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Grundriss der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika (1954)


2/7 Der Weg zur Unabh�ngigkeit

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"Wir halten diese Wahrheiten f�r unmittelbar einleuchtend: dass alle Menschen gleich geschaffen sind; dass sie von ihrem Sch�pfer mit gewissen unver�usserlichen Rechten ausgestattet sind, so mit Leben, Freiheit und dem Streben nach Gl�ck."

Unabh�ngigkeitserkl�rung
4. Juli, 1776

John Adams, der zweite Pr�sident der Vereinigten Staaten, hatte das Gl�ck, ein Alter zu erreichen, da man mit Reife und philosophischem Abstand auf die Taten der Mannesjahre zur�ckzublicken liebt. Aus einer solchen Stimmung seiner sp�teren Lebenszeit ist ein Brief erhalten, in dem er erkl�rte, dass die Geschichte der amerikanischen Revolution bereits mit dem Jahre 1620 angefangen habe. �Die Revolution", schrieb er, �war Wirklichkeit, noch bevor der Krieg begonnen hatte. Die Revolution lebte im Geist und im Herzen des Volkes." Die Grunds�tze und Gef�hle, die die Amerikaner zum Aufstand getrieben hatten, m�sse man durch �zwei Jahrhunderte zur�ckverfolgen und in der Geschichte des Landes, von der ersten amerikanischen Pflanzung an, suchen."

Dass sich die Wege Englands und Amerikas einmal scheiden w�rden, wurde jedoch in Wirklichkeit erst nach 1763 offenbar. Um jene Zeit waren gute hundertf�nfzig Jahre seit Gr�ndung der ersten Niederlassung, Jamestown in Virginia, vergangen; die verschiedenen Kolonien waren in Wirtschaft und Kultur reifer geworden, fast alle hatten lange Jahre der Selbstverwaltung hinter sich, ihre Bev�lkerung war seit 1700 von 250 000 auf insgesamt 1500 000 gestiegen.

Was dieses �ussere Wachstum der Kolonien bedeutete, l�sst sich jedoch nicht in Zahlen ausdr�cken. Im 18. Jahrhundert hatte sich, dank des Einwandererstromes aus Europa, das Siedlungsgebiet ausgedehnt, und da der beste Boden nahe der K�ste bereits vergeben war, hatten die Kolonisten, die sp�ter gelandet waren, �ber jene Linie hinaus ins Innere vordringen m�ssen, wo die Fl�sse aus dem H�gelland in die Ebene hinaustreten. H�ndler erkundeten das Hinterland und bewogen durch ihre Berichte von fruchtbaren T�lern im Westen tatkr�ftige Farmer, die besseres oder billigeres Land suchten, mit ihren Familien in die Wildnis zu ziehen und dort auf gottverlassenen Lichtungen ihre Blockh�tten zu zimmern. Sie mussten vielen Unbilden trotzen; der Erfolg aber lohnte die M�hen reichlich, denn immer mehr Kolonisten kamen nach, und bald bev�lkerten die Pioniere, in vollem Vertrauen auf die eigene Kraft, die T�ler des Hinterlands. Im dritten Jahrzehnt des Jahrhunderts waren die M�nner der frontier mit ihren Familien bereits �ber die Grenzen Pennsylvanias hinaus in das Shenandoahtal vorgedrungen; andere Flussl�ufe wiesen den Weg nach einem noch ferneren Lande: dem �Westen".

Bis zum Jahre 1763 hatte Grossbritannien in seinen Kolonien keine konsequent imperialistische Politik getrieben. Die englische Krone hatte sich im wesentlichen von dem merkantilistischen Gesichtspunkt leiten lassen, dass Kolonien das Mutterland mit Rohstoffen zu versorgen h�tten, aber nicht durch eigene Industrien mit ihm in Wettbewerb treten d�rften. Dieses Prinzip war nicht sehr strikt angewandt worden; die Kolonien hatten sich nie nur f�r Teile eines in sich geschlossenen Ganzen angesehen, sondern sich haupts�chlich als b�rgerliche Gemeinwesen oder Staaten, ungef�hr nach dem Muster Englands, betrachtet und waren nur lose mit den Beh�rden in London verbunden. Von Zeit zu Zeit hatten sich die Gem�ter in England erregt, und Parlament oder Krone hatten sich bem�ht, die Kolonien wirtschaftlich und politisch dem Willen und den Interessen Englands st�rker unterzuordnen. Die grosse Mehrheit der Kolonisten aber hatte sich dagegen aufgelehnt, und der Gedanke an die dreitausend Seemeilen zwischen ihnen und dem Mutterland hatte die Angst vor Strafe f�r solchen Ungehorsam nicht recht aufkommen lassen.

Die politische Ruhe und Sicherheit, die die grosse Entfernung von England den Kolonisten garantiert hatte, wurde durch das Leben in der amerikanischen Wildnis noch weiter verst�rkt. Sie waren aus vorwiegend landwirtschaftlichen Gebieten mit beschr�nktem Raum und aus bev�lkerten St�dten in ein grenzenloses, weites Gebiet mit dichten W�ldern und grossen Fl�ssen gekommen. M�nner und Frauen, die in St�dten oder D�rfern aufgewachsen waren, hatten in der Neuen Welt ein in der Gemeinschaft verankertes Leben mit einem Dasein vertauschen m�ssen, in dem der Einzelne fast ganz auf sich selbst gestellt war. So war alles in ihrer neuen Umgebung dazu angetan, die Siedler die Macht der britischen Regierung vergessen zu lassen. Es war allerdings auch keine Notwendigkeit daf�r vorhanden; die politische Ordnung in den Kolonien ruhte zwar auf den gleichen Grundlagen wie in England, aber die tausenderlei Gesetze, die aus den Notwendigkeiten der hochentwickelten englischen Gesellschaft herausgewachsen waren, verloren in den sp�rlich besiedelten W�ldern der Neuen Welt Bedeutung und Nutzen. Die Kolonisten mussten sie abschaffen und neue Gesetze an ihre Stelle setzen, und da sie von der Regierung wenig zu f�rchten hatten und meist auch ohne sie fertig wurden, lernten sie, das Heft selbst in die Hand zu nehmen und allen Zwang zu hassen, und waren �geneigt, zu tun und zu lassen, was ihnen beliebte."

Von allem Anfang an konnten sie hier von der ererbten �berlieferung von dem langen Kampf des Engl�nders um die politische Freiheit grossen Nutzen ziehen. Die Ideen, die in diesem Kampf herausgearbeitet worden waren, fanden ihren formellen Niederschlag im ersten Freibrief f�r Virginia, kraft dessen die Kolonisten die gleichen Freiheiten, Vorteile und Rechtsgarantien geniessen sollten, �als wenn sie in diesem Unserem Englischen Reiche wohnten und geboren w�ren", d.h. die Magna Carta und das englische �Gemeine Recht" (Common Law) sollten auch ihnen zugute kommen. Zu Beginn der Gr�ndungszeit konnten sie ihre angestammten Rechte durchsetzen, weil die Krone willk�rlich den Standpunkt vertrat, dass die Kolonisten der Kontrolle des Parlaments nicht unterworfen seien, und in den Jahren, die folgten, hatten die englischen K�nige zu ausschliesslich mit K�mpfen im Inneren Englands zu tun - K�mpfen, die ihren H�hepunkt in der Revolution der Puritaner fanden -, um sich um die Kolonien zu k�mmern. Ehe sich das Parlament damit befassen konnte, sie unter einer einheitlichen Reichspolitik zusammenzufassen, waren die Kolonien zu stark geworden und hatten sich in ihrer eigenen Weise entwickelt.

Von dem Augenblick an, da sie den neuen Erdteil betreten hatten, lebten die Kolonisten dem englischen Gesetz und der englischen Verfassung gem�ss. Sie besassen gesetzgebende Versammlungen und auf Volksvertretung beruhende Regierungen und genossen die pers�nliche Freiheit, die das Common Law garantierte. Aber die Gesetzgebung wandelte sich immer st�rker nach amerikanischen Gesichtspunkten, und englisches Verfahren und Beispiel traten mehr und mehr in den Hintergrund. Die Befreiung der Kolonien von tats�chlicher englischer �berwachung jedoch wurde nicht kampflos erreicht: die Kolonialgeschichte berichtet von unz�hligen Auseinandersetzungen zwischen den gew�hlten Volksvertretungen und den Gouverneuren, meist vom englischen K�nig eingesetzten Beamten, die f�r die Kolonisten den gef�hrlichen Geist des Vorrechts verk�rperten und ihnen stets als Bedrohung ihrer Freiheiten vor Augen standen. Oft konnten die Kolonisten diesen Statthaltern des K�nigs die Macht aus der Hand winden, denn in der Regel hatten die Gouverneure �nur das Auskommen, das ihnen die Versammlungen zubilligten." Auf Anweisung des K�nigs spielten die Gouverneure gelegentlich einflussreichen Siedlern Land oder vorteilhafte Positionen in die H�nde, um ihre Unterst�tzung f�r die Pl�ne und Absichten der Krone zu gewinnen; waren solche Kolonialbeamte aber ihrer Eink�nfte erst einmal sicher, dann vertraten sie gew�hnlich die Interessen der Kolonie genau wie zuvor.

In den immer wiederkehrenden Zusammenst�ssen zwischen dem Gouverneur, dem Sinnbild des monarchischen Prinzips und eines von aussen her einwirkenden herrschaftlichen Zwangs, und der Volksvertretung, dem Symbol regionaler Unabh�ngigkeit und des demokratischen Prinzips, erwachte und sch�rfte sich der Sinn der Kolonisten f�r die Kluft zwischen englischen und amerikanischen Interessen. Im Laufe der Zeit �bernahmen die Versammlungen in steigendem Masse die Funktionen der Gouverneure und ihrer R�te, zu denen Kolonisten aus Anerkennung f�r blinden Gehorsam gegen den K�nig und seine Politik bestellt worden waren, und das Schwergewicht der Kolonialverwaltung verlagerte sich allm�hlich von London nach den Hauptst�dten der amerikanischen Provinzen. Kurz nach 1770 aber wurde ein Versuch gemacht, dieses Verh�ltnis der Kolonien zum Mutterland von Grund auf zu �ndern. Die Hauptursache f�r diesen Wechsel lag in der endg�ltigen Ausschaltung der Franzosen aus der Herrschaft �ber den nordamerikanischen Kontinent.

W�hrend die Briten l�ngs der Atlantikk�ste schmucke Farmen, ausgedehnte Pflanzungen und betriebsame St�dte angelegt hatten, hatten die Franzosen im Sankt-Lorenz-Tal im Osten Kanadas Kolonien eines anderen Typus gegr�ndet. Sie hatten Forschungsreisende, Missionare und Pelzh�ndler, aber nur wenige Siedler �ber das Wasser geschickt und neben dem Sankt-Lorenz- auch vom Mississippital Besitz ergriffen. Durch eine Kette von Forts und Handelsposten hatten sie sich langsam ein Kolonialreich abgesteckt, das sich halbmondf�rmig von Quebec im Nordosten bis nach New Orleans im S�den erstreckte und die Engl�nder auf den schmalen Raum �stlich der Appalachen einengte.

Die Briten aber hatten sich schon lange gegen solche �franz�sischen �bergriffe" gewehrt. Seit 1613 war es zwischen franz�sischen und englischen Kolonisten zu Zusammenst�ssen gekommen, die sich zu regelrechten Kriegen entwickelten und auf amerikanischem Boden das Auf und Ab des weltpolitischen Konflikts zwischen England und Frankreich widerspiegelten. 1689-1697 wurde im �K�nig-Wilhelm-Krieg" (King William's War) die amerikanische Phase des Pf�lzischen Krieges ausgefochten; der �K�nigin-Anna-Krieg" (Queen Anne's War, 1701-1713) entsprach dem Spanischen Erbfolge-krieg, der �K�nig-Georg-Krieg" (King George's War, 1744-1748) dem �sterreichischen Erbfolgekrieg. Obwohl England aus diesen Kriegen mit gewissen Erfolgen hervorgegangen war, war eine endg�ltige Entscheidung ausgeblieben; Frankreich hatte seine starke Position auf dem amerikanischen Kontinent behaupten k�nnen.

Zwischen 1750 und 1760 trat der Konflikt in seine Endphase ein. Nach dem Aachener Frieden von 1748 hatten die Franzosen ihre Stellung im Mississippital verst�rkt, und zu gleicher Zeit hatte sich die Wanderungsbewegung englischer Kolonisten �ber die Alleghanies beschleunigt. Dieses Wettrennen um das gleiche Gebiet hatte 1754 zu einem bewaffneten Zusammenstoss gef�hrt, an dem B�rgerwehren Virginias unter dem zweiundzwanzigj�hrigen George Washington und - auf franz�sischer Seite - eine Abteilung regul�rer Truppen beteiligt waren. So begann der �Franz�sisch-Indianische Krieg", in dem die Engl�nder mit den ihnen verb�ndeten Indianern gegen die Franzosen und deren eigene indianische Bundesgenossen k�mpften; er sollte f�r alle Zukunft dar�ber entscheiden, ob die Franzosen oder die Engl�nder Nordamerika beherrschen w�rden.

Damals - wie nie zuvor - brauchten die britischen Kolonien jene Tatkraft, die Einigkeit verleiht, denn nicht nur das britische Empire, sondern die amerikanischen Kolonisten selbst waren durch die Stellung Frankreichs unmittelbar bedroht: die Franzosen im Mississippi-tal h�tten dem Vordringen amerikanischer Siedler nach Westen Halt gebieten und damit die Quelle kolonialer St�rke und kolonialen Gedeihens versiegen lassen k�nnen. �berdies hatte sich die franz�sische Herrschaft �ber Kanada und Louisiana nicht nur gefestigt, sondern auch an Ansehen bei den Indianern gewonnen; sogar die Irokesen, die traditionellen Bundesgenossen der Engl�nder, wurden ihren alten Freunden abspenstig gemacht. Jeder britische Siedler, der Erfahrung mit den Indianern hatte, wusste, dass in einem erneuten Krieg nur drastische Massnahmen eine Katastrophe w�rden abwenden k�nnen.

In diesem kritischen Augenblick wies das britische Handelsministerium, das �ber die langsame Verschlechterung der Beziehungen zu den Indianern auf dem laufenden gehalten worden war, den Gouverneur von New York und Bevollm�chtigte der anderen Kolonien an, die Irokesen-h�uptlinge zu gemeinsamen Vertragsverhandlungen einzuladen. Zu diesem Zweck trafen im Juni 1754 Vertreter New Yorks, Pennsylvanias, Marylands und der Neu-England-Kolonien mit den Irokesen in Albany zusammen; die Indianer brachten ihre Beschwerden vor, die Delegierten erkannten sie in ihrem Bericht als zu Recht bestehend an und empfahlen entsprechende Schritte.

Die Versammlungsteilnehmer gingen jedoch weit �ber ihren urspr�nglichen Zweck - die L�sung des Indianerproblems - hinaus. Die an der Zusammenkunft beteiligten Vertreter der Kolonien erkl�rten, dass ein Zusammenschluss der amerikanischen Kolonien �f�r ihr Fortbestehen unerl�sslich" sei und nahmen den von Benjamin Franklin entworfenen �Bundesplan von Albany" (Albany Plan of Union) an. Nach diesem Plan sollte ein vom englischen K�nig eingesetzter Pr�sident gemeinsam mit einem von den Volksvertretungen der Kolonien gew�hlten Grossen Delegiertenrat regieren; jede Kolonie sollte dort je nach ihren Beitr�gen zum gemeinsamen Staatsschatz vertreten sein, die Regierung alle britischen Interessen im Westen - Vertr�ge mit den Indianern, Handel, Verteidigung und Siedlungswesen - wahrnehmen. Franklins Plan wurde jedoch von keiner der Kolonien angenommen, denn keine wollte das Recht, Steuern zu erheben oder die Entwicklung des Westens zu leiten, einer fremden K�rperschaft abtreten.

Der Krieg mit Frankreich wurde von den Kolonien im allgemeinen wenig unterst�tzt; alle Bem�hungen, ein �Pflichtgef�hl dem K�nig gegen�ber" zu erwecken, blieben erfolglos. Was immer an Hilfe von der einen oder anderen Kolonie kam, war dadurch beeintr�chtigt, dass es kein Kriegsziel gab, f�r das sich zu k�mpfen gelohnt h�tte; die Kolonisten sahen in dem Krieg nur die imperialistische Auseinandersetzung zwischen Frankreich und England, und es k�mmerte sie wenig, dass die britische Regierung Truppen in grosser Zahl nach Amerika senden musste, um Schlachten f�r die Kolonien zu schlagen. Sie bedauerten es auch keineswegs, dass die englischen �Rotr�cke" und nicht die einheimischen Milizen das Lob f�r den Sieg einheimsten, und sahen nicht ein, weshalb sie nicht weiter Handel treiben sollten - auch wenn es schliesslich auf �Handel mit dem Feind" hinauslief.

Am Ende trugen die Engl�nder - dank ihrer g�nstigeren strategischen Position, ihrer �berlegenen Marine und ihrer t�chtigeren F�hrung - auch ohne eine wirkliche Unterst�tzung durch die Kolonien und trotz anf�nglicher Niederlagen einen vollen Sieg davon. Nach achtj�hrigen K�mpfen fielen ihnen Kanada und das obere Mississippital zu; der Traum von einem franz�sischen Kolonialreich in Nordamerika war ausgetr�umt.

Nach dem Triumph �ber Frankreich - in Amerika, in Indien, in der ganzen kolonialen Welt - musste Grossbritannien den Problemen seines Empires, das es bis dahin vernachl�ssigt hatte, zu Leibe gehen, denn nun war es notwendig geworden, die weitausgedehnten Besitzungen f�r die gemeinsame Verteidigung zu organisieren, die widerstreitenden Interessen der verschiedenen Gebiete und V�lker miteinander auszus�hnen und die Verwaltungskosten des Kolonialreiches gleichm�ssiger zu verteilen. In Nordamerika allein hatten sich die britischen Besitzungen um mehr als das Doppelte vergr�ssert. Dem schmalen K�stenstreifen am Atlantik war ein ungeheures Gebiet, ein wahres Empire - der weite kanadische Raum und das Land zwischen dem Mississippi und den Alleghanies - zugeschlagen worden. Zu einer Bev�lkerung, die bisher �berwiegend aus englischen Protestanten oder englisch beeinflussten anderen Europ�ern bestanden hatte, kamen nun franz�sische Katholiken und eine betr�chtliche Zahl erst halb christlicher Indianer hinzu. Verteidigung und Verwaltung der neuen Gebiete - von den alten ganz zu schweigen - erforderten riesige Summen Geldes und mehr Menschen. Das �alte Kolonialsystem", das eigentlich �berhaupt kein System gewesen war, konnte diesen neuen Anforderungen offenbar nicht mehr gen�gen. In den kritischen N�ten des Krieges, als ihre Existenz selbst auf dem Spiel gestanden hatte, waren die Kolonisten unter dem alten System nicht zu Mithilfe und Zusammenarbeit zu bringen gewesen. Was also konnte man in Friedenszeiten, ohne Druck von aussen, von ihnen erhoffen?

So stand die Notwendigkeit, das Empire neuzugestalten, den Briten klar vor Augen; die Umst�nde, die in Amerika herrschten, waren jedoch einem Wechsel kaum g�nstig, denn die Kolonien, seit langem an weitreichende Unabh�ngigkeit gew�hnt, waren auf einer Stufe ihrer Entwicklung angekommen, auf der sie nicht weniger, sondern mehr Freiheiten verlangten, besonders seit die Gefahr, die von den Franzosen gedroht hatte, beseitigt war. Die britischen Staatsm�nner, die ein neues System durchsetzen und eine strengere Herrschaft �ber die Kolonien aus�ben wollten, sahen sich Siedlern gegen�ber, die zur Selbstverwaltung erzogen worden waren und keine Einmischung dulden w�rden: selbstsicheren Unternehmern und Kaufleuten, politisch bewussten Handwerkern, Pflanzern, die sich stolz jeder Unterordnung unter imperialen Zwang widersetzen w�rden, Freisassen aus dem Hochland, die die Gesetze und Verordnungen des Empire kaum kannten und sich noch weniger an sie hielten, kolonialen Volksvertretungen, die gegen jede Einmischung in die Rechte ihrer W�hler auf der Hut sein w�rden. Viele Amerikaner k�mmerten sich keinen Deut um das britische Empire; sie waren bis auf eine kleine Minderheit entschlossen, ihre eigenen Wege zu gehen und ihr eigenes Leben in dem Lande zu leben, wo sie der Wildnis eine neue Heimat abgewonnen hatten.

Zun�chst bem�hten sich die Briten, das Hinterland zu organisieren. Die Eroberung Kanadas und des Ohiotals stellte England vor die Aufgabe, ein Verwaltungssystem und eine Boden- und Religionspolitik zu finden, die ihnen die franz�sische und indianische Bev�lkerung nicht entfremden w�rden. Eine solche Politik musste aber mit den Interessen der Kolonien an der K�ste in Konflikt geraten, deren Bev�lkerung rasch stieg und die ihrerseits die neugewonnenen Gebiete ausbeuten wollten. Einige von ihnen, die mehr Land brauchten, beriefen sich auf ihr verbrieftes Recht, nach Westen bis zum Mississippi vorzudringen, und immer gr�ssere Mengen von Kolonisten str�mten �ber die Gebirgsp�sse, �berzeugt davon, dass ihnen das neueroberte Land geh�rte. Die britische Regierung aber f�rchtete, dass der Zustrom der Pioniere neue Kriege mit den Indianern entfachen k�nnte; sie wollte den unruhigen Roth�uten Zeit lassen, sich zu beruhigen, und die neuen Gebiete nur allm�hlich den Kolonisten zug�nglich machen. Aus diesem Grunde erging 1763 eine k�nigliche Proklamation, die das gesamte westliche Gebiet zwischen den Alleghanies, Florida, dem Mississippi und Quebec den Indianern zusprach: die Krone versuchte, die Anspr�che der dreizehn Kolonien auf das Land im Westen mit einem Schlage hinwegzufegen und die Ausdehnung dorthin in gleicher Weise aufzuhalten wie zuvor die Franzosen durch ihre Eroberungen. Diese Massnahme konnte niemals wirksam ausgef�hrt werden; die entr�steten Siedler betrachteten sie jedoch als willk�rliche Verletzung ihres nat�rlichen Rechts, das Land im Westen nach Bedarf zu besiedeln und zu nutzen.

Ernstere Folgen hatte die neue Finanzpolitik der englischen Regierung. Die Erhaltung des gr�sseren Empires kostete Geld, und die Kolonien mussten dazu beitragen, wenn die englischen Steuerzahler nicht die ganze Last tragen sollten. Die Steuern in den Kolonien konnten nur von einer st�rker zentralisierten Verwaltung eingetrieben werden, st�rkere Zentralisierung aber musste die Selbstverwaltung der Kolonien weiter einschr�nken. Der erste Schritt in der neuen Richtung war das 1764 erlassene und zwei Jahre sp�ter erg�nzte Zuckergesetz (Sugar Act), das die Erh�hung der Eink�nfte aus den Kolonien zum alleinigen Ziel hatte und den Handel kaum einzuschr�nken suchte. Es setzte sogar einen �lteren einschr�nkenden Erlass �ber die Regulierung des Handels ausser Kraft: w�hrend durch das �ltere Melassegesetz (Molasses Act) von 1733 Zuckers�fte aus nichtenglischen Gebieten mit einem hohen Einfuhrzoll belegt worden waren, sah das neue Zuckergesetz nur allgemein f�r Sirup aus allen L�ndern einen bescheidenen Zoll vor. Auch auf Weine, Seide, Kaffee und andere Luxusartikel wurden Z�lle erhoben, und die Regierung wies die Zollbeh�rden an, das Gesetz strenger und energischer anzuwenden. Britische Kriegsschiffe in amerikanischen Gew�ssern erhielten Befehl, Schmuggler aufzugreifen, und die Ausgabe von writs of assistance (Blankovollmachten zu Haussuchungen) wurde genehmigt, um es den Beamten der Krone zu erm�glichen, Haussuchungen in verd�chtigen Anwesen durchzuf�hren.

Die Kaufleute Neu-Englands waren an sich von den neuen Z�llen wenig beeindruckt; ihre Emp�rung war mehr von der Absicht der Regierung hervorgerufen, die Einhaltung der Zollgesetze zu erzwingen. Das war etwas vollkommen Neues, denn ein Menschenalter hindurch hatten die Neu-Engl�nder den gr�ssten Teil des Zuckersirups, den sie brauchten, aus Franz�sisch- und Niederl�ndisch-Westindien bezogen, ohne Zoll zu bezahlen. So behaupteten sie jetzt, dass selbst die neuen, niedrigen Zolls�tze sie zugrunderichten w�rden, und benutzten mit grossem Geschick die einleitenden Worte des Zuckergesetzes, um die Verfassung selbst in den Dienst ihrer Emp�rung �ber das neue Gesetz zu stellen. Das Recht des englischen Parlaments, den Handel des Empires gesetzlich zu regeln und zu diesem Zweck Waren mit Steuern zu belegen, war theoretisch, wenn auch nicht immer in der Praxis, l�ngst anerkannt; aber das Recht, Z�lle zu erheben, um �die Eink�nfte dieses K�nigreichs (d. h. Englands) zu erh�hen", wie es im Zollgesetz von 1764 hiess, war neu, und daher anfechtbar.

Der Kampf um die Verfassung, der so begann und zu einer grossen Auseinandersetzung heranwuchs, trieb den ersten sprengenden Keil in den Stamm des britischen Reiches. �Ein einziger Parlamentsbeschluss", schrieb James Otis, ein zeitgen�ssischer Patriot, �hat in sechs Monaten mehr Menschen zu mehr Gedanken angeregt, als sie in ihrem ganzen fr�heren Leben gehabt hatten." Kaufleute, Volksvertretungen und Gemeindeversammlungen fochten das Gesetz als ungerecht an; Juristen in den Kolonien - unter ihnen Samuel Adams - entdeckten in der Pr�ambel die erste Andeutung von �Besteuerung ohne parlamentarische Vertretung" (taxation without representation), Begriffen, die sp�ter zum gefl�gelten Wort wurden und viele Patrioten f�r den Kampf gegen das Mutterland gewannen.

Gegen Ende des Jahres erliess das englische Parlament ein W�hrungsgesetz (Currency Act), �um zu verhindern, dass Papiergeld, das k�nftig in den Kolonien Seiner Majest�t herausgegeben w�rde, gesetzliches Zahlungsmittel w�rde." Da die Kolonien mehr ein- als ausf�hrten und stets knapp an Hartgeld waren, lastete die neue Verordnung schwer auf ihrer Wirtschaft. Auch das 1765 erlassene Einquartierungsgesetz (Billeting Act) war den Kolonien unwillkommen; es verpflichtete B�rger der Kolonien, in denen Truppen des englischen K�nigs in Garnison lagen, Quartiere f�r die Soldaten bereitzustellen und zu ihrem Unterhalt beizutragen. So heftig auch der Unwille war, den diese Gesetze hervorriefen, organisierter Widerstand flammte erst auf, als durch eine weitere Massnahme das neue Kolonialsystem volle Wirklichkeit zu werden drohte. Es war das ber�chtigte Stempel-steuergesetz (Stamp Act), kraft dessen alle Zeitungen, Plakate, Flugschriften, Erlaubnisscheine, Pachtvertr�ge und andere gesetzlichen Urkunden mit Stempelmarken versehen werden mussten. Der Ertrag sollte einzig und allein f�r �Verteidigung, Schutz und Sicherung" der Kolonien verwandt werden; nur Amerikaner konnten zu Steuereinnehmern ernannt werden und die Steuern eintreiben, und die Lasten schienen so gleichm�ssig verteilt und so leicht zu tragen, dass das Parlament das Gesetz gebilligt hatte, ohne ihm besondere Aufmerksamkeit zu widmen oder lange dar�ber zu beraten.

Um so gr�sser war das Erstaunen selbst im Kreise wohlwollend-massvoller Geister �ber die Erbitterung, mit der alle dreizehn Kolonien auf das Gesetz reagierten. Es wurde ihm besonders zum Verh�ngnis, dass es gerade bei den einflussreichsten Gruppen von Kolonisten, die das Wort zu f�hren gewohnt waren, - Journalisten, Anw�lten, Geistlichen, Handelsherren und Gesch�ftsleuten - auf geharnischte Ablehnung stiess und dass es alle Teile des Landes, Norden, S�den und Westen, gleich belastete. Bald taten sich f�hrende Kaufleute, die nach dem neuen Gesetz jeden Frachtschein mit Stempelmarken h�tten bekleben m�ssen, zum Widerstand zusammen und bildeten Vereinigungen zur Bek�mpfung der Einfuhr britischer Waren. Die Gesch�fte stockten fast ganz, und der Handel mit dein Mutterland ging im Sommer 1765 erheblich zur�ck. Im Volk bekannte M�nner schlossen sich im Bund der �Freiheitss�hne" zusammen; bald m�ndete der politische Widerstand in Gewalttaten ein. Aufgeregte Volksmengen f�llten die gewundenen Gassen Bostons; von Massachusetts bis nach S�d-Carolina wurde das Stempelsteuergesetz f�r null und nichtig erkl�rt; die Massen trieben die unseligen Steuereinnehmer aus dein Amt und vernichteten die verhassten Stempelmarken.

Das Stempelsteuergesetz war nicht nur deshalb bedeutsam, weil es revolution�ren Widerstand entfachte, sondern auch, weil es die Amerikaner zwang, das Wesen der Reichseinheit in Rechtsbegriffe zu fassen, die auf amerikanische Verh�ltnisse anwendbar waren. So nahm zum Beispiel die Volksvertretung von Virginia unter dem Einfluss Patrick Henrys eine Reihe von Entschliessungen an, die �Besteuerung ohne Vertretung im Parlament" als beispiellose, gef�hrliche Neuerung und Bedrohung der kolonialen Freiheiten verdammten. Einige Tage danach forderte die Abgeordnetenkammer von Massachusetts alle Kolonien auf, Delegierte zu einem Kongress nach New York zu entsenden, um �ber die Gefahren des Stempelsteuergesetzes zu beraten.

Dieser Kongress (Oktober 1765) war das erste Treffen, zu dem die Kolonien sich aus eigener Initiative zusammengefunden hatten. Siebenundzwanzig k�hne, tatkr�ftige M�nner aus neun Kolonien benutzten die Gelegenheit, die �ffentliche Meinung gegen die Einmischung des englischen Parlaments in amerikanische Angelegenheiten aufzurufen. Hitzige Redeschlachten wurden geschlagen; am Ende nahm der Kongress eine Reihe von Beschl�ssen an und hielt daran fest, dass den Kolonien �verfassungsm�ssige Steuern, wie in der Vergangenheit so in alle Zukunft, nur durch ihre eigenen gesetzgebenden K�rperschaften auferlegt werden k�nnten" und dass das Stempel-steuergesetz �offenkundig darauf abziele, die Rechte und Freiheiten der Kolonisten zu untergraben."

Damit war die Frage der Vertretung im Parlament in den Mittelpunkt des verfassungsrechtlichen Streits ger�ckt. Die Kolonisten behaupteten, nur dann wirklich im englischen Parlament vertreten zu sein, wenn sie tats�chlich Abgeordnete in das Unterhaus w�hlen durften. Dies widersprach dem herk�mmlichen englischen Grundsatz �Vertretung bei Implikation" (virtual representation), d. h. Vertretung mehr nach St�nden und Interessen als nach geographischen Gesichtspunkten. Die meisten britischen Beamten waren der Auffassung, dass das Parlament das ganze Reich vertrete und dass es die gleiche Gewalt �ber die Kolonien habe wie �ber das Mutterland. Deshalb sei es ebenso befugt, f�r Massachusetts Gesetze zu erlassen, wie f�r Berkshire in England. Die amerikanischen Wortf�hrer setzten dem entgegen, dass es ein �Reichsparlament" nicht g�be und dass die Kolonien rechtlich nur mit der Krone verbunden seien. Der K�nig habe der Gr�ndung von Kolonien jenseits des Meeres zugestimmt, der K�nig habe ihnen ihre Regierungen eingesetzt; er sei zwar genauso K�nig von England wie K�nig von Massachusetts, das englische Parlament habe aber nicht mehr Recht, f�r Massachusetts Gesetze zu erlassen, als Massachusetts f�r England. Wenn der K�nig von einer Kolonie Geld haben wolle, so k�nne er um Bewilligung nachsuchen, Steuern aber d�rften von einem britischen Untertan - ganz gleich, ob in England oder in Amerika - nur durch und �ber selbstgew�hlte Vertreter erhoben werden.

Es war nat�rlich, dass die britischen Parlamentarier die Argumente der Kolonisten nicht bereitwillig anerkannten. Die englischen Kaufleute jedoch �bten einen wirksamen Druck auf die Parlamentarier aus, denn sie sp�rten die Folgen des amerikanischen Boykotts und setzten sich daher voll f�r eine Bewegung ein, die das Stempelsteuergesetz aufzuheben trachtete. Im Jahre 1766 gab das englische Parlament nach: es widerrief das Stempelsteuergesetz und ver�nderte das Zuckergesetz weitgehend. Die Kunde dar�ber rief in allen Kolonien lebhafte Freude hervor. Die Kaufleute hoben den Boykott englischer Ware auf, die �Freiheitss�hne" traten in den Hintergrund, der Handel ging seinen alten Gang; der Friede schien nah.

Aber es war nur eine Atempause. 1767 wurden neue Massnahmen erlassen, und alle alte Zwietracht lebte wieder auf. Charles Townshend, der britische Schatzkanzler, hatte den Auftrag erhalten, ein neues Finanzprogramm f�r die Regierung zu entwerfen, um die Steuern in England herabzusetzen. Dies konnte durch wirksamere Eintreibung der Z�lle geschehen, die auf amerikanischem Handelsgut lagen; er ordnete deshalb eine versch�rfte Anwendung der Zollgesetze an und schlug gleichzeitig weitere Z�lle f�r die Papier-, Glas-, Blei- und Teeausfuhr von England nach den Kolonien vor. Der so erh�hte Steuerertrag sollte zum Teil f�r den Unterhalt der Gouverneure, Richter und Zollbeamten in den Kolonien sowie f�r die britische Armee in Amerika verwendet werden. Townshend regte ferner ein Gesetz an, das die h�heren Gerichtsh�fe in den Kolonien dazu erm�chtigte, writs of assistance auszustellen und so die den Kolonisten verhassten allgemeinen Haussuchungsbefehle mit einem besonderen Rechtstitel auszustatten.

Die Erregung �ber Townshends Zollgesetze war fast so heftig wie die �ber das Stempelsteuergesetz. Die Kaufleute griffen erneut zu Boykottmassnahmen: M�nner trugen Anz�ge aus hausgewebten Stoffen, Frauen tranken Ersatz-Tee, Studenten schrieben auf einheimischem Papier und H�user blieben unangestrichen. In Boston, wo die Handelsherren gegen Einmischung von aussen besonders empfindlich waren, begegnete man den neuen Bestimmungen mit Gewalt. Die Bev�lkerung fiel �ber die Zollbeamten her und misshandelte sie, als sie die Steuern einzutreiben versuchten. Dies veranlasste die Engl�nder, zwei Regimenter nach Boston zu schicken, um die k�niglichen Beamten zu besch�tzen.

Dass von nun an britische Truppen in der alten Puritanerstadt standen, gab jedoch st�ndig zu neuen Unruhen Anlass. Achtzehn Monate schwelte die Erbitterung; endlich, am 5. M�rz 1770, flammte offene Feindschaft zwischen B�rgern und Soldaten auf. Eine scheinbar harmlose Schneeballschlacht endete als Massenangriff auf die �Rotr�cke": von irgendwoher kam der Befehl zu feuern, und drei Bostoner B�rger fanden den Tod auf den beschneiten Strassen. Die koloniale Propaganda war geschickt genug, diesen Zwischenfall dazu auszunutzen, den Hass gegen England immer st�rker anzufachen, und machte das �Bostoner Massaker" zum dramatischen Beweis britischer Herzlosigkeit und Tyrannei.

Angesichts dieser Opposition wich das englische Parlament und widerrief 1770 s�mtliche Townshend-Z�lle mit Ausnahme des Teezolls, der bestehen blieb, weil es, wie Georg III. sagte, wenigstens eine Steuer geben m�sse, damit Recht Recht bleibe. Die meisten Kolonisten sahen im Vorgehen des Parlaments wirklich eine �Abstellung von Beschwerden" (redress of grievances) und beendeten den Kampf gegen England. �Englischer Tee" durfte zwar nach wie vor nicht frei eingef�hrt werden, aber die Protestbewegung hatte sich nahezu gelegt, und das Verbot wurde scheinbar nicht allzu genau eingehalten. Die Lage schien im allgemeinen gute Beziehungen zwischen Mutterland und Kolonien zu versprechen: der Wohlstand war im Wachsen; die meisten politischen F�hrer in den Kolonien sahen der Zukunft mit Vertrauen entgegen, und Tr�gheit und Nachl�ssigkeit schienen Erfolg zu haben, wo Wagemut und Widerstand versagt hatten. Die Gem�ssigten, die �berall in den Kolonien �berwogen, begr�ssten das friedliche Zwischenspiel, und nur eine einzige Gruppe gab sich w�hrend der dreij�hrigen Ruhepause ernsthaft M�he, den Streit am Leben zu erhalten. Eine verh�ltnism�ssig kleine Anzahl �Patrioten" oder �Radikaler" vertrat den Standpunkt, dass der Sieg der Kolonisten illusorisch sei, denn solange die Teesteuer in Kraft sei, bleibe auch das Recht des Parlaments, f�r die Kolonien Gesetze zu geben, im Prinzip unangetastet und k�nne jederzeit in voller Sch�rfe, mit bitteren Folgen f�r die Freiheit der Kolonien, wiederausge�bt werden.

Samuel Adams aus Massachusetts, einer der einflussreichsten der �Patrioten", der erfolgreich und unerm�dlich f�r das h�chste Ziel, die Unabh�ngigkeit, k�mpfte, kann als typischer Vertreter der Gruppe gelten. Seit seiner Promotion von Harvard College hatte es keine Zeit gegeben, wo er nicht in der einen oder anderen Weise im �ffentlichen Dienst gestanden h�tte - als Feuer-Inspektor, als Steuererheber, als Leiter von B�rgerversammlungen. F�r das Gesch�ftsleben war er v�llig unbrauchbar; in der Politik dagegen konnte seine klugberechnende Natur sich wirklich ausleben. Die B�rgerversammlungen Neu-Englands hatten ihm als Plattform gedient; er wusste Menschen f�r seine Zwecke zu gebrauchen und war gut Freund mit aller Welt; Schauerleute wie Prediger unterst�tzten vertrauensvoll seine Pl�ne. Es war wesentlich sein Verdienst, dass die einfachen Leute die �bertriebene Achtung f�r gesellschaftlichen und politischen Rang zu �berwinden lernten und zum Bewusstsein ihres eigenen Wertes durchdrangen. Um sie zu politischer Tat anzuleiten, schrieb er Zeitungsartikel, reizte Gemeinde- und Provinzialversammlungen zu Beschl�ssen an und w�hlte mit seinen Reden die demokratischen Leidenschaften auf. 1772 veranlasste Adams die Bostoner B�rgerversammlung, einen �Korrespondenz-Ausschuss" (committee of correspondence) zu w�hlen, um die Rechte und Beschwerden der Kolonisten darzulegen und mit anderen St�dten dar�ber Meinungsaustausch zu pflegen. Die Anregung verbreitete sich rasch, und in allen Kolonien wurden �Korrespondenz-Aussch�sse" gegr�ndet. Sie legten den Grund f�r die bald entstehenden revolution�ren Organisationen.

1773 gab England endlich Adams und seinen politischen Freunden die ersehnte Gelegenheit zur Tat. Die m�chtige East India Company war in Geldn�te geraten und hatte sich um Hilfe an die britische Regierung gewandt. Diese �bertrug ihr das Teemonopol f�r die Kolonien. Seit Townshends �Teesteuer" hatten nun die Kolonisten den von der Gesellschaft eingef�hrten Tee boykottiert: nach 1770 hatte der Schleichhandel so zugenommen, dass etwa neun Zehntel des Tees, der in Amerika getrunken wurde, aus dem Ausland stammte und �zollfrei" ins Land gebracht worden war. Die East India Company entschloss sich angesichts dieses Schmuggels, ihren Tee durch eigene Vertreter zu einem Preise zu verkaufen, der erheblich unter dem der geschmuggelten Ware lag, um Gewinne aus Schleichhandel unm�glich zu machen und gleichzeitig die selbst�ndigen kolonialen Kaufleute auszuschalten.

Dieser unbedachte Schritt emp�rte die H�ndler und trieb sie erneut auf die Seite der �Patrioten", denn das Prinzip des Monopols, nicht der Verlust im Teehandel, wurde als Hauptdrohung empfunden. Nahezu alle Kolonien unternahmen Schritte, um die East India Company an der Verwirklichung ihrer Absichten zu hindern. In den Hafenst�dten - mit Ausnahme von Boston - wurden die Vertreter der Gesellschaft ��berredet", ihre Posten aufzugeben; neu eintreffende Teesendungen wurden entweder nach England zur�ckgeschickt oder eingelagert. In Boston aber verweigerten die Vertreter der East India Company den R�cktritt und trafen mit Unterst�tzung des k�niglichen Gouverneurs Vorbereitungen, allem Widerstand zum Trotz die eingelaufenen Frachten zu l�schen. Die �Patrioten" unter Samuel Adams antworteten mit Gewalt. Am Abend des 16. Dezember 1773 bestiegen als MohawkIndianer verkleidete M�nner drei vor Anker liegende Teeschiffe und warfen die �anstosserregenden" schwarzen Bl�tter ins Meer.

England sah sich nun einer schicksalhaften Entscheidung gegen�ber. Die East India Company hatte nach einem Gesetz des Parlaments gehandelt; blieb die gewaltsame Zerst�rung des Tees ungestraft, dann w�rde alle Welt zu dem Schluss gezwungen sein, dass das britische Parlament die Macht �ber die Kolonien verloren hatte. Die offiziellen englischen Kreise verurteilten daher fast einstimmig die Boston Tea Party als einen Akt roher Zerst�rungswut und begr�ssten die Massnahmen, die zur Unterdr�ckung der aufr�hrerischen Kolonisten vorgeschlagen wurden, von ganzem Herzen. Neue Gesetze - von den Kolonisten �Zwangsgesetze" genannt - ergingen: das sogenannte Bostoner Hafengesetz sperrte den Hafen der Stadt solange, als der Tee nicht bezahlt war. Dies traf ins Herz, denn eine Stadt wie Boston war ohne Seeverkehr verloren. Bald darauf wurde der englische K�nig erm�chtigt, die Mitglieder des Rats von Massachusetts zu ernennen, die fr�her von den Kolonisten gew�hlt worden waren; Geschworene, bisher von den B�rgerversammlungen gew�hlt, sollten fortan von den Sheriffs - Mittelsm�nnern des Gouverneurs - berufen werden. Die B�rgerversammlungen durften nur noch mit Erlaubnis des Gouverneurs tagen; auch die Ernennung und Abberufung von Richtern und Sheriffs wurde ihm nun �berantwortet. Ein Einquartierungsgesetz wurde erlassen, das die �rtlichen Beh�rden zwang, geeignete Quartiere f�r britische Soldaten bereitzustellen. Kamen sie ihren Verpflichtungen nicht nach, dann konnten die Gouverneure Gastst�tten, Bierkneipen oder andere Geb�ude f�r diesen Zweck beschlagnahmen. Auch das ungef�hr gleichzeitig erlassene �Quebec-Gesetz" (Quebec Act) wurde in den Kolonien feindselig aufgenommen, denn es vergr�sserte die Provinz Quebec und gew�hrte den franz�sischen Einwohnern Glaubensfreiheit und eigenes Recht. Die Kolonisten bek�mpften dieses Gesetz, weil es ohne R�cksicht auf alte, urkundlich festgelegte Anspr�che in den Zug nach dem Westen st�rend einzugreifen und ihnen im Norden und Nordwesten durch eine r�misch-katholisch beherrschte, absolutistische Provinz Halt zu bieten drohte. Obwohl das �Quebec-Gesetz" nicht als Strafe gedacht war, z�hlten es die Amerikaner zu den �Zwangsgesetzen", die schliesslich als �die f�nf untragbaren Gesetze" in aller Munde waren.

Mit solchen Gesetzen war Massachusetts nicht zu bezwingen, ja, sie bewirkten gegen die Absicht des Gesetzgebers, dass andere Kolonien zu Hilfe eilten. Auf Anregung der Volksvertreter von Virginia wurden Delegierte der Kolonien f�r den 5. September 1774 zu einer Tagung nach Philadelphia geladen, um �ber �die gegenw�rtige ungl�ckliche Lage der Kolonien" zu beraten.

Mit diesem ersten �Kontinentalen Kongress" waren die Kolonien voll �ber das bestehende Recht hinausgegangen; seine Mitglieder waren von Provinzialkongressen oder Volksversammlungen gew�hlt und handelten nach ihren Auftr�gen. Die Folge war, dass die Partei der �Patrioten", die �ber das bestehende Recht hinaus zu Taten gedr�ngt hatte, die Oberhand gewann und dass die Konservativen, die mit einer Auflehnung gegen britische Gesetze nichts zu tun haben wollten, im Kongress nicht vertreten waren. Im �brigen stellten die Kongressteilnehmer - von den gem�ssigten bis zu den st�rmisch vorw�rtsdr�ngenden - einen guten Querschnitt durch die �ffentliche Meinung Amerikas dar. Abgesehen von Georgia hatte jede Kolonie zumindest einen Delegierten entsandt, und die Gesamtzahl von 55 Teilnehmern war gross genug, um Meinungsverschiedenheiten klar hervortreten zu lassen, klein genug, um echte Diskussionen und frische Taten zu erm�glichen.

Da die Meinungen in den Kolonien geteilt waren, sah sich der Kongress in einem leidigen Zwiespalt: er musste den Eindruck von Entschlossenheit und Einm�tigkeit erwecken, um die britische Regierung zu Zugest�ndnissen zu �berreden, und durfte doch keinerlei Radikalismus oder �Unabh�ngigkeitsgeist" zeigen, um die gem�ssigten Amerikaner nicht abzuschrecken. Einer vorsichtigen Er�ffnungsrede folgte ein Beschluss, der die Kolonien vom Gehorsam gegen die �Zwangs-gesetze" freisprach. Daran schloss sich eine an das Volk von Grossbritannien und an die Kolonien gerichtete �Erkl�rung der Rechte und Beschwerden" (Declaration of Rights and Grievances) der Kolonien und eine Petition an den englischen K�nig, die noch einmal die fr�heren Argumente gegen die englische Bevormundung zusammenfasste, dem Parlament jedoch die Zust�ndigkeit f�r den Aussenhandel der Kolonien und f�r die Angelegenheiten des Gesamtreiches nicht bestritt. Die wichtigste Leistung des Kongresses aber war die Bildung einer Association zur Wiederaufnahme des Handelsboykotts und zur Einrichtung von �berwachungsaussch�ssen in jeder Stadt und jedem Landkreis, um Einfuhr, Ausfuhr, und Verbrauch von Waren zu kontrollieren. Komitees sollten die Zollregister einsehen, die Namen der Kaufleute ver�ffentlichen, die gegen die Abmachungen verstiessen, importierte Ware konfiszieren und die Bev�lkerung �zu Gen�gsamkeit, Sparsamkeit und Fleiss anhalten."

Mit der Association trat zum ersten Mal die organisierte Revolution auf den Plan, denn die neuen lokalen Organisationen rissen nun �berall, auf den �Korrespondenz-Aussch�ssen" aufbauend, die F�hrung an sich. Sie setzten alles daran, den letzten Rest k�niglicher Macht zu beseitigen; die Unentschlossenen wurden eingesch�chtert, bis sie sich der Volksbewegung anschlossen, die offenen Gegner r�cksichtslos verfolgt. Die Komitees brachten das erste Kriegsmaterial zusammen, beriefen Truppen ein und erhitzten die Stimmung im Volk zur Weissglut.

Durch die Arbeit der Komitees der Association vertiefte sich der Zwiespalt, der nach und nach in der Bev�lkerung entstanden war, zu einer un�berbr�ckbaren Kluft. Viele Amerikaner hatten der Widerstandsbewegung f�rs erste zu gr�sserer Vorsicht geraten; sie waren in der �berwiegenden Mehrheit gegen die �bergriffe Englands in die Rechte der Amerikaner, wollten jedoch die Gegens�tze durch Diskussion und g�tlichen Vergleich, nicht durch einen offenen Bruch, aus der Welt schaffen. Die zum Kompromiss neigende Gruppe war jedoch nicht einheitlich: sie schloss die Mehrheit der von der Krone bestellten Beamten aller Art ein, ferner viele bedeutende und unbedeutende Qu�ker und Mitglieder anderer religi�ser Sekten, die Gewaltanwendung in jeder Form ablehnten; sie z�hlte viele Kaufleute, namentlich aus den Siedlungen der mittleren Region, und ein paar unzufriedene kleine Farmer und Grenzer aus dem Inneren der Kolonien im �ussersten S�den. Auf der Seite der Patrioten standen nicht nur die �rmeren Klassen, sondern auch viele Angeh�rige der freien Berufe, besonders Anw�lte, die Mehrheit der bedeutenden Pflanzer des S�dens und eine betr�chtliche Anzahl von Kaufleuten.

Was nach Erlass der �Zwangsgesetze" geschah, war durchaus geeignet, den Loyalisten Angst und Schrecken einzujagen. So w�re es dem K�nig ein Leichtes gewesen, sich mit ihnen zu verb�nden und durch rechtzeitigkluges Nachgeben ihre Position so zu st�rken, dass die �Patrioten" die Feindseligkeiten nur schwer h�tten fortsetzen k�nnen. Aber Georg III. dachte nicht daran, Zugest�ndnisse zu machen. Im September 1774 antwortete er auf eine Petition von Qu�kern aus Philadelphia mit Verachtung: �Die W�rfel sind gefallen", schrieb er; �die Kolonien m�ssen entweder siegen oder sich f�gen." Durch diese Haltung zog der K�nig den Loyalisten oder Tories, wie man sie nun zu bezeichnen anfing, den Boden unter den F�ssen weg. Sie hatten ihren Gesinnungsgenossen jetzt nichts anderes zu bieten als eine vollkommene und ver�chtliche Unterwerfung und bedingungslose Annahme der �ussersten Forderungen des englischen Parlaments. Den Gem�ssigten blieb nur die Wahl, die Patrioten, nun Whigs genannt, zu unterst�tzen; jeder andere Weg h�tte sie um alle ihre Freiheiten gebracht. Eine regelrechte Verfolgung der Tories setzte ein: M�ller weigerten sich, ihr Korn zu mahlen, Arbeiter wollten nicht f�r sie arbeiten, sie konnten weder kaufen noch verkaufen. Man schm�hte sie als Verr�ter, und die Komitees ver�ffentlichten ihre Namen, �um sie zu wohlverdienter Schmach und Schande der Nachwelt zu �berliefern."

General Thomas Gage, ein liebensw�rdiger, mit einer Amerikanerin verheirateter englischer Gentleman, befehligte die Garnison in Boston, wo der Handel fast ganz der Politik zum Opfer gefallen war. Einer der f�hrenden Patrioten der Stadt, Dr. Joseph Warren, hatte am 20. Februar 1775 einem Freunde nach England geschrieben: �Noch ist es f�r die g�tliche Beilegung des Konflikts nicht zu sp�t. Sollte General Gage jedoch tats�chlich mit seinen Truppen ins Hinterland marschieren, um die unl�ngst vom Parlament erlassenen Gesetze mit Gewalt durchzusetzen, dann bin ich allerdings �berzeugt, dass Grossbritannien zumindest Neu-England und, wenn mich nicht alles t�uscht, ganz Amerika wird Adieu sagen m�ssen. Wenn in der Nation noch ein bisschen Weisheit lebt, so gebe Gott, dass ihr schleunigst zu ihrem Recht verholfen werde!"

General Gage aber hatte die Pflicht, den �Zwangsgesetzen" Achtung zu verschaffen. Er erhielt die Nachricht, dass die �Patrioten" von Massachusetts Pulver und andere Kriegsvorr�te in der im Hinterland gelegenen Stadt Concord, gute dreissig Kilometer von Boston entfernt, zusammengetragen hatten, und entsandte am Abend des 18. April 1775 eine starke Abteilung seiner Garnison dahin, um die Vorr�te zu beschlagnahmen und Samuel Adams und John Hancock festzunehmen. (Beide sollten auf Befehl des K�nigs nach England gebracht und dort wegen Hochverrats abgeurteilt werden.) Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer, und als die britischen Truppen nach einem Nachtmarsch das Dorf Lexington erreichten, sahen sie im fr�hen Morgennebel eine Bereitschaft von f�nfzig grimmigen, bewaffneten Kolonisten (Minute Men) auf der Gemeindewiese angetreten. Ein Moment des Zauderns, Rufe und Befehle auf beiden Seiten, und dann - inmitten des allgemeinen L�rms - ein Schuss! Beide Seiten gaben Feuer; als sich die Amerikaner zerstreut hatten, waren acht ihrer Leute auf dem Felde geblieben. Das erste Blut im Unabh�ngigkeitskriege war geflossen.

Die englischen Soldaten stiessen bis Concord vor, wo die �Farmer, in Schlachtordnung" an der Br�cke aufgestellt, �den Schuss abgaben, der in der ganzen Welt widerhallte." Nachdem die britischen Regimenter wenigstens einen Teil ihres Zieles erreicht hatten, traten sie den R�ckmarsch an; doch auf dem ganzen Weg lauerte hinter Steinmauern, Erdh�geln und H�usern die Miliz, die aus den nahen D�rfern und Farmen herbeigeeilt war, um die leuchtend roten R�cke aufs Korn zu nehmen. Die Beteiligung des Volkes an diesem ersten Gefecht der Revolution war so stark, dass der britische Trupp von urspr�nglich 2 500 Mann nahezu dreimal so hohe Verluste z�hlte wie die Kolonisten, als er schliesslich ersch�pft nach Boston zur�ckgekommen war.

Der Bericht von Lexington und Concord durchfuhr die Kolonien wie ein elektrischer Schlag. Krieg - richtiger Krieg - stand vor der T�r, dar�ber konnte kein Zweifel mehr bestehen. Ein Komitee gab das Signal dem anderen weiter, die dreizehn Staaten hindurch, der Funke - Lexington - hatte gez�ndet und den gemeinsamen Verteidigungswillen entflammt. Innerhalb von zwanzig Tagen hatte die Nachricht, oft einseitig ausgeschm�ckt, das Volk von Maine bis Georgia in Patriotismus vereint. W�hrend Lexington und Concord noch in aller Munde waren, trat der Zweite Kontinentale Kongress am 10. Mai 1775 in Philadelphia unter dem Vorsitz von John Hancock, einem reichen Bostoner Kaufmann, zusammen. Wie Thomas Jefferson geh�rte ihm auch der ehrw�rdige Benjamin Franklin an, der eben in London als �Mittelsmann" verschiedener Kolonien vergeblich einen Ausgleich zustandezubringen gesucht hatte.

Der Kongress hatte sich kaum konstituiert, als er sich schon mit dem Problem des offenen Krieges befassen musste. Die wahre Stimmung des Kongresses offenbarte sich, trotz einiger Gegenstr�mungen, in einer aufr�ttelnden Erkl�rung �ber �Ursachen und Notwendigkeit des Waffenganges", von John Dickinson und Thomas Jefferson gemeinsam verfasst:

�Unsere Sache ist gerecht, unsere Einigkeit vollkommen. Unsere eigenen Hilfsmittel sind bedeutend, Hilfe vom Ausland wird, wenn n�tig, ohne allen Zweifel zu erhalten sein ... Wir werden die Waffen, die uns unsere Feinde in die Hand gezwungen haben, . . . f�r die Erhaltung unserer Freiheiten f�hren, einm�tig entschlossen, lieber als freie M�nner zu sterben denn als Sklaven zu leben . . ."

Noch w�hrend der Beratung dieser Erkl�rung �bernahm der Kontinentale Kongress die Milizen der Kolonien und ernannte Oberst George Washington zum Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkr�fte. Innere Echtheit, Selbstbeherrschung und W�rde machten ihn menschlich �berlegen und hielten Leidenschaft und Geduld im Gleichgewicht; er war von vollendetem physischem und moralischem Mut und besass hohe F�hrerqualit�ten; ein gesundes Urteil und ein zuverl�ssiges Wissen machten ihn gross, und sein gesunder Menschenverstand �erhob ihn ins Geniale." Glaubte er an eine Sache, so stand er aufrichtig, fest und �berzeugt zu ihr. �Niederlagen sind nur ein Grund f�r noch gr�ssere Anstrengungen", schrieb er. �Das n�chste Mal werden wir es besser machen." Die Siege der kommenden Jahre entsprangen diesem Geist und seiner Gabe f�r milit�rische Organisation.

Trotz der kriegerischen Verwicklungen aber und trotz der Ernennung eines Oberbefehlshabers war der Gedanke einer v�lligen Trennung von England vielen Kongressmitgliedern und einem grossen Teil des Volkes noch immer zuwider. Die �ffentliche Meinung war f�r einen so drastischen Schritt noch nicht reif. Dabei war es allen klar, dass die Kolonien nicht ewig in einer Zwitterstellung zum Empire verbleiben konnten. Die Gem�ssigten redeten sich jedoch ein, dass sie nicht den K�nig, sondern nur seine Minister bek�mpften, und noch im Januar 1776 tranken General Washington und seine Offiziere allabendlich auf die Gesundheit des K�nigs. Im Laufe der n�chsten Monate zeigte es sich immer deutlicher, wie schwer es f�r die Kolonien war, Krieg zu f�hren, solange sie noch zum britischen Empire geh�rten.

England aber verweigerte einen g�tlichen Vergleich, und am 23. August 1775 erliess K�nig Georg eine Proklamation, in der der Stand der Kolonien als Rebellion bezeichnet wurde. F�nf Monate sp�ter erschien Thomas Paines �Common Sense", eine Flugschrift von f�nfzig Seiten. In kraftvoll-flammenden, aufr�ttelnden Worten machte er seinen Lesern klar, dass die Unabh�ngigkeit der Kolonien notwendig geworden war; er verstand, dass die geheiligte Person des K�nigs der Bewegung am st�rksten im Wege stand, und griff sie an: er machte die Idee des Erbk�nigtums l�cherlich und erkl�rte, dass ein ehrlicher Mann wertvoller f�r die Gesellschaft sei als �alle gekr�nten Lumpen, die je gelebt haben." Es klang �berzeugend, wenn er die Alternative formulierte: dauernde Unterwerfung unter einen tyrannischen K�nig und eine �berlebte Regierungsform, oder Freiheit und Gl�ck in einer unabh�ngigen, auf sich selbst gestellten Republik.

Die Brosch�re hatte unabsehbare Wirkungen. In wenigen Monaten waren Tausende von Exemplaren �berall in den Kolonien verbreitet und halfen, �berzeugungen zu festigen und Unentschlossene und Schwankende f�r die Sache der Freiheit zu gewinnen.

Wohl begann das Volk jetzt, den Gedanken der Trennung vom Mutterland ernsthaft zu erw�gen; aber noch blieb die Aufgabe, jede einzelne Kolonie f�r eine formelle Unabh�ngigkeits-erkl�rung zu gewinnen. Paine hatte darauf hingewiesen, dass die Kolonien �den Gipfel der Inkonsequenz erreicht h�tten": sie bef�nden sich in offenem Aufruhr, bes�ssen ein eigenes Heer und eine eigene Flotte, ihre Regierungen k�mmerten sich weder um den K�nig noch um das Parlament. In dieser Situation nicht den letzten Schritt zu tun, sei die H�he der Ungereimtheit.

Im Kontinentalen Kongress herrschte Einstimmigkeit dar�ber, dass ein so endg�ltiger Schritt wie die Erkl�rung der Unabh�ngigkeit nicht ohne ausdr�ckliche Anweisung der Kolonien unternommen werden d�rfe. Aber Tag f�r Tag h�rte der Kongress, dass neue, jenseits des alten Rechts stehende Regierungen in den Kolonien errichtet und dass Delegierte erm�chtigt worden waren, f�r die Unabh�ngigkeit zu stimmen. Gleichzeitig gewannen die Radikalen innerhalb des Kongresses mehr und mehr die Oberhand; sie bauten ihre "Korrespondenz-Aussch�sse" aus, erhielten schwache Komitees k�nstlich am Leben und erhitzten die patriotischen Gem�ter mit flammenden Aufrufen. Schliesslich, als am 10. Mai 1776 eine Entschliessung angenommen wurde, �den gordischen Knoten zu durchhauen", fehlte nur noch die formelle Erkl�rung. Am 7. Juni brachte Richard Henry Lee aus Virginia auf Anweisung seines Staates eine Resolution ein, die sich f�r Unabh�ngigkeit, B�ndnisse mit dem Ausland und einen f�derativen Zusammenschluss der amerikanischen Kolonien aussprach. Unverz�glich wurde ein Komitee bestimmt, um in aller Form eine Erkl�rung aufzusetzen, in der �die Gr�nde, die uns zu diesem gewaltigen Entschluss gezwungen haben", dargelegt werden sollten. Ein f�nfk�pfiger Ausschuss unter der Leitung von Thomas Jefferson wurde mit der Ausarbeitung des Dokuments beauftragt.

Jefferson, der von der Abgeordnetenkammer von Virginia nach Philadelphia entsandt worden war, besass trotz seiner 33 Jahre bereits einen guten Ruf als Politiker. Obwohl er dem (niederen) Patriziat Virginias entstammte, war er in seinen Jugendjahren, die er im demokratischen Hinterland verbracht hatte, zum Feind patrizischer Rechte und Privilegien geworden; Reiten, Schiessen und eine Vorliebe f�r Geigenspielen hatten ihn nicht gehindert, seinen m�chtigen Wissensdurst, wo und wie immer er konnte, zu befriedigen. Es steht ausser Frage, dass kein geeigneterer Mann f�r die Abfassung der grossen Erkl�rung h�tte gefunden werden k�nnen. Jefferson wusste, dass ein bitterer Krieg �ber Amerika hereinbrechen w�rde, aber er glaubte daran, dass �der Baum der Freiheit von Zeit zu Zeit mit dem Blut von Patrioten und Tyrannen begossen werden m�sse!" Und obwohl zu jenem Zeitpunkt noch kein System gefunden worden war, das die Funktionen der fr�heren Regierung, auf deren Zerst�rung nun alles hinzielte, h�tte �bernehmen k�nnen, bef�rwortete Jefferson zu keiner Zeit ein allzustrammes Regiment. Er wusste, dass die Regierungsgewalt nur beim Volke selbst sicher aufgehoben war. Die Herrschaft einer kleinen Zahl von Auserw�hlten bezeichnete er als �verwerfliche Verschw�rung gegen das Gl�ck der Massen." Jefferson empfand die grossen Grunds�tze, die in der Unabh�ngigkeitserkl�rung ausgesprochen sind, mit derselben Tiefe wie das einfache Volk, f�r das er sie schrieb; er sprach die Sprache des Volkes und dachte seine Gedanken; wie ein Zeitgenosse es ausdr�ckte, �er hauchte dem kalten Geschehen, das zur Unabh�ngigkeit f�hrte, die Seele des neuen Erdteils ein."

Die am 4. Juli 1776 angenommene Unabh�ngigkeitserkl�rung verk�ndete nicht allein die Geburt einer neuen Nation, sondern vertrat eine Lehre von der Freiheit der Menschen, die eine dynamische Kraft in der gesamten westlichen Welt werden sollte. Sie wollte nicht einzelne besondere Beschwerden zum Ausdruck bringen, sondern den Gedanken von der Freiheit des Individuums verk�nden, der der Unterst�tzung ganz Amerikas sicher war. Ihr politisches Glaubensbekenntnis war unmissverst�ndlich:

�Wir halten diese Wahrheiten f�r unmittelbar einleuchtend: dass alle Menschen gleich geschaffen sind; dass sie von ihrem Sch�pfer mit gewissen unver�usserlichen Rechten ausgestattet sind, so mit Leben, Freiheit und dem Streben nach Gl�ck; dass zur Sicherung dieser Rechte Regierungen unter den Menschen aufgerichtet sind, die ihre gerechten Vollmachten von der Zustimmung der Regierten herleiten; und dass, so jemals eine Regierungsform diesen Zielen gef�hrlich werden sollte, das Volk das Recht hat, sie zu �ndern oder abzuschaffen und eine neue Regierung einzusetzen, die auf solchen Prinzipien gegr�ndet ist, und deren Befugnisse in einer Weise festgelegt sind, die ihm am meisten geeignet erscheint, Sicherheit und Gl�ck zu gew�hrleisten."

�Diese Wahrheiten" waren nicht urspr�ngliche Sch�pfungen Jeffersons, sondern bildeten politische Ideen, die seinen Zeitgenossen und den meisten Menschen, die nach ihnen kamen, �unmittelbar einleuchteten." Jeffersons Ideen und Formulierungen hatten ihren Ursprung in der politischen Philosophie Englands, vor allem in James Harringtons Oceana und in John Lockes Second Treatise on Government (Zweitem Traktat �ber Regierung). Aber der Geist des Dokuments entsprang der erwachenden Gewissheit der Menschen, dass die Regierung f�r das Volk da sein soll und nicht das Volk f�r die Regierung. Jefferson sah Zweck und Ziel einer Regierung darin, den Menschen zu helfen und ihr Leben, ihre Freiheit und ihr Gl�ck zu sch�tzen, nicht, sie zu unterdr�cken oder zu missbrauchen.

Die Unabh�ngigkeitserkl�rung diente nicht allein dazu, die Trennung von England anzuk�ndigen. Sie begeisterte die Massen f�r die Sache Amerikas, denn sie weckte in den einfachen Menschen das Bewusstsein ihrer eigenen Bedeutung und feuerte sie an, f�r pers�nliche Freiheit, Selbstverwaltung und einen w�rdigen Platz in der Gesellschaft zu k�mpfen. Und da die in der Unabh�ngigkeitserkl�rung erhobenen Anklagen den englischen K�nig Georg III. zum Mittelpunkt hatten, wurde der Konflikt zu einer pers�nlichen Auseinandersetzung - statt eines Protestes gegen tote Paragraphen und ein abstraktes Parlament zu einem Kampf gegen einen unmittelbaren Gegner aus Fleisch und Blut: Es war die eigene Sache, f�r die man k�mpfte, und der pers�nliche Feind, den es zu besiegen galt: das brachte die Revolution dem Volke nahe und verlieh ihr die begeisternde Kraft einer Volksbewegung.

Der Unabh�ngigkeitskrieg zog sich �ber sechs Jahre hin; es gab Scharm�tzel in allen Kolonien, doch nicht mehr als zw�lf davon waren Schlachten von Bedeutung. Schon vor der Unabh�ngigkeitserkl�rung war es zu Kampfhandlungen gekommen, die einen wesentlichen Einfluss auf den Ausgang des Krieges hatten, so z. B. zur Unterdr�ckung der Loyalisten in Nord-Carolina im Februar 1776 und zur Vertreibung der britischen Streitkr�fte aus Boston im M�rz desselben Jahres. In den ersten Monaten ihrer Unabh�ngigkeit erlitten die Amerikaner eine Reihe schwerer R�ckschl�ge, den ersten in New York.

Washington hatte vorausgesagt, dass New York, der Nachschubhafen Neu-Englands f�r Kriegsmaterial und Truppen, eines der ersten milit�rischen Ziele des Feindes werden w�rde. Der britische Befehlshaber, General Sir William Howe, griff die Stadt jedoch nicht gleich zu Anfang an. Er war ein Freund der amerikanischen Sache und wollte das Schwert nicht ziehen, ohne es zuvor mit einem �lzweig versucht zu haben; er versprach den Rebellen, der englische K�nig werde Milde walten lassen, wenn sie den Kampf einstellten. Wirksame Sicherheiten f�r eine Freiheit im Rahmen des Empires waren jedoch nicht von ihm zu erhalten; sein Angebot wurde zur�ckgewiesen, und nun r�ckten dreissigtausend britische Soldaten, unterst�tzt von der britischen Flotte, gegen General Washingtons achtzehntausend Mann vor.

New York war kaum zu verteidigen; dar�ber war sich Washington im klaren. Aber die Ehre verlangte, dass die Stadt nicht kampflos preisgegeben w�rde. Eine Schlacht entwickelte sich: Washington machte strategische Fehler; die Gener�le f�hrten seine Befehle nicht aus, und die �bermacht der Engl�nder war �berw�ltigend. Als er seine Stellung nicht mehr halten konnte, setzte er in einem meisterhaften R�ckzug seine Truppen in Booten von Brooklyn nach Manhattan �ber. Zum Gl�ck blies ein starker Nordwind, so dass die britischen Kriegsschiffe den East River nicht befahren konnten. H�tte Howe verstanden, was sich ereignete, dann h�tte er die amerikanische Sache empfindlich treffen, vielleicht dem Krieg �berhaupt ein Ende machen und Washingtons Armee gefangen nehmen k�nnen. Der Kongress h�tte dann nur unter allergr�ssten Schwierigkeiten ein neues Heer aufstellen k�nnen. Howe aber verfehlte die Gelegenheit.

Washington wurde immer weiter zur�ckgedr�ngt, konnte jedoch seine Truppen bis Jahres-ende einigermassen zusammenhalten. Die wichtigen Siege von Trenton und Princeton liessen die Hoffnungen der Kolonisten wieder aufleben. Dann kam neues Ungl�ck. Im September 1777 eroberte Howe Philadelphia, vertrieb den Kongress und zwang Washington und seine Soldaten zu einem Winter voll Verzweiflung in Valley Forge. Die Patrioten erfroren fast an ihren Lagerfeuern und ihre wunden F�sse hinterliessen blutige Spuren im Schnee. Die Niederlage schien sicher.

Dieser gleiche bittere Herbst 1777 brachte jedoch den Amerikanern mit dem gr�ssten Sieg, den sie im Revolutionskrieg errangen, den Wendepunkt ihres milit�rischen Schicksals. Der britische General Burgoyne hatte seine Truppe von Kanada nach S�den verschoben, um die Linie Champlain-See - Hudson zu besetzen und so Neu-England v�llig von den anderen Kolonien zu isolieren, und hatte den Oberlauf des Hudson erreicht, wo er bis Mitte September auf Nachschub warten musste, ehe er weiter nach S�den vordringen konnte. Er wusste so wenig von amerikanischer Geographie, dass er es f�r ein leichtes hielt, mit einer Streifabteilung durch Vermont den Connecticut entlang nach S�den und wieder zur�ck zu marschieren und unterwegs Vieh, Zugtiere, Wagen und wenigstens dreizehnhundert Kavalleriepferde f�r die Armee zu requirieren - alles in vierzehn Tagen! Die dreihundertf�nfundsiebzig unberittenen hessischen Dragoner und etwa dreihundert Tories, die er f�r dieses St�ckchen ausgesucht hatte, erreichten nicht einmal Vermont. Die Miliz von Vermont hielt sie auf, und nur wenige Hessen fanden je den Weg zur�ck. Unterdessen hatten die Amerikaner im Mohawktal die vom Erie-See anr�ckenden britischen Verst�rkungen daran gehindert, sich mit Burgoyne zu vereinigen.

Die Schlacht an der Grenze Vermonts hatte die Bev�lkerung des n�rdlichen Neu-England zu den Waffen gerufen; Burgoynes erzwungener Aufenthalt erm�glichte es Washington, ihnen regul�re Truppen vom unteren Hudson zu Hilfe zu schicken. (Die Truppen in Valley Forge waren inzwischen durch den deutschen Baron Friedrich Wilhelm von Steuben, den neuernannten verdienten Generalinspekteur der Armee, zu einer kampft�chtigen Einheit zusammengeschweisst worden.) Als Burgoyne seine schwerf�llige Streitmacht endlich in Marsch bringen konnte, lief er einer von den Erfolgen ihrer Waffengef�hrten trunkenen Yankee-Miliz in die Arme, die durch regul�re Truppen verst�rkt worden war und von einem ausgezeichneten General der regul�ren Armee befehligt wurde. Als der erste fr�he Frost einfiel, begann der Kampf. Zwei Angriffe Burgoynes wurden abgeschlagen, dann wichen die Briten nach Saratoga zur�ck, viele Hessen liefen vor dem Herbstregen davon, Amerikaner schw�rmten auf allen Seiten und bedrohten Vor- und Nachhut und die Flanken. Am 17. Oktober 1777 ergab sich Burgoyne mit seiner gesamten, noch immer �ber f�nftausend Mann starken Armee dem amerikanischen General Gates. Das war der Schlag, der letztlich den Krieg entschied, denn er hatte nicht nur weitreichende strategische Folgen, sondern brachte auch Englands Erzfeind Frankreich auf Amerikas Seite.

Seit seiner Niederlage im Jahre 1763 hatte Frankreich nach einer Gelegenheit f�r Revanche Ausschau gehalten. Seine Begeisterung f�r die Sache der Amerikaner war gross; die gebildete Schicht in Frankreich war in Aufruhr, noch nicht eigentlich f�r eine Republik, aber gegen Feudal-herrschaft und Privilegien, und nach der amerikanischen Unabh�ngigkeitserkl�rung hatte man Benjamin Franklin am franz�sischen Hofe �usserst warm empfangen. Die franz�sische Regierung war von Anfang an nicht neutral gewesen, sondern hatte Amerika mit Waffen und anderem Kriegsbedarf unterst�tzt, scheute aber zun�chst noch vor einer offenen Intervention zur�ck, um Krieg mit England zu vermeiden. Nach Burgoynes Kapitulation jedoch gelang es Franklin, einen Handels- und B�ndnisvertrag abzuschliessen, in dem die Partner einander versprachen, bis zur Anerkennung der Unabh�ngigkeit Amerikas gemeinsame Sache zu machen. Viele franz�sische Freiwillige hatten sich ohnedies schon nach Amerika eingeschifft. Der hervorragendste unter ihnen war der Marquis de Lafayette, ein Offizier der Armee, der voll jugendlicher Begeisterung darauf brannte, Amerikas Freiheitskampf zu unterst�tzen, Frankreichs Ruhm zu erh�hen und England zu dem�tigen und dabei seine pers�nlichen milit�rischen F�higkeiten zu beweisen. Er trat als General ohne Besoldung in Washingtons Armee ein und bew�hrte sich so ausgezeichnet, dass er die Achtung des grossen Amerikaners gewann, den er wie einen Helden verehrte.

Im Winter 1779/80 fuhr Lafayette nach Versailles und best�rmte die franz�sische Regierung, ernstlich einzugreifen und den Krieg einem baldigen Ende zuzuf�hren. Bald darauf entsandte Ludwig XVI. ein ausgesuchtes Expeditionskorps von sechstausend Mann unter General Rochambeau, und franz�sische Flotteneinheiten versch�rften die Nachschub- und Verpflegungs-schwierigkeiten der Engl�nder, deren Handel schwer durch die franz�sischen und amerikanischen Blockadebrecher (Privateers - Freibeuter - genannt) und durch die Aktionen des verwegenen amerikanischen Kapit�ns John Paul Jones litt. Auch der Kriegseintritt Spaniens und der Niederlande schadete England.

Trotzdem k�mpften die Briten hartn�ckig weiter. 1778 zwang sie die franz�sische Flotte, Philadelphia zu r�umen, und im gleichen Jahr erlitten sie im Ohiotal eine Reihe von R�ckschl�gen, die den Amerikanern die Herrschaft �ber den Nordwesten sicherten. Im S�den aber behielten sie die F�hrung. Zu Beginn des Jahres 1780 besetzten sie Charleston, den wichtigsten Hafen des S�dens, und, vor�bergehend, die Carolina-Kolonien. Das Jahr darauf versuchten sie, Virginia zu erobern. Im Sommer des gleichen Jahres gewann jedoch die franz�sische Flotte zeitweilig die Kontrolle �ber den Chesapeake und einen Teil der amerikanischen K�stengew�sser. Washingtons und Rochambeaus Truppen wurden in Kriegsschiffen �ber die Chesapeakebucht gesetzt und schlossen, insgesamt f�nfzehntausend Mann stark, Lord Cornwallis' achttausend Mann bei Yorktown an der K�ste Virginias ein. Cornwallis' �bergabe am 19. Oktober 1781 setzte Englands Versuchen, die Revolution mit Waffengewalt niederzuschlagen, ein Ende.

Als der Sieg der Amerikaner bei Yorktown in Europa bekannt wurde, beschloss das englische Unterhaus, den Krieg zu beenden. Kurz darauf trat der Ministerpr�sident, Lord North, zur�ck, und der K�nig berief eine neue Regierung, die Amerikas Unabh�ngigkeit anerkennen und Frieden schliessen sollte. Im April 1782 begann die letzte, ernste Phase der Friedensverhandlungen, die sich bis zur Unterzeichnung von Pr�liminarvertr�gen Ende November hinzogen. Die Vertr�ge sollten jedoch erst in Kraft treten, wenn auch Frankreich mit Grossbritannien Frieden geschlossen hatte. 1783 wurden die Abmachungen als definitiv anerkannt und unterzeichnet.

Der Friedensvertrag best�tigte den dreizehn amerikanischen Staaten Unabh�ngigkeit, Freiheit und Souver�nit�t und sprach ihnen das begehrte Gebiet im Westen bis zum Mississippi zu; die Nordgrenze verlief ungef�hr auf der heutigen Linie. Der Kongress sollte darauf hinwirken, dass die Staaten den Loyalisten ihren beschlagnahmten Besitz zur�ckerstatteten, und die Bev�lkerung der Vereinigten Staaten erhielt das Recht, vor der neufundl�ndischen K�ste zu fischen und den Fang in den unbesiedeltenTeilen Neu-Schottlands und Labradors zu trocknen. Mit der gewonnenen Unabh�ngigkeit waren die Amerikaner nicht nur aller ausw�rtigen Herrschaft ledig, sondern hatten auch die Freiheit erk�mpft, ihre neue Gesellschaft auf den politischen Idealen ihrer eigenen, von Europa verschiedenen Umwelt aufzubauen. Wohl hatten die Kolonien bei ihrem Aufstand den gr�ssten Nachdruck auf Anerkennung ihrer Rechte unter der englischen Verfassung gelegt: in Tat und Wahrheit aber hatten sie f�r neue politische Ideen gek�mpft, die ihr alleiniges Eigentum waren: f�r Selbstregierung durch das Volk, das Grundprinzip der amerikanischen Demokratie, und, als ein Zweites, f�r �rtlichdemokratische Selbstverwaltung, d. h. f�r das Recht, unter Gesetzen zu stehen, die nicht Tausende von Kilometern entfernt gemacht worden waren. Der Geist Amerikas ertrug keinen Unterschied zwischen Mensch und Mensch vor dem Gesetz.

Das Wahlrecht, das bei Abschluss der Revolution noch beschr�nkt war, wurde mit jedem Jahrzehnt weiter ausgedehnt und wurde allgemein und gleich. Die Gewissheit, dass Menschen unver�usserliche Rechte haben, drang in die ganze Weit; binnen vierzig Jahren waren s�mtliche spanischen Besitzungen in Amerika dem Beispiel der englischen Kolonien gefolgt. Wo immer in Europa die Revolution scheiterte, konnten die Menschen nach der Neuen Welt auswandern und die zutiefst ersehnte Freiheit finden. Es war das neue, revolution�re Amerika, nach dem die Freunde der Freiheit nun aus allen Teilen der Alten Welt zu str�men begannen, und Benjamin Franklin, der w�hrend des Krieges in Frankreich t�tig gewesen war, hatte den Wanderungsstrom vorausgesagt: �Die Tyrannei in der Welt ist so allgemein, dass die Aussicht auf eine Zuflucht in Amerika alle Freiheitsliebenden mit tiefem Gl�cksgef�hl erf�llt. . ."

Der Norweger Henrich Steffens erinnerte sich noch in seinem sp�teren Leben an den Tag, da der Sieg der Kolonien in D�nemark, wo er seine Kindheit verbracht hatte, verk�ndet worden war:

�Ich erinnere mich noch lebhaft des Tages, an dem der Friedensschluss, der Sieg im Kampf um die Freiheit, gefeiert wurde. Es war ein sch�ner Tag. Die Schiffe im Hafen waren festlich geschm�ckt, von den Masten wehten lange Wimpel. Die pr�chtigsten waren am grossen Flaggenmast achtern aufgezogen, andere flatterten am Bug oder waren zwischen die Masten gespannt. Eine leichte Brise war aufgekommen und bl�hte Fahnen und Wimpel . . . Vater hatte ein paar G�ste ins Haus gebeten, und wir Knaben durften gegen die sonst im Hause herrschende Gewohnheit bei Tisch erscheinen. Vater erl�uterte die Bedeutung des festlichen Tages, man f�llte auch unsere Gl�ser mit Punsch, und w�hrend wir tranken und die neue Republik hochleben liessen, wurden die d�nische und die nordamerikanische Flagge in unserem Garten gehisst ... Die Vorahnung grosser Ereignisse, die dieser Sieg nach sich ziehen w�rde, f�llte die Herzen mit Jubel. Es war der Fr�hschein eines neuen Morgens, der nach einem blutigen Tag der Geschichte freundlich emporstieg."

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