferden gezogen gewesen und 1830 in Betrieb genommen worden. Danach nahm das (Dampf-) Eisenbahnnetz stetig zu, und um 1850 konnte man mit dem �Stahlross" von Maine bis Nord-Carolina, von der Atlantikk�ste bis Buffalo am Eriesee und vom Westende des Eriesees nach Chicago oder Cincinnati reisen. 1844 wurde der 1835 von S.F.B. Morse erfundene elektrische Telegraph erstmalig in Amerika benutzt, 1847 die erste, von Richard Hoe entwickelte Rotationspresse in Gebrauch genommen. Sie revolutionierte das Druckereiwesen und hat wesentlich dazu beigetragen, den Zeitungen ihre beherrschende Stellung im amerikanischen Leben zu sichern.

Wie st�rmisch die Nation wuchs, war vor allem an der Zunahme der Bev�lkerung abzulesen, die von ungef�hr siebeneinviertel Millionen im Jahre 1812 auf �ber dreiundzwanzig Millionen im Jahre 1850 stieg. In dem gleichen Zeitraum wuchs das f�r Besiedlung zur Verf�gung stehende Gebiet von 4,36 Millionen auf beinahe 7,7 Millionen Quadratkilometer und erreichte damit nahezu die Gr�sse des europ�ischen Kontinents. Neben einer bl�henden Landwirtschaft entwickelten sich in raschem Tempo die verschiedensten Industrien nicht nur an der Ostk�ste, sondern auch in den aus dem Boden schiessenden St�dten des Westens. Der Bestand der Nation und die Lebensf�higkeit ihrer Wirtschaft und ihrer Institutionen waren gesichert. Ungel�st blieben jedoch die grunds�tzlichen, in den regionalen Unterschieden wurzelnden Konflikte, die im folgenden Jahrzehnt den B�rgerkrieg entfesseln sollten.

*** Index * Bibliography/Credits * < Previous Chapter * Next Chapter > ***